
Pfarrer an der Aschenbahn
Thomas Weber begleitet als Olympiapfarrer die deutsche Mannschaft nach Peking
Gewinnen Sportler, die vor dem Wettkampf beten, eher die Goldmedaille als Nichtgläubige? Diese Frage wird dem "Olympiapfarrer" Thomas Weber häufig gestellt. "Das ist natürlich Quatsch", sagt der evangelische Theologe, der seit 2006 die deutsche Mannschaft zu Olympischen Spielen begleitet. Aber das Angebot zu vertraulichen Gesprächen über "Gott und die Welt" wird nach seiner Erfahrung von den Sportlern gerne angenommen.
"Als Pfarrer ist man dort ein Exot", erzählt der 50-jährige Gemeindepfarrer im westfälischen Gevelsberg bei Wuppertal über seine Erfahrungen bei Spitzenwettkämpfen. Die Leute rechneten mit allen möglichen Experten, einen Pfarrer erwarte man an der Aschenbahn aber so ziemlich als letzten. "Das ist auch eine große Chance", erklärt Weber, der zusammen mit seinem katholischen Kollegen Hans-Gerd Schütt geistlicher Ansprechpartner für die gesamte deutsche Delegation ist. Eingeladen werden die Pfarrer offiziell vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).
"Es sind nicht nur die Sportler, die unter einem enormen Druck stehen", so Weber. Auch für die Trainer hängt ihre weitere Karriere von den Erfolgen ab. Neben dem Angebot eines deutschsprachigen Gottesdienstes im religiösen Zentrum wollen die Theologen vor allem Räume bieten, in denen nicht die Leistung im Vordergrund steht.
Es tue gut, einmal mit jemanden über die ganz normalen Dinge des Lebens sprechen zu können, ohne dass man damit rechnen müsse, dass das am nächsten Tag in der Zeitung stehe, hat sich ein Sportler nach den Winterspielen 2006 in Turin bei Weber bedankt. Themen der Gespräche seien oft die Familie, die weitere Lebensplanung oder die Angst vor Verletzungen und die Angst vor dem Ende der Karriere.
An den Wettkämpfen fasziniert Weber, dass sie eine eigene Welt schaffen: "In der Stunde des Sieges hat man viele Freunde." Aber erst das Überwinden einer Niederlage forme die Persönlichkeit. "Olympiapfarrer" ist Weber, der auch dem Vorstand des Arbeitskreises "Kirche und Sport" angehört, im Nebenamt. Der knapp über zwei Meter große Theologe spielt Handball und Tennis, zudem fährt er leidenschaftlich gern Fahrrad und Ski.
Das Angebot der Kirchen werde von Seiten des Sports immer wieder nachgefragt. Dass das Angebot ankommt, hat der Theologe immer wieder in persönlichen Gesprächen und E-Mails erfahren. Ein weiteres Erfolgserlebnis ist der Wunsch eines Kampfrichters, dass Weber sein Neugeborenes in diesen Tagen tauft: "Da merke ich, dass die Kontakte etwas bewirkt haben." Vorher hatte der Kamprichter mit Kirche nicht viel zu tun.
Der Olympiapfarrer im Spiegel der Presse
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"Den olympischen Geist gibt es noch"
Bericht auf den ZDF-Internetseiten
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Deutsche Olympiaseelsorger spenden Trost
Bericht auf den ARD-Internetseiten
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Gottes Wettkämpfer
Artikel in der Frankfurter Rundschau
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Der Sportpfarrer - Psychologe und Seelentröster
Bericht auf den Internet-Seiten der Deutschen Welle