Kirchliche Bilanz

Die Bilanz ist eine Darstellungsform im kaufmännischen Rechnungswesen. Bei ihr werden zu einem Stichtag alle Vermögenswerte (Aktiva) den Eigentumsanteilen und Verpflichtungen (Passiva) gegenübergestellt (bilanziert). Die Bilanz wird zugleich mit der jährlichen Gewinn- und Verlustrechnung aufgestellt.

Das kirchliche Rechnungswesen orientierte sich bis vor wenigen Jahren nicht an diesem kaufmännischen, ergebnisorientierten Verfahren. Es glich vielmehr den staatlichen oder kommunalen Verfahrensweisen (Kameralistik). Diese folgen dem Muster einer erweiterten Einnahme-Ausgabe-Rechnung und haben sich lange Zeit als zweckmäßig erwiesen. Kirchliche Vermögenswerte (wie z. B. Kirchengebäude oder Altarbilder) gelten zudem nach dem kirchlichen Selbstverständnis als unveräußerlich; sie sind kein Handelsgut. So wurden in der Regel nur die Finanzmittel und die Schulden in Vermögensverzeichnissen erfasst.

Mit der wachsenden Erkenntnis, dass auch in der Kirche wie in den öffentlichen Bereichen ein ergebnisorientiertes Rechnungswesen hilfreich bei der Gestaltung der Arbeit sein kann, ist die kirchliche Haushalts- und Rechnungslegungs- sowie Vermögensordnung novelliert worden. So wird schrittweise ein Rechnungswesen eingeführt, das sich am kaufmännischen Rechnungswesen orientiert und insoweit eine vollständige Bilanzierung des kirchlichen Vermögens und der Schulden vorsieht. Allerdings folgen die rechtlichen Vorgaben für das kirchliche Rechnungswesen, die mit allen Landeskirchen der EKD erarbeitet wurden, nicht vollumfänglich dem Handelsrecht, da in der kirchlichen Bilanz das Gläubigerschutzprinzip nicht im Vordergrund steht - beispielsweise durch die Unveräußerlichkeit von Sachvermögen, das dem Gottesdienst gewidmet ist; ebenso wie Renditezahlen wegen dem fehlenden Gewinnstreben nicht die Bedeutung erlangen wie im kaufmännischen Rechnungswesen.

Die Grundaussage einer kirchlichen Bilanz ist daher eine andere als die einer kaufmännischen Bilanz, dies ist beim Lesen zu beachten. Das Gebot der Sicherung der stetigen Aufgabenerfüllung steht im Blickpunkt kirchlichen Interesses, handelsrechtliche und steuerrechtliche Bilanzvorgaben sind dadurch teilweise außer Kraft gesetzt. Bei der Bilanzierung des Sachvermögens der Kirchen wird so regelmäßig der für die nachhaltige Aufgabenerfüllung nötige Substanzwert aufgezeigt und nicht einen Markt- oder Verkehrswert dokumentiert.

Möglichen Missverständnissen wird durch die Differenzierung in nicht realisierbares (dem Gottesdienst gewidmetes) und grundsätzlich realisierbares Vermögen entgegengewirkt sowie durch Ausweis der für die Erhaltung des Substanzwertes nötigen Aufwendungen. So kann nachvollzogen werden, welcher häufig auch kulturelle Wert den kirchlichen Körperschaften zur Substanzerhaltung auferlegt wurde, genau wie bei Museen, deren Aufgabe es ist, die enthaltenen Kunstschätze zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Abweichend weisen einige Landeskirchen für ihre Kirchengebäude nur einen Erinnerungswert aus, tragen jedoch dennoch Sorge, dass der durch die Nutzung entstehende Ressourcenverbrauch wieder erwirtschaftet wird.

Es wird für die gesamte evangelische Kirche keine konsolidierte, d. h. zusammengefasste so genannte "Konzernbilanz" geben können: Landeskirchen sind eigenständige und rechtlich selbständige kirchliche Körperschaften und diakonische Einrichtungen sind eigenständige juristische Personen.

Die Vorgaben für die Bilanzierung und die Ausgestaltung der kirchlichen Bilanz finden sich in den Ordnungen für das kirchliche Finanzwesen auf der Basis der kirchlichen Doppik und auf der Basis der erweiterten Kameralistik, ebenso in den Bewertungs- und Bilanzierungsrichtlinien, die mit den Landeskirchen gemeinsam vereinbart wurden (alles herunterzuladen unter "Download").


EKD Logo
Evangelische Kirche in Deutschland
Copyright ©2016 Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) | Datenschutz | Impressum
Publikationsdatum dieser Seite: 14.06.2016 12:54