Kirchentag will sich nicht für Wahlkampf instrumentalisieren lassen

25. Mai 2005

Köln/Berlin (epd). Der beginnende Bundestagswahlkampf wird nach Einschätzung des rheinischen Präses Nikolaus Schneider auch beim evangelischen Kirchentag in Hannover eine Rolle spielen. "Das ist natürlich ein hervorragendes Podium für Politikerinnen und Politiker, sich zu positionieren", sagte der oberste Vertreter der zweitgrößten evangelischen Landeskirche am Mittwoch im WDR. Kirchentagspräsident Eckhard Nagel betonte, dass sich der Kirchentag nicht von der Politik instrumentalisieren lassen werde.

Schneider bezeichnete das Protestantentreffen, das von Mittwochabend bis Sonntag dauert, zugleich als Chance, "nach Hintergründen zu fragen und mal genauer abzuklopfen, wofür die Einzelnen denn wirklich stehen und auf welchem ethischen Hintergrund sie formulieren". Der Präses vertritt drei Millionen Protestanten im Rheinland.

Auch Nagel erwartete, dass manches Thema jetzt unter einem anderen Blickwinkel diskutiert werde. Wenn der Kirchentag den Politikern aber nicht mehr Raum gebe als ihnen gebühre, könne er auch nicht als Wahlkampfplattform instrumentalisiert werden, sagte Nagel im Deutschlandfunk. Bei rund 3.000 Veranstaltungen sehe er diese Gefahr nicht.

Beim Kirchentag wird zahlreiche Polit-Prominenz erwartet, darunter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), CDU-Chefin Angela Merkel und Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne).

Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann sagte, die Teilnehmer von Kirchentagen seien viel zu kritisch, um sich mit Wahlkampfslogans zufrieden zu geben. Es werde genau beobachtet werden, ob die Politiker die Balance fänden zwischen parteipolitischem Engagement und "der Erdung im christlichen Glauben", sagte die frühere Kirchentags-Generalsekretärin und Gastgeberin des Kirchentags in Hannover im DeutschlandRadio Kultur.

25. Mai 2005



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