Von der Bibelarbeit bis zum Popkonzert

22. April 2013

Hamburg (epd). Beten, feiern, diskutieren - ganze 620 Seiten zählt das Programmheft des 34. Deutschen Evangelischen Kirchentags in Hamburg. Der blaue Wälzer dient als Wegweiser durch den Dschungel aus mehr als 2.500 Veranstaltungen, die das Protestantentreffen vom 1. bis 5. Mai bietet. Thematische Schwerpunkte unter dem Leitwort "Soviel du brauchst" sind verantwortungsvolles Wirtschaften, der interreligiöse Dialog und Inklusion, also die faire Teilhabe für alle. Rund 100.000 Dauerteilnehmer werden erwartet.

Dass der Kirchentag diesmal am 1. Mai beginnt, ist der Gastgeberstadt geschuldet: Am traditionell für das Christentreffen reservierten Himmelfahrtswochenende feiert Hamburg seinen Hafengeburtstag mit rund einer Million Besuchern, der Kirchentag musste deshalb auf einen anderen Termin ausweichen. Doch die Terminverschiebung mag Früchte tragen. So könne das Christentreffen dazu beitragen, "neue Brücken zu schlagen", sagt Kirchentagspräsident Gerhard Robbers. Dazu wollen Kirche und Gewerkschaften am Maifeiertag mit einer gemeinsamen Veranstaltung beitragen.

Offiziell eröffnet wird der Kirchentag am Nachmittag des 1. Mais mit gleich vier Gottesdiensten unter freiem Himmel am Rathaus, auf dem Fischmarkt, in der Hafen-City und auch auf der Reeperbahn. So richtig los geht das Christentreffen für viele Besucher mit dem "Abend der Begegnung", zu dem rund 300.000 Besucher erwartet werden. Zwischen Rathaus und Binnenalster stellen sich die Regionen der gastgebenden Nordkirche vor. Zum Abschluss empfangen die Teilnehmer vor der Kulisse eines Lichtermeers den Abendsegen.

Egal, ob traditionell oder modern - der Kirchentag bedient viele Geschmäcker: Das Angebot an Gottesdiensten reicht von der historischen Feier nach einer Ordnung aus dem 18. Jahrhundert bis zum Techno-Gottesdienst unter dem Motto "Freiheit für Liu Xiaobo".

Zur festen Einrichtung eines jeden Kirchentags gehört inzwischen das Konzert der "Wise Guys". Die Kölner Band tritt am 3. Mai im Stadtpark auf. Auch die Fans von Max Mutzke und Stefanie Heinzmann können sich auf Auftritte ihrer Stars freuen. Einen musikalischen Höhepunkt ganz anderer Art stellt am 2. Mai die Premiere der Bonhoeffer-Oper "Vom Ende der Unschuld" des Komponisten Stephan Peiffer dar. Sie widmet sich Motiven aus dem Leben und Denken des deutschen Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer (1906-1945).

Eine Neuerung des Kirchentages ist das Forum "Internet und Gesellschaft", in dem unter anderem die Frage diskutiert wird, wie sich Menschen durch die vollkommene Vernetzung verändern. Neu sind auch die "Ideensalons", zu denen der Kirchentag Menschen mit neuen Projekten und klugen Gedanken zum Thema "Armut und solidarische Ökonomie" einlädt.

Unter die Besucher mischen sich auch diesmal prominente Gesichter. Neben politischen Größen wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Joachim Gauck nehmen unter anderem die Leiterin des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen, Helen Clark, und der anglikanische Bischof Nicholas Baines teil. Bibelarbeiten halten etwa der Kabarettist Eckart von Hirschhausen und die Chefredakteurin der Berliner "tageszeitung", Ines Pohl.

Der Kirchentag feiert in Hamburg auch ein Jubiläum. "30 Jahre Kirchentag barrierefrei" begeht das Protestantentreffen mit einer besonderen Aktion. Mit einem Pappanhänger können die Teilnehmer in der Stadt "Gute Orte für Alle" markieren, an denen Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit willkommen sind.

Die Großveranstaltung im Norden steht natürlich im Zeichen des Wassers. Bei einer Schiffswallfahrt können die Besucher sich die frische Brise um die Ohren wehen lassen. Geboten werden auch Workshops zu Seemannsknoten und Segelhissen, an den Landungsbrücken wird ein "Kirchentagshafen" eingerichtet.

"Soviel du brauchst" - diesem Leitwort des Hamburger Kirchentags widmet sich auch der Schlussgottesdienst am Sonntag. Ellen Ueberschär, Generalsekretärin des Kirchentags, übersetzt es so: "Schöpfen Sie aus der Fülle des Programms, sammeln Sie, soviel Sie brauchen, schenken Sie weiter, was zu viel ist."