EKD-Beauftragter: Friedensthema muss wieder in Mittelpunkt rücken

Leitender Bremischer Pastor fordert neues Rüstungskonversionsprogramm

03. Mai 2013

Die evangelischen Gemeinden in Deutschland sollten das Thema Frieden wieder mehr in den Mittelpunkt rücken. Das hat der Friedensbeauftragte der EKD, Renke Brahms, am Donnerstag auf dem Kirchentag in Hamburg gefordert. Er verwies auf das Hamburger Protestantentreffen im Jahr 1981, der ein „Meer von lilafarbenen Schals“ gewesen sei. Mit dem Motto „Die Zeit ist da für ein Nein ohne jedes Ja zu Massenvernichtungswaffen" protestierten vor 23 Jahren Zehntausende von Menschen gegen den Nato-Doppelbeschluss.

Heute seien die Friedens-Fragen zwar sehr komplex, sagte Brahms. Dennoch beobachte er, dass der Frieden in der evangelischen Kirche weiterhin ein Thema sei – und auch auf dem Hamburger Kirchentag. In den Gemeinden gebe es gerade für die Arbeit in Kindergärten und Jugendgruppen viele Beispiele, wie die friedliche Lösung von Konflikten in den Mittelpunkt gerückt werden könne, sagte Brahms. So existiere zum  Beispiel in Bremen ein Friedens-Kindergarten, und einige Landeskirchen bildeten junge Menschen zu Friedensstiftern aus.

Die Bundesregierung forderte Brahms auf, die Produktion und den Export von Waffen „nicht zu einem Mittel der Außenpolitik“ zu machen und so Staaten, die als weniger schlimm angesehen würden, mit Waffen zu versorgen. Es sei „ein Skandal, dass Deutschland der drittgrößte Waffenexporteur der Welt“ sei. Brahms, der als leitender Geistlicher der Bremischen Landeskirche den Titel Schriftführer trägt, wies aber auch auf einen Konflikt hin: In Bremen hingen überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze von der Rüstung ab, sagte er. Fordere man aber nur deren Abschaffung, verlören viele Menschen ihre Existenz. Deshalb müssten die Politiker ein neues Rüstungskonversionsprogramm aufsetzen – um so die Arbeitsplätze zu erhalten.

Brahms sprach auf der Bühne auf dem Fischmarkt bei der Veranstaltung „Versöhnung ist mühsam“. Nach ihm sprachen zwei Vertreter einer Familieninitiative, in der sich Israelis und Palästinenser um Versöhnung bemühen.