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Eklat

Von Christine Lässig


Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Im Falle der Leipziger Universitätskirche St. Pauli trifft eindeutig das Gegenteil zu. Man hat nicht miteinander geredet, jedenfalls nicht diejenigen, die es unmittelbar betrifft: die sächsische Landesregierung nicht mit der Universitätsleitung, die katholische Kirche nicht mit der evangelischen, der Paulinerverein nicht mit der Leipziger Bevölkerung. Und nun ist man ins Gerede gekommen (siehe Seite 2). Das vorläufige Ergebnis fehlender Kommunikation: Das gesamte Rektorat der Universität ist zurückgetreten. Alte Vorurteile gegen die Katholiken feiern fröhliche Urständ. Die Leipziger lehnen den von der Landesregierung überraschend verordneten originalen Wiederaufbau der gesprengten Universitätskirche entschiedener ab als noch vor einem knappen halben Jahr. Die Architekten denken inzwischen an ein Gotteshaus der Weltreligionen, was dem Vatikan so nicht vorgeschwebt haben dürfte. Die Regierung hat sich weithin unbeliebt gemacht und übt sich in Schadensbegrenzung. Währenddessen ist Nobelpreisträger Günter Blobel als Vorsitzender des Leipziger Paulinervereins dabei, in den USA einen Verein für den Wiederaufbau zu gründen, um 30 Millionen Euro Spendengelder zu sammeln.

Eines scheint klar: Wenn neu geplant werden muss, wird zum 600. Gründungsjubiläum der Universität im Jahre 2009 das neue Campus-Gelände nicht fertig sein. Und falls die alte Kirche St. Pauli dort originalgetreu aufersteht, wird das der Kirche nicht zugute kommen. Denn die Fassade erweckt den Anschein, als ob sie stehen geblieben sei, während sich ihr Umfeld gewandelt hat. Das ist historisch falsch und inhaltlich auch. Die Kirche ist dabei, Schwellenängste abzubauen und auf die Menschen zuzugehen, die nicht mehr von alleine kommen. Und das dürfte in der ursprünglich geplanten und auch von anderen genutzten Pauliner-Aula leichter möglich sein als in einer Phantomkirche, die den Leipziger aufgenötigt wurde.


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