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Zur Geschichte der Kirchenprovinz Sachsen

Als vor 1000 Jahren Deutschland "in der Wiege lag", kamen aus dem Gebiet der heutigen Kirchenprovinz Kaiser und Könige. Das Grab Heinrichs I. findet sich in der Stiftskirche zu Quedlinburg und das Ottos des Großen im Magdeburger Dom. Ottos Herz allerdings wurde einst in der jetzigen Kirchenruine Memleben nahe Naumburg beigesetzt. Dieses Stammgebiet der Sachsenherrscher war ein Sammelbecken vielfältiger Siedlungs- und Kulturströmungen, die eine der bedeutendsten deutschen Kunstlandschaften mit Bau- und Kunstdenkmälern von hohem Rang hervorbrachten. Der Magdeburger Erzbischof hatte Einfluss; auf die Bistümer Halberstadt, Naumburg-Zeitz, Brandenburg, Havelberg, Merseburg und Meißen. Sieben mittelalterliche Dome sind seit der Reformationszeit evangelische Kirchen der Kirchenprovinz. Deren älteste Kirche in Rohr geht auf die Zeit Karls des Großen zurück. In den Kirchen der über 2000 Gemeinden der Landeskirche gibt es viele bekannte und unbekannte Kunstschätze.

Marktkirche in Halle

Die Marktkirche in Halle / Saale



Aber auch die Lutherstädte Eisleben, Erfurt und Wittenberg liegen hier. In Erfurt studierte Luther an der schon 1392 gegründeten Universität und lernte den Kreis der dortigen Humanisten kennen. Später lehrte er an der neugegründeten Universität Wittenberg, zusammen mit Philipp Melanchthon und anderen Reformatoren. Von dort sandte er seine 95 Thesen an seinen Dienstherren, den Magdeburger Erzbischof Kardinal Albrecht. Magdeburg wurde später zu "Unseres Herrgotts Kanzlei".

Ein Jahrhundert danach durchzog der Dreißigjährige Krieg weite Gebiete in diesem Bereich und verwüstete sie. In Lützen liegt das Grab des Schwedenkönigs Gustav Adolf. Ende des 17.Jahrhunderts wanderten hugenottische Glaubensflüchtlinge ein, deren Nachfahren bis heute in den reformierten Gemeinden der Kirchenprovinz zu Hause sind.

Im 18.Jahrhundert wurde Halle, die heutige größte Universitätsstadt der Region, zum Zentrum des Pietismus und der evangelischen Aufklärung. Damals gründete der Theologe August Hermann Francke die Franckeschen Stiftungen. Bis heute werden an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg viele Pfarrer der Kirchenprovinz ausgebildet.

1817 entstand in Preußen durch Befehl des Königs die Evangelische Kirche der Union, damals Altpreußische Union genannt. Damals wurde auch das Magdeburger Konsistorium als zentrale kirchliche Verwaltungsbehörde für die Provinz Sachsen festgelegt. Und ein Jahr später wurden die Universitäten Erfurt und Wittenberg geschlossen. Etwa 30 Jahre später gab Johann Hinrich Wichern 1848 auf dem Kirchentag in Wittenberg starke Impulse für die Diakonie. In der Zeit des Nationalsozialismus machte sich eine kleine Schar bekennender Christen unter den jungen Theologen von der offiziellen deutsch-christlich geprägten Kirche unabhängig und schloß sich zu einer Bruderschaft "Junge Brüder" zusammen. Sie stand den Gemeinden der Bekennenden Kirche zur Verfügung und wurde besonders begleitet von Ludolf Müller, Heiligenstadt, dem Präses der Synode der Bekennenden Kirche in der Kirchenprovinz (er wurde erster Nachkriegsbischof der Kirchenprovinz) und von Wolfgang Staemmler, Großkugel dem späteren Wittenberger Propst.
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