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Informatives
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Von der Altmark über den Fläming bis in die Leipziger Tieflandsbucht, vom Harz über Saale und Unstrut bis in den
Thüringer Wald erstreckt sich das Gebiet der Kirchenprovinz. Das Territorium reicht damit von Sachsen-Anhalt bis
nach Thüringen, Brandenburg und Sachsen. Fruchtbares Ackerland und sandige Heide, Industrie- und Urlaubsgebiete
wechseln sich ab. Magdeburg, Halle und Erfurt sind die sozialen, kulturellen und politischen Brennpunkte.
Vielfältige Kulturströmungen haben eine der bedeutendsten deutschen Kulturlandschaften hervorgebracht. Vor 1000
Jahren kamen aus der Gegend der Kirchenprovinz Kaiser und Könige. Die Gräber Heinrichs I. und Ottos des Großen finden
sich in der Stiftskirche zu Quedlinburg und im Magdeburger Dom.
Auf dem Gebiet der Kirchenprovinz liegen die vier Lutherstädte Mansfeld, Eisleben, Erfurt und Wittenberg. In Eisleben
stehen das Geburts- und das Sterbehaus des Reformators, in Mansfeld wuchs er auf. In Erfurt hatte er studiert und den Kreis der dortigen
Humanisten kennengelernt. In Wittenberg lehrte Luther zusammen mit Melanchthon und anderen an der neugegründeten
Universität. Von dort sandte er 1517 seine 95 Thesen an den Magdeburger Erzbischof Kardinal Albrecht.
Ein Jahrhundert danach durchzog der Dreißigjährige Krieg das Land. In Lützen liegt das Grab des Schwedenkönigs
Gustav Adolf. Ende des 17. Jahrhunderts wanderten hugenottische Glaubensflüchtlinge aus Frankreich ein, deren
Nachfahren bis heute in den reformierten Gemeinden der Kirchenprovinz zu Hause sind.
Im 18. Jahrhundert wurde Halle zum Zentrum des Pietismus und der evangelischen Aufklärung. August Hermann Francke
gründete seine Stiftungen. An der Martin-Luther-Universität werden die meisten Pfarrer der Kirchenprovinz ausgebildet.
Im 20. Jahrhundert sind die Gemeinden unserer Kirchenprovinz der Bedrängnis zweier Diktaturen ausgesetzt gewesen.
Während des Nationalsozialismus hat für viele von ihnen der Widerstand der Bekennenden Kirche eine prägende Rolle
gespielt. Die atheistische Politik der DDR von 1949 bis 1989 hat ständig zu Auseinandersetzungen mit dem Staat geführt,
beispielsweise in der Frage der Jugendweihe und einer Alternative zum Wehrdienst. War die Bevölkerung früher überwiegend
evangelisch, so sind dies heute von den rund drei Millionen Einwohnern auf dem Gebiet der Kirchenprovinz nur noch 20 Prozent.
Im Jahre 1947 ist die Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen auf dem Gebiet der 1815 nach den
Freiheitskriegen entstandenen ehemaligen preußischen Provinz Sachsen gebildet worden. Seitdem ist sie ein selbständiges
Kirchengebiet mit eigener Kirchenverwaltung, dem Evangelischen Konsistorium in Magdeburg.
Die meisten Gemeinden in der Kirchenprovinz Sachsen sind lutherischer Prägung. Die Gemeinschaft mit den
reformierten Gemeinden hat eine enge Bindung zueinander wachsen lassen. Die Kirchenprovinz ist Gliedkirche der
Evangelischen Kirche der Union, die die Tradition der ehemaligen preußischen Landeskirche fortsetzt. Die aus dem
Pietismus stammende Frömmigkeit findet sich heute vor allem in den Kreisen der Landeskirchlichen Gemeinschaft.
Daneben gibt es Gruppen der geistlichen Gemeindeerneuerung.
Es gibt in unserer Kirche viele, oft sehr kleine Gemeinden. Vor allem in den einstmaligen Zentren der chemischen
Industrie, des Maschinen und des Braunkohlebergbaus stehen viele Menschen aufgrund von Arbeitslosigkeit und
wirtschaftlicher Neustrukturierung vor existentiellen Fragen. Dennoch sind in den Gemeindekirchenräten, in kirchlichen
Projekten und in zahlreichen Chören mehr als zwanzigtausend Gemeindemitglieder ehrenamtlich tätig. Die weniger
gewordenen Mitarbeiter müssen angesichts der sozialen, seelsorgerlichen und kulturellen Herausforderungen und
abnehmender finanzieller Mittel immer neue Ideen und Aktivitäten entwickeln.
Mit ihren mehr als 2.000 Kirchengebäuden hat die Kirchenprovinz ein reiches Erbe zu bewahren und zu nutzen.
Zahlreiche romanische Dorfkirchen prägen die Landschaft. Über 1.800 von ihnen sind denkmalgeschützt. Einige sind
Stationen auf der "Straße der Romanik". Sechs mittelalterliche Dome in Stendal, Magdeburg, Halberstadt, Halle, Naumburg
und Merseburg mit vielen Kunstschätzen sind seit der Reformation evangelische Kirchen. Sie für kirchliche und andere -
vor allem kulturelle - öffentliche Zwecke zu nutzen, ist Last und Chance zugleich, die Kirche, Staat und Gesellschaft
gemeinsam wahrnehmen müssen.
Das Diakonische Werk in der Kirchenprovinz Sachsen mit seinen rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern widmet
sich mit vielen Initiativen und Einrichtungen dem Dienst an den Schwachen in Gemeinde und Gesellschaft. Moderne
Krankenhäuser und gut ausgestattete Behinderten-Zentren, sowie zahlreiche Sozialstationen und Beratungsstellen leisten
eine unverzichtbare Arbeit.
Unverzichtbar ist auch die Arbeit der kirchlichen und staatlichen Religionslehrerinnen und -lehrer an den
öffentlichen Schulen. Der Aufbau des Religionsunterrichts vollzieht sich nur langsam und gegen Widerstände.
Zur Fort- und Weiterbildung evangelischer Religionslehrerinnen und -lehrer hat die Kirchenprovinz in Kloster Drübeck
bei Wernigerode ein Pädagogisch-Theologisches Institut eingerichtet.
Der Erwachsenenbildung und der Auseinandersetzung mit politischen und gesellschaftlichen Fragen dient die Arbeit
der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt in Lutherstadt Wittenberg.
Der Synode der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen gehören 85 Mitglieder an, die jeweils etwa zur
Hälfte Gemeindekirchenrats-Mitglieder und berufliche Mitarbeiter sind. Zu ihren Aufgaben gehört es unter anderem,
die meisten der Mitglieder der 15-köpfigen Kirchenleitung zu berufen.
Strukturell ist das Gebiet der Kirchenprovinz mit seinen 2.150 Kirchengemeinden in 5 Propstsprengel und 21
Kirchenkreise gegliedert. Die zentrale Verwaltungsbehörde der Kirchenprovinz ist das Evangelische Konsistorium in
Magdeburg, das vom Konsistorialpräsidenten geleitet wird.
Bischof Axel Noack ist seit 1997 der Leitende Geistliche der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen.
Nach Theologiestudium und Vikariat war er Studentenpfarrer in Merseburg und Gemeindepfarrer in Wolfen. Seit 1991 gehört
er dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an. Zuvor hatte er bereits seit 1986 als Mitglied der
Konferenz der Kirchenleitungen des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR gesamtkirchliche Verantwortung
übernommen.
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© 1998 - 2003 Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen
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