Frerk rechnet dabei alles zusammen, was „irgendwie mit Kirche“ zu tun
hat:
27 deutsche katholische Bistümer plus 24 evangelische Landeskirchen
plus Tausende (!) von Einrichtungen in Diakonie und Caritas; dazu
wirtschaftliche Unternehmungen (kirchliche Genossenschaftsbanken,
kirchliche Verlage oder ähnliches), die für kirchliche Partner tätig
sind. Das alles kann man mathematisch zusammenrechnen, aber es macht
nur begrenzt Sinn: Kein Bischof und kein Finanzdezernent kann über
all das gebieten. Jede Einrichtung ist eine eigene
Rechtspersönlichkeit, hat eigene Aufsichtsgremien und vor allem
eigene Aufgaben, für die sie ihre Mittel eigenverantwortlich
einsetzt.
Immerhin: Wenn man das alles zusammenrechnet, hat man
eine interessante Zahl, aber welche Aussage? Was brächte es schon,
wenn man Opel, BMW und VW zum „Vermögen der deutschen
Automobilindustrie“ zusammenrechnete? Wenig, aber spätestens hier
würde man ja nicht nur die aktiven Vermögenswerte addieren,
sondern auch die Vermögensverhältnisse berücksichtigen und vor
allem Verpflichtungen, Belastungen und Schulden benennen. Aktiva
und Passiva heisst das in der Fachsprache.
Aber mehr noch:
Welchen pekuniären Wert haben Krankenhäuser eigentlich? Immerhin:
Schon eine einzige Röntgenanlage kostet einige Millionen EURO!
Welchen Wert haben Sozialstationen? An welcher Börse werden
Kindergärten gehandelt? Kirchengebäude stehen in der Tat in
besten Citylagen. Frerk ermittelt daraus deren Wert mit 44
Milliarden EURO. Die 2.300 Kirchen der Kirchenprovinz Sachsen
repräsentieren allein einen Gestehungswert (ohne Grundstücke!)
von wenigstens 5 Milliarden EURO. Aber welcher Gewinn lässt
sich daraus ziehen? Selbst wenn die Kirchengemeinden es
wollten, sind Kirchen meist unverkäuflich (oder sollte man
wenigstens die Cranach-Altäre daraus verkaufen???). Keine
Bank würde ein Kirchengebäude als Sicherheit für einen Kredit
akzeptieren! Dabei haben schon diese Kirchengebäude allein
einen jährlichen Instandhaltungsbedarf von gut 50 Millionen
EURO! Nahezu doppelt soviel, wie die 540.000 Gemeindeglieder
der Kirchenprovinz Sachsen an Kirchensteuern aufbringen!
Ist also das kirchliche Vermögen ein Vermögen ohne Wert? So betrachtet ja.
Anders gesehen aber dient es der Erfüllung der kirchlichen Aufgaben und
erlangt gerade dadurch seinen besonderen Wert: Bistümer und
Landeskirchen, die diakonischen und caritativen Einrichtungen sind
Teil unserer Gesellschaft.
Mehr noch: Sie stehen im Dienst der
Gesellschaft. Seelsorge ist eine wichtige soziale Aufgabe. Kranke
heilen und Kinder betreuen ebenso. Deutschlandweit werden gut
1.500.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Tausenden von
Einrichtungen und Werken und Kirchengemeinden tätig sein. Sie
müssen von diesen bezahlt werden. Finanzquellen sind dabei
selbstverständlich Erträge des kirchlichen Vermögens (wo es
solche gibt, wie aus dem Landbesitz der Kirchengemeinden).
Unverzichtbare Beiträge sind die Mitgliedsbeiträge der
Gemeindeglieder, wie die Kirchensteuern oder der
Gemeindebeitrag. Unverzichtbar sind natürlich auch
Leistungsentgelte oder Beiträge, die sich aus der Leistung
für den Einzelnen oder für die Gesellschaft durch kirchliche
Einrichtungen (wie der Krankenhäuser oder Kindergärten)
ergeben. Kirchliche Träger haben darauf wie alle anderen
einen Anspruch. Sie haben Teil an der pluralistischen
Aufgabenteilung unserer Gesellschaft – so wie wir alle das
1989 wollten und so wie die Gesellschaft das heute will.
Dafür sieht der Staat selbstverständlich
Steuererleichterungen vor, wie für alles, was dem
Gemeinwohl dient, seien es nun Fußballvereine, Parteien
oder Kirchen.
Wie reich sind sie nun aber wirklich, die Kirchen? Sind die oben erwähnten
500 Milliarden EURO viel oder wenig? Vielleicht hilft ein Vergleich:
Durchschnittlich 500.000 EURO kostet ein Arbeitsplatz in der
Bundesrepublik Deutschland. Um 1,5 Millionen Arbeitsplätze zu schaffen,
müssten gut 750 Milliarden EURO investiert werden...
Aber vielleicht ist das gar nicht die wahre Frage? Man glaubt es eben
immer gern, dass die Kirchen reich sind. Das war schon immer so. Als der
Kaiser von Rom einst die Schätze der Kirche sehen wollte, brachte ihm
der heilige Laurentius die Armen der Stadt: „Das ist der wahre Reichtum
der Kirche“.
´Dasein für andere´, das ist damals wie heute der wirkliche Reichtum der
Kirche und
eine schwere Aufgabe dazu.
(Thomas Begrich)