Kirchentag: Kritik an ungezügeltem Gewinnstreben
26. Mai 2005
Hannover (epd). In der Kapitalismusdebatte haben führende Vertreter der evangelischen Kirche auf dem Kirchentag in Hannover Kritik an ungezügeltem Gewinnstreben von Unternehmern geübt. CDU-Chefin Angela Merkel beklagte in einer Bibelarbeit am Donnerstag, dass es neben wirtschaftlichen Problemen in Deutschland auch eine Sinnkrise gebe. Die Zukunft des Sozialstaates werde nicht nur politisch entschieden. Das wirklich tragende Fundament einer solidarischen und gerechten Gesellschaft seien Glaube und religiöse Ausrichtung, so Merkel.
Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann verurteilte in scharfer Form Sozialdumping und rücksichtslosen Kapitalismus. Sie kritisierte deutsche Unternehmer, die ihre Produktion wegen niedriger Löhne ins Ausland verlagern. Wer in Deutschland leben wolle, müsse auch Verantwortung für das Land tragen.
Zugleich äußerte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, in einem RBB-Radiointerview Sorge darüber, dass die Macht der Wirtschaft zu einer Ökonomisierung des Lebens und Denkens führe. Dazu werde es auf dem Kirchentag "klare Gegengewichte" geben.
Der evangelische Theologe Jörg Zink (82) plädierte auf dem Kirchentag für mehr Gelassenheit in der Kapitalismusdebatte. Christen müssten sich weltweit dafür einsetzen, dass Lohn und Gewinn in einem angemessenen Verhältnis zueinander stünden. Auch der Konflikt zwischen Alten und Jungen um die gerechte Verteilung des Wohlstands sei ein "uraltes Generationenproblem" und könne nur durch gegenseitige Rücksichtnahme gelöst werden, sagte der Autor christlicher Bestseller.
