Petra Bahr fordert Diskussion über die „Kultur des Digitalen“

EKD-Kulturbeauftragte: „Der Streit über Urheberrechte im Internet gehört in die Mitte der Gesellschaft“

29. Februar 2012

Logo der EKD Die Debatte um die Sicherung von Urheberrechten im Internet müsse mehr als bisher öffentlich geführt werden. Das hat die Kulturbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Oberkirchenrätin Petra Bahr, gefordert.

„Dieser Streit gehört in die Mitte der Gesellschaft. Er ist nicht in Expertengremien zwischen Juristen und IT-Experten zu entscheiden, weil es um unser Selbstverhältnis (…) geht“ und um die Frage, „wie wir uns in Zukunft vergesellschaften wollen“, schreibt Bahr in einem Beitrag für die Zeitung des Deutschen Kulturrates „Politik und Kultur“ (Ausgabe 2/12). Bahr kritisiert darin das pseudoreligiöse Verständnis mancher Netzaktivisten: „Offenbar hat sich in der nur vermeintlich schrankenlosen und hierarchiefreien digitalen Gesellschaft längst eine Kerngemeinde gebildet, die die Deutungshoheit über das beansprucht, was in dieser Gesellschaft gelten soll.“

Wie die Persönlichkeitsrechte von Urhebern künstlerischer Werke, Drehbüchern, Videos, Filmen, Romanen, Kompositionen, wissenschaftlicher Werke und journalistischer Beiträge mit dem Interesse derer vermittelt werden könne, die möglichst leichten Zugang zu denselben haben wollen, bedürfe dringend der Diskussion, so Bahr. Es sei zum Beispiel nicht statthaft, die Interessen von Künstlerinnen und Künstlern nach einem „angemessenen Auskommen in der analogen Welt (heißt: Miete, Krankenversicherung und nicht zuletzt das Laptop für die Kinder)“ als „veraltete Leitkultur eines vergangenen Jahrhunderts“ zu brandmarken.

Mit dem „Trick“, alle im Netz Aktiven zu „Prosumenten“ (also zu Produzenten und Konsumenten zugleich) zu erklären, würden die Fragen nach dem „Wert von Kreativität“ umgangen und oft auch noch „handfeste ökonomische Interessen“ verklärt. Es sei deshalb notwendig, in der digitalen Welt eine „Kultur der Aufklärung“ zu etablieren, in der „Chancen und Grenzen, Glück und Gefährdung ohne kulturpessimistische Geste, aber auch ohne visionäre Schönfärberei“ thematisiert würden. Es sei deshalb an der Zeit, dass die Debatte um Urheberrechte aus dem „Schatten ihrer Rechtsfixierung“ herauskomme. Bahr: „Wir brauchen nicht nur eine digitale Kultur, wir brauchen dringend eine Kultur des Digitalen.“

Hannover, 29. Februar 2012

Pressestelle der EKD
Reinhard Mawick



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