Bonhoeffer taugt zum Heiligen

EKD-Ratsvorsitzender Huber

25. Januar 2006

Frankfurt a.M. (epd). Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, hat die Aktualität von Dietrich Bonhoeffer betont. In einem Interview mit dem Magazin "Chrismon" würdigt der Berliner Bischof den Theologen und Märtyrer als Heiligen: "Heilig ist im evangelischen Verständnis jemand, der für Andere zum Vorbild im Glauben wird." Bonhoeffers Geburtstag jährt sich am 4. Februar zum 100. Mal. Er wurde 1945 wegen seines Widerstands gegen das NS-Regime hingerichtet.

Bonhoeffer sei kein Heiliger gewesen, der aus der Welt flieht. Er habe seine eigenen menschlichen Schwächen nicht versteckt. Huber: "Seine Angst in der Haft, seine Depression, seine Wut. Jemand, der diese unterschiedlichen Seiten des Lebens bejaht, ist für mich eher ein Vorbild im Glauben als jemand, der sich davon ganz weit entfernt und als Eremit in der Einöde lebt." Ein Mensch wie Bonhoeffer, "der gerne Klavier spielt, sich ins Gefängnis Zigaretten schicken lässt und ein gutes Glas Wein nicht verschmäht, taugt durchaus dazu, ein Heiliger zu sein", so Huber weiter.

Bischof Huber betonte, man müsse Bonhoeffers Leistung als Theologe ebenso ernst nehmen wie seine Rolle im Widerstand. Bonhoeffer habe mit 21 Jahren die Kirche als Ort des Glaubens entdeckt und in einem sehr beeindruckenden Buch beschrieben, wie wir in der Kirche leben sollen. Huber: "Das finde ich vorbildhaft." Er habe zudem im Alter von 28 Jahren ein Weltkonzil des Friedens ausgerufen. "Dieser Mann war bereits ein Vorbild - noch vor Beginn seiner Auseinandersetzung mit dem nationalsozialistischen Regime, lange vor seiner Teilnahme an der Konspiration gegen Hitler", folgerte Huber.

"Religion ist ein Megathema des 21. Jahrhunderts", fügte Huber mit Blick auf Ereignisse wie den katholischen Weltjugendtag in Köln oder die Wiedereinweihung der evangelischen Frauenkirche in Dresden 2005 hinzu. Bereits zu seiner Zeit habe Bonhoeffer die Frage gestellt: "Wie kommt das Evangelium zum Ausdruck in den großen Riten unserer Mediengesellschaft? Diese Frage kann man niemandem ersparen."

Der Berliner Bischof erklärte, Dietrich Bonhoeffers Werk habe sein eigenes Leben nachdrücklich beeinflusst. Huber: "Bonhoeffer ist mir schon in meiner Schulzeit in den fünfziger Jahren begegnet. Ein guter Religionslehrer hat mich mit ihm vertraut gemacht." Die Lektüre Bonhoeffers "war für mich ein entscheidender Anstoß, Theologie zu studieren".