Dietrich Bonhoeffer

Buchtipps

Geheimnis der Freiheit

Die Gedichte Dietrich Bonhoeffers aus der Haft. Biographie - Poesie - Theologie

Jürgen Henkys

Cover 'Geheimnis der Freiheit'

Kurzinfo:

Sie gehören zu den letzten Texten, die er schrieb, und zu den ersten, die nach  dem Krieg seinen „Mythos“ begründeten. „Von guten Mächten“ und „Wer bin ich“ -  längst haben diese bekanntesten unter den Gefängnisgedichten Dietrich Bonhoeffers  eine je eigene Geschichte weit weg von ihrem Ursprung. Wo aber lag dieser Ursprung? Und was sagen diese beiden sowie die bisher weit weniger bekannten acht anderen Gedichte Bonhoeffers über diesen Menschen, sein Leben und Erleben?
Jürgen Henkys erschließt die Gründe und Hintergründe in Bonhoeffers Dichtung.  Eine Neuentdeckung längst bekannt geglaubter Texte und die Erschließung bisher  kaum wahrgenommener Gedichte, ein fesselnder Einblick in das Leben Dietrich Bonhoeffers.

1. Auflage 2005
Gütersloher Verlagshaus
302 S. Geb.
EUR 24,95
ISBN 3-579-01891-4


Rezension:

Der Bonhoeffer-Experte Jürgen Henkys, emeritierter Professor für Praktische Theologie an der Humboldt-Universität in Berlin, interpretiert die zehn Gedichte, die Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) in der Haft in Berlin verfasst hat.
Sie sind etwa gleichzeitig entstanden wie seine revolutionären Überlegungen zur Diesseitigkeit und „Weltlichkeit“ des Glaubens, zum „religionslosen“ Christentum, zur „nichtreligiösen Interpretation“ biblischer und theologischer Begriffe, zur Mündigkeit des modernen Menschen und zur „Ohnmacht“ Gottes, der mit Jesus am Kreuz und mit allen unterdrückten und misshandelten Menschen leidet.

Zusammen mit diesen brieflich geäußerten Gedanken sind acht der zehn Gedichte schon seit 1951 in der von Bonhoeffers Freund Eberhard Bethge herausgegebenen Band „Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft“ abgedruckt.

Die außerordentlich reifen, künstlerisch ausgestalteten, aus tiefem Erleben und aus der Not der Haft und der Erwartung der Hinrichtung erwachsenen Texte – am bekanntesten ist das auch in das Gesangbuch eingegangene Lied „Von guten Mächten“ – werden von Henkys nach allen Regeln der Kunst aufgeschlossen: textkritisch, exegetisch, literarkritisch, zeitgeschichtlich, biographisch, theologisch. Damit ergibt sich mosaikartig ein Gesamtbild eines der genialsten Theologen des 20. Jahrhunderts.

Bei Bonhoeffer bilden Theologie und Leben eine Einheit. Er war zur radikalen Nachfolge Jesu wie zu unerbittlich wahrhaftem Denken bereit. Er zählt zu den glaubwürdigen christlichen Märtyrern, obwohl oder auch weil der Grund für seine Verhaftung und Hinrichtung in seinem Widerstand gegen ein barbarisches Regime gegeben war, das Bonhoeffer und eine große Zahl andere wacher Geister der deutschen Elite aus Verantwortung für die Menschen zu riskantem politischem Handeln getrieben hatte.

Im ersten Teil des Buches ist minutiös alles aus der Biographie Bonhoeffers zusammengetragen, was für das bessere Verständnis der zehn poetischen Texte von Bedeutung ist.
Im zweiten, umfangreicheren Teil sind die Gedichte in ihrer definitiven Gestalt abgedruckt und werden in jeder erdenklichen Hinsicht, bis hin zu Parallelen aus dem Werk anderer Autoren, zu Vertonungen und zur Wirkungsgeschichte, abgehorcht. Das ist nirgends langwierig und immer äußerst instruktiv.

Bonhoeffers Gedichte, das macht Henkys deutlich, sind nicht lediglich Widerspiegelungen seiner theologischen Werke und seiner brieflichen Überlegungen, sondern in manchem auch weiterführend. Es sind Äußerungen eines Christen, der in der Grenzsituation seines Kerkers und des von der totalitären Herrschaft zudiktierten vorzeitigen Todes den Ernstfall des Gottvertrauens und zugleich des Daseins für andere praktiziert. Sie sind eindrucksvolle Belege einer nur im Gehorsam gegen Gottes Gebot und Verheißung zu gewinnenden Freiheit, wie sie in dem Gedicht „Stationen auf dem Wege zur Freiheit“ klassisch formuliert ist.

Das Buch ist nicht zuletzt eine Hilfe für Gemeindearbeit, Erwachsenenbildung und Unterweisung in Schule und Unterricht. Dort einige dieser Gedichte Bonhoeffers vorzustellen, gibt allen Beteiligten Impulse für eigenes Nachdenken über die Bedeutung Gottes für das eigene Leben und ein Gespür für authentisches Reden von Gott aus eigener Erfahrung.

Dr. Andreas Rössler
(zuerst erschienen in: Für Arbeit und Besinnung. Zeitschrift für die Evangelische Landeskirche in Württemberg, 15/ 16 2005, mit freundlicher Genehmigung des Autoren).



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