Materialien zu Luther
Zitate aus Luthers Leben
Wir sind Bettler. Das ist wahr.
Über kaum eine andere Persönlichkeit der Weltgeschichte haben durch die Jahrhunderte hin so widerstreitende Ansichten geherrscht wie über Martin Luther. Das Werk und auch die Stationen seines Lebens gerieten den Künstlern des 17. und 18. Jahrhunderts denn auch zur in Kupfer gestochenen Mischung von „evangelischer Heiligenlegende" und barockem Panoptikum.
1483 Geburt und Kindheit
„Im Jahre 1483 bin ich, Martin Luther, geboren von meinem Vater Johannes Luther und meiner Mutter Margaretha. Mein Vaterland war Mansfeld. Ich bin eines Bauern Sohn, mein Vater, Großvater, Ahnherr sind rechte Bauern gewesen ... Danach ist mein Vater gen Mansfeld gezogen und daselbst ein Berghauer geworden ... Die Mutter hat all ihr Holz auf dem Rücken zusammengetragen, also haben sie uns erzogen."
1501-1505 Studium und Eintritt' ins Kloster
„Denn da ich zu Erfurt in der Hochschule angefangen hatte, in guten Künsten und der Philosophie zu studieren, und darin so viel gefaßt und gelernt hatte, daß ich Magister geworden war, hätte ich daselbst ... die Jugend wiederum lehren und unterrichten können oder aber hätte fortfahren mögen, weiter zu studieren. Doch ich verließ meine Eltern und Verwandten und begab mich wider ihrer aller Willen in das Kloster und zog eine Kutte an. Denn ... ich glaubte, ich würde im Mönchsstande und mit solcher harten, sauern Arbeit Gott einen großen Dienst tun."
1505-1507 Die Zeit im Kloster
„Ich hätte mich, wenn die Zeit länger gedauert hätte, zu Tode gemartert mit Wachen, Beten, Lesen und anderer Arbeit." „Denn wo nur eine kleine Anfechtung kam von Tod oder Sünde, so fiel ich um und fand weder Taufe noch Möncherei, die mir helfen konnten ... Da war ich der elendste Mensch auf Erden, Tag
und Nacht war da eitel Heulen und Verzweifeln."
1516 Turmerlebnis
„Endlich, da ich Tag und Nacht darüber nachdachte, gab ich auf den Zusammenhang acht, nämlich: die Gerechtigkeit Gottes wird darin offenbar, wie geschrieben steht: Der Gerechte lebt seines Glaubens ... Da fühlte ich, daß ich ganz und gar neugeboren bin und durch die geöffneten Pforten in das Paradies eingetreten war."
1517 Thesenanschlag
„Der Ruhm war mir nicht lieb, denn wie gesagt ich wußte selbst nicht, was der Ablaß war und das Lied wollte meiner Stimme zu hoch werden."
1521 Vor dem Reichstag in Worms
„Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen."
1521 Schutzhaft auf der Wartburg
„Ich reiste zu meinen Verwandten über den Wald... Als ich aber wieder von ihnen aufbrach, bin ich, während wir auf Waltershausen gingen, ein wenig hinter dem Schloß Altenstein gefangen worden ... Ich habe meine Kleider ablegen und ein Reitergewand anlegen müssen und Haar und Bart wachsen lassen ... "
1525 Ehe mit Katharina von Bora
„... wünsche und erbitte uns Glück. Ich habe mich durch meine Hochzeit so feil und verächtlich gemacht, daß ... wie ich hoffe, die Engel lachen und alle Teufel weinen. Die Welt und ihre Klüglinge erkennen nicht Gottes frommes und heiliges Werk und machens grade bei mir zu einem gottlosen und teuflischen. Daher gefällt es mir desto mehr, daß meine Heirat ihrem Urteil verdammlich und anstößig ist, so lange sie keine Kenntnis von Gott haben.“
1530 Auf der Feste Coburg
„Sehet an den Reichstag zu Augsburg, der wahrhaftig die letzte Posaune und Trompete ist vor dem jüngsten Tage. Wie wütete da die Welt wider das Wort! O wie mußten wir dazumal beten, daß Christus im Himmel droben sitzen bleiben möchte. Da brach unsere Lehre durch die Confessio hervor ans Licht, also daß sie in kurzer Zeit durch den Kaiser allen Königen, Fürsten und Universitäten zugeschickt ward. Viele feine treffliche Leute ... fingen diese Lehre wie ein Zunder und danach zündeten sie andere auch an."
1538-1546 Letzte Jahre
„Wenn ich noch ein Jahr am Leben bin, so werde ich erleben, daß man mir mein armes Stublein hinwegreißt, daraus ich doch das Papsttum gestürmt habe, weswegen es ewigen Andenkens wert wäre. Aber die Bastion, der in Bau begriffene Wall und die bevorstehende Bekrönung des Bollwerkes werden mirs wegfressen."
1546 Tod
„Wir sind Bettler. Das ist wahr.“
© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
