Zum Film: "Die Passion Christi"

Der Mann mit den zwei Gesichtern - Der Schauspieler und Regisseur Mel Gibson

Frankfurt a.M. (epd). Als vor zwei Jahren die ersten Nachrichten auftauchten, dass Mel Gibson die letzten zwölf Stunden im Leben Jesu Christi auf die Leinwand bringen wollte, herrschte Irritation. Ausgerechnet Mel Gibson? Bis dato war er für manchen nur eine der Ikonen des Action- und Blockbuster-Kinos.

Der am 3. Januar 1956 in New York geborene Schauspieler, dessen Eltern 1968 nach Australien auswanderten, wurde 1979 international bekannt mit dem Endzeitfilm «Mad Max», in dem er einen Gesetzeshüter in einer brutalen Zukunftswelt spielte. Zwei Fortsetzungen fand das Wüstenepos, die letzte 1985.

Zu dieser Zeit arbeitete Gibson schon in Hollywood, wo er 1984 in Mark Rydells «Menschen am Fluss» debütierte. In «Die Bounty» von Roger Donaldson aus dem selben Jahr, einer Adaption des mehrmals verfilmten Stoffes, spielte er Fletcher Christian, der gegen seinen grausamen Kapitän aufbegehrt. Zuvor hatten schon Clark Gable und Marlon Brando in dieser Rolle brilliert, und Gibson zeigte, dass er das Zeug zu einem romantischen «leading man» Hollywoods hatte.

Aber auch in Hollywood machte den gut aussehenden Schauspieler mit den blauen Augen und dem bezwingenden Lächeln die Rolle in einem Actionfilm bekannt. In «Zwei stahlharte Profis» gab er 1987 den Polizisten Martin Riggs, einen Vietnam-Heimkehrer, der als lebende Kampfmaschine den Kampf mit dem organisierten Verbrechen aufnimmt: Die «Rambo»-Ähnlichkeiten lagen auf der Hand. Gibson hat nie vor eindimensionalen Rollen zurückgeschreckt. Als er sich schon mit «Die Passion Christi» beschäftigte, kam sein «Wir waren Helden» in die Kinos, eine unreflektierte Glorifizierung des Vietnam-Krieges.

Gibsons Beschäftigung mit der Passionsgeschichte hat viel mit seiner eigenen Biografie zu tun. Der Vater von sieben Kindern versteht sich als strenggläubiger Christ. Er gehört einer sektenähnlichen fundamentalistischen Glaubensgemeinschaft an, obwohl er eine Zeit lang auch als ein Sexsymbol des Kinos galt. Ursprünglich wollte er Priester werden und besuchte in Sydney die «St. Leo's Christian Brother School».

Gleichzeitig gibt es auch in der Leinwandkarriere des Mel Gibson den Wunsch, aus den Klischees auszubrechen, ein Faible für unbequeme Projekte. Er wirkte in Peter Weirs beeindruckendem Antikriegsfilm «Gallipoli» mit (1981) und spielte einen australischen Freiwilligen im Ersten Weltkrieg, dem eine Schlacht an der türkischen Küste seine Illusionen nimmt. Um verlorene Illusionen ging es auch in «Ein Jahr in der Hölle» (1982): Als Journalist erkennt er während der Indonesienkrise die menschenverachtenden Seiten seiner Profession. Und in Wim Wenders' «The Million Dollar Hotel» (2000) ermittelt er als skurriler FBI-Agent in einem heruntergekommenen Hotel, während ihm in der Komödie «Was Frauen wollen» (2001) als Werber die Wandlung vom Macho zum Softie gelang.

Vor «Die Passion Christi» hat Gibson schon zwei Mal Regie geführt. Beide Filme weisen Parallelen zu seinem Jesus-Film auf. In «Der Mann ohne Gesicht» (1993) spielte er einen Lehrer mit entstelltem Gesicht, der als Einsiedler lebt. Sichtbar ist in dieser Rolle sein Impuls, aus dem Image des Hollywood-Sonnyboys auszubrechen, gleichzeitig weidet sich dieser Film an der Opferrolle des Lehrers, dessen verbranntes Gesicht aus heutiger Perspektive wie ein Stigma wirkt.

In dem mit fünf «Oscars» ausgezeichneten «Braveheart» (1995) verkörperte er den schottischen Freiheitshelden William Wallace, der im 13. Jahrhundert für die Unabhängigkeit von England kämpfte. Auch dieser Film nutzte schon exzessive Schlachtendarstellungen für die Heraufbeschwörung des mittelalterlichen Freiheitskampfes.

Mel Gibson hat angekündigt, weitere Episoden aus der Bibel verfilmen zu wollen. Aber gleichzeitig heißt es auch, dass er demnächst als Mad Max wieder das australische Outback durchstreifen wird - im geplanten vierten Teil der Action-Serie.

Autor: Rudolf Worschech (epd)



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