Getrennt und vereint - 60 Jahre Ev. Kirche in Ost- und Westdeutschland (Dokumentation)
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Sogar Pfarrer im Ruhestand sind wieder tätig. Die Nachfrage nach Taufen und Trauungen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen; die Zahl der Kirchenaustritte geht zurück, die der Eintritte steigt. Die evangelische Kirche ist wieder im Kommen. Der Weg dahin war ein schwieriger. Vor 60 Jahren, 1948 in Eisenach, gab sich die Evangelische Kirche in Deutschland ihre Grundordnung, die für ganz Deutschland gilt. Ein Jahr bevor sich die Bundesrepublik und die DDR gründeten. Die Staatsgründungen bewirkten, dass Deutschland in zwei unterschiedliche Systeme aufgeteilte wurde. Die Evangelische Kirche blieb zunächst als übergreifende Institution bestehen.
Mit dem Bau der Mauer musste die Kirche in der DDR eine für sie existentielle Frage beantworten: Wie kann Kirche im Sozialismus überleben, wie kann sie als Kirche im Sozialismus lebendig bleiben? 1968 gründeten die Landeskirchen den Bund der evangelischen Kirche in der DDR, die einzige eigenständige Großorganisation in Ostdeutschland.
Über Jahre hinweg setzten sich die Pfarrer in ihren Gemeinden für die Freiheit der Menschen ein und verschoben in kleinen Schritten die Grenzen, die ihnen von staatlicher Seite gesetzt worden waren. So kämpften sie gegen die Militarisierung der Gesellschaft und für Gewissens- und Glaubensfreiheit. Die SED misstraute der Kirche, ihre Eigenständigkeit war ihr stets ein Dorn im Auge. Die Stasi versuchte, die evangelische Kirche zu unterwandern und setzte Tausende von Spitzeln auf Pfarrer und Bischöfe an. Trotz des Aufwandes hielt sich der Ertrag in Grenzen. Entscheidenden Anteil am Überleben der Ostdeutschen Kirchen hatte die EKD. Mit materieller und finanzieller Unterstützung sicherte die EKD den Bestand der ostdeutschen Kirche.
In Ostdeutschland trug das engagierte Auftreten der Menschen in den Kirchen und Gemeinden maßgeblich dazu bei, dass die friedliche Revolution ihren Anfang nahm. In Westdeutschland wurde die Evangelische Kirche zum kritischen Begleiter der jungen bundesrepublikanischen Demokratie. Kirchentage wurden zu Seismographen gesellschaftlicher Aufgabenstellungen und Probleme.
Die Kirche stand nicht abseits der Politik. Sie intervenierte: sei es mit ihrer Ostdenkschrift im Vorfeld der neuen Ostpolitik oder sei es bei den Auseinandersetzungen um den Nachrüstungsdoppelbeschluss. Nach der politischen Wiedervereinigung Deutschlands vereinigten sich auch die Kirchen wieder. Ein Prozess mit Spannungen und neuen Perspektiven.
Im Fokus der 45-minütigen Dokumentation stehen zwei Kirchenkreise, die durch die Grenze getrennt waren. Saalfeld in Thüringen und Ludwigsstadt in Oberfranken. Der Film zeigt, wie die Menschen in Ostdeutschland ihren langen, anhaltenden Widerstand für freiheitliche Rechte führten. Wie sie es mit Witz und Tricks schafften, die Grenzen beständig zu verschieben. Die Westgemeinden unterstützten die Ostgemeinden bei ihrem Kampf und halfen, wo sie konnten.
Dennoch kam es bei Treffen auch zu Konflikten. Die Alltagswelt der Menschen war zu verschieden. Mit Archivmaterial werden die großen Stationen der Evangelischen Kirche in Deutschland markiert, doch die Geschichte wird vor allem im Kleinen erzählt, sie handelt von Menschen und ihren Gemeinden.
Phoenix, 21.11., 21:00 – 21:45 Uhr

