Shahida – Allahs Bräute
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Was bringt Frauen dazu, Allah über alles zu stellen und in seinem Namen Anschläge zu verüben, die unzählige Opfer fordern? Die junge israelische Regisseurin Natalie Assouline dokumentiert über zwei Jahre hinweg in einem israelischen Hochsicherheitsgefängnis das Leben palästinensischer Frauen, die in Selbstmordattentate verwickelt waren. Sie stellt Fragen zum Unfassbaren, verurteilt aber nicht und macht so die vielen Grauschattierungen der Wirklichkeit sichtbar.
21. März 2002: Es ist Muttertag. Kahira macht Frühstück für ihre vier kleinen Kinder, umarmt sie und schickt sie in die Schule. Wenig später machen sich Kahira, eine andere junge Frau und ein Mann auf den Weg nach Jerusalem. Als sie die Stadt erreichen, mischen sich die beiden Frauen unter die Menge, kaufen Blumen und beobachten die angrenzenden Straßen. Dann zerreißt eine ohrenbetäubende Explosion die Luft. Die Innenstadt versinkt im Chaos.
Später in der Nacht wird Kahira von israelischen Soldaten festgenommen. Drei Menschen kamen bei der terroristischen Attacke ums Leben, 80 wurden verletzt. Kahira wird zu dreimal Lebenslänglich verurteilt.
Das Hasharon-Gefängnis in Israel, Sicherheitstrakt für weibliche Gefangene, zumeist Palästinenserinnen. Alle waren in Selbstmordattentate verwickelt. Die Autorin und Regisseurin Natalie Assouline, eine israelische Jüdin, begibt sich zu den "Feindinnen ihres Volkes", um zu verstehen, nicht zu verurteilen.
Sie hat eine intensive Beziehung zu den gefangenen Frauen aufgebaut - eine davon ist Kahira. Assouline darf ohne Beschränkung durch die Gefängnisleitung drehen. Die meisten Täterinnen sind zwischen 25 und 30 Jahre alt, sie haben ihr ganzes Leben noch vor sich. Einige sind Mütter, haben Familien. Eine von ihnen ist schwanger. Es stellt sich die Frage: Warum setzten diese Frauen alles aufs Spiel? Was hat sie dazu gebracht, Allah über alles, auch über die eigenen Familien und ihre Kinder zu stellen, ihren Neugeborenen ein Leben im Gefängnis zuzumuten oder als Schwangere einen Anschlag auf eine Kinderkrippe zu verüben?
Der Film spiegelt den Widerspruch und den inneren Konflikt, den man angesichts dieser Frauen empfindet. Man ist hin- und hergerissen zwischen Anteilnahme, manchmal Mitgefühl oder gar Verständnis bis hin zu völligem Unverständnis, zu Abscheu und Wut angesichts ihrer grausamen Taten und Morde.
Natalie Assouline arbeitet als Autorin und Regisseurin unter anderem für das Fernsehen. Ihr besonderes Interesse gilt den Menschenrechten. Sie ist Mitglied des Israeli Forum of Documentary Film Makers. Seit sechs Jahren ist sie Filmdozentin.
Unter anderem drehte sie die Dokumentarfilme "Birth in Arab Culture" und "Final Goodbye", der 2002 beim Internationalen Dokumentarfilmfestival in Amsterdam mit dem Silbernen Wolf und mit dem ersten Preis beim Docaviv Festival in Tel Aviv ausgezeichnet wurde.
"Shahida - Allahs Bräute" stieß international auf großes Interesse. Der Film hatte seine Premiere 2008 auf der Berlinale und erhielt dort den Fipresci-Preis der Internationalen Filmkritik für die Sektion Forum. Darüber hinaus wurde er 2008 ausgezeichnet mit dem Prix Italia - Spezialpreis "Communication for Life", dem Friedenspreis beim 23. Unabhängigen FilmFest Osnabrück und dem "Premio Ondas" beim Wettbewerb der 55. Internationalen Ondas Awards in Barcelona für ein TV-Programm, das Qualität und Innovation in sich vereint.
Arte, Samstag, 09. Januar 2010, 16:30 - 17:45 Uhr

