Ein komplizierter Akt der Liebe

Buch-Tipp Buch-Symbol

Erwachsen werden in einer Mennonitengemeinde im Kanada der 80er Jahre.

"Meines Wissens ist das die peinlichste religiöse Untergruppierung von Menschen, zu der man als Teenager gehören kann. (...) Man muss sich nur vorstellen, der größte Außenseiter der Schule gründet eine Clique, bei der alles verboten ist: Medien, Tanzen, Rauchen, (...) Kino, Alkohol, Rockmusik, Sex aus Spaß, Schwimmen, Schminken, Schmuck, Billard, in die Großstadt fahren oder nach neun ins Bett gehen." - So beschreibt die 17jährige Nomi das Leben in einer sittenstrengen Mennonitengemeinde in der sie in einer liebevollen Familie aufwächst.

Doch irgendwann hält „die schönere Hälfte unserer Familie“ die geistige und räumliche Enge des Dorfes nicht mehr aus. Zuerst verschwindet Tash, die ältere Tochter, dann Trudie, die Mutter. Wohin weiß niemand so genau. Nomi und ihr depressiver, liebevoller, leicht verschusselter Vater Ray bleiben zurück, schockiert, sprachlos und verwirrt. In der Gemeinde wird über die verirrten Schafe geschwiegen, als hätte es sie nie gegeben.

Wie Ray und Nomi das Weiterleben gelingt schildert die Autorin aus der Sicht der 17jährigen, für die sie eine wunderbare eigenständige Sprache gefunden hat: zärtlich und schnoddrig, distanziert und anlehnungsbedürftig zugleich. Wir erfahren von ihren kleinen Sünden (Rauchen, Rockmusik hören, Alkohol trinken und mit ihrem Freund knutschen) und von ihrem Traum abzuhauen, aus dem kleinen Kaff East Village in Manitoba nach New York in das echte East Village, mitten hinein in das wahre Leben.

Aber Nomi bleibt bei Ray – jedenfalls in dieser Geschichte. "Manche können abhauen und manche nicht (…) und die, die abhauen können, werden immer unendlich viel cooler sein als die, die es nicht können, und ich gehöre zu denen, die es nicht können, (...) und da sitzt schließlich noch dieser alte Knacker im wollenen Anzug in einem leeren Haus, der niemand mehr hat außer mir."

Eine bewegende, warmherzige Familiengeschichte, tieftraurig und witzig, schroff und liebevoll zugleich, vor dem Hintergrund einer starren religiösen Glaubensgemeinschaft.

Miriam Toews: Ein komplizierter Akt der Liebe. Roman. Aus d. kanad. Engl. von Christiane Buchner. - Berlin : Berlin Verl., 2005. - 299 S., ISBN 3-8270-0598-1, 18,00 €

Miriam Toews: Ein komplizierter Akt der Liebe. Roman. 2005.



erweiterte Suche

 


EKD-Newsletter

Jetzt anmelden

Immer gut informiert mit dem Newsletter der EKD: kostenlos und schnell.

 


Pressestelle

Zur Pressestelle der EKD

Und wenn die Pressestelle etwas für Sie tun kann ...