Der kleine Freiraum Literatur
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Azar Nafisi ist die Tochter des ehemaligen Bürgermeisters von Teheran. 17 Jahre lang lebte sie in den USA. 1979 kehrte sie als Professorin für Literatur nach Teheran zurück. Aufgrund ihrer Weigerung, den Tschador zu tragen, verlor sie 1995 ihren Lehrauftrag. Bevor sie 1997 endgültig das Land verließ, hielt sie regelmäßige Privatseminare für interessierte Schülerinnen ab.
Nachdem die Autorin 1995 ihren Lehrauftrag an der Allameh Tabatabai Universität verloren hat, gerät der Kampf gegen das iranische Regime zu einem Kampf um ihre persönliche Existenz. Wobei die politische Motivation jedoch immer mehr in den Hintergrund gerät. Zwei Jahre lang trifft sie sich jeden Donnerstag heimlich mit sieben ihrer ehemaligen Studentinnen, alle muslimischen Glaubens unterschiedlicher Ausprägung, in ihrer Wohnung. Angesichts des repressiven iranischen Regimes gestattet ihnen dieser Schutzraum, ihre Schleier abzulegen, ihre Haare offen zu tragen und sie selbst zu sein. Es ist der einzige Ort, an dem sie frei über ihre Gefühle sprechen können. Das Lesen und Diskutieren von Büchern, die die Regierung verboten hat und die nur schwer zu beschaffen sind, ist das Hauptanliegen ihrer Treffen. Sie bedeuten „ eine Welt der Helle und Schönheit zu betreten, einige Stunden frische Luft und Sonne zu erleben“. Im Mittelpunkt steht dabei die zentrale Frage, wie die Frauen die Literatur fruchtbar machen können für ihr eigenes Leben. Einfache Rezepte oder simple Lösungen sind jedoch nicht gefragt, sondern die Hoffnung auf Verbindung zu Freiräumen, die die Romane im Vergleich zu ihrer eigenen Enge bieten.
Wenn alle Wege versperrt sind, kann der kleine Freiraum Literatur zur großen Freiheit werden. Dieses aufzuzeigen ist Azar Nafisi mit ihrem literarisch-politischen Bericht gelungen. Angesichts des aktuellen Karikaturstreits und der iranischen Atomdiskussion empfiehlt sich dieses Buch auch als politische Hintergrundinformation.
Azar Nafisi: Lolita lesen in Teheran. Aus dem Amerik. von Maja Ueberle-Pfaff. - 3. Aufl. - München : DVA, 2005. - 421 S.
ISBN 3-421-05851-2, geb. : 17,90 €
Hilde Schnittker, Deutscher Verband der Evangelischen Büchereien (www.dveb.info)
Azar Nafisi: Lolita lesen in Teheran
