
Ein Steckbrief: ausgefüllt von Dr. Martinus Luther
Zusammengestellt von Stefan Rhein
Name:
Philipp Melanchthon
Dein Geburtstag:
16. Februar 1497 (Philippus ist 14 Jahre jünger als ich)
Dein Sternzeichen:
Wassermann - dass die Astrologie eine Wissenschaft sei, wird weder Philippus noch jemand anderes mich überzeugen. - Philippus mit seiner heillosen und schwärmerischen Astrologia hielt mich noch einen Tag auf, denn es war Neumond. Ich wollt aber nicht bleiben, denn wir sind die Herren über die Sterne.
Geäußert nach einer Abreise aus Schmalkalden 1540
Du bist für mich:
... ein guter Kollege
Die Theologen Johannes Bugenhagen und Justus Jonas und der Maler Lucas Cranach waren bei Martin Luthers und Katharina von Boras Hochzeit am 13. Juni 1525 Zeugen. Melanchthon war erst zwei Wochen danach bei Kirchgang und Hochzeitsmahl unter den vielen Gästen
Mein erster Eindruck von dir:
Er hielt eine grundgelehrte und stilistisch bestens ausgefeilte Rede.
Geäußert nach Melanchthons Antrittsvorlesung: Uni Wittenberg, am 25. August 1518
Mein zweiter Eindruck:
Ein wunderbarer Mensch, ja einer, an dem fast alles übermenschlich ist, er ist mir dennoch ganz vertraut und befreundet.
Dezember 1518
Nach einem Jahr mit dir:
Dieser kleine Grieche übertriff t mich sogar in der Theologie. - Vielleicht bin ich nur der Vorläufer Philipps.
In seinen Baccalaureatsthesen vom 9. September 1519 hatte Melanchthon als Erster formuliert: Nur die Bibel ist Quelle christlicher Wahrheit, nicht die christliche Tradition oder das kirchliche Lehramt.
Was uns unt erscheidet:
In der Apostelgeschichte habt ihr ein Bild für uns beide. Philippus gleicht Jakobus, er hätte in seiner Bescheidenheit gern das Gesetz behalten wollen. Ich gleiche Petrus, der hindurchbrach und sprach: Was legt ihr den Heiden das Gesetz auf? So geht Philippus in der Liebe daher, ich im Glauben. Philippus lässt sich fressen, ich fresse alles und schone niemand. So wirkt Gott in verschiedenen Leuten doch ein und dasselbe.
1530
Was dich bewegt:
Kleine und leichte Sachen bewegen mich sehr, große aber nicht; denn da denke ich: Das ist dir zu hoch, du kannst es doch nicht halten, also lass es gehen. Philippus macht es umgekehrt: Meine Sorgen bewegen ihn nicht, ihn bewegen die großen Sorgen des Standes und der Kirche. So sind die Gaben verschieden.
1531
Was du gut kannst:
Bücher schreiben. Ich habe Magistri Philipps Bücher lieber denn die meinen.
Es gibt nach der Heiligen Schrift kein besseres Buch als Melanchthons "Loci communes".
1527 (der erste Satz), 1542 (der zweite)
Wie du schreibst:
Ich bin dazu geboren, dass ich mit den Rotten und Teufeln muss kriegen und zu Felde liegen, darum meiner Bücher viel stürmisch und kriegerisch sind. Ich muss die Klötze und Stämme ausrotten, Dornen und Hecken weghauen, die Pfützen ausfüllen, und bin der grobe Waldrechter, der die Bahn brechen und zurichten muss. Aber Magister Philipps fähret säuberlich und stille daher, bauet und pflanzet, säet und begeyßt mit Lust, nach dem Gott ihm hat gegeben seine Gaben reichlich.
1527
Was ich dir verdanke:
Meine Bibelübersetzung. Dazu hat mich Philipp gebracht. - Im Buch Hiob mühen wir uns so, Magister Philipp Melanchthon, Aurogallus und ich, dass wir in vier Tagen kaum drei Zeilen fertigbringen konnten.
1530, (Arogallus war ein Wittenberger Hebräischprofessor)
Ein Merkspruch zu dir:
Inhalt und Worte - Philippus
Worte ohne Inhalt - Erasmus
Inhalt ohne Worte - Luther
weder Inhalt noch Worte - Karlstadt.
In Torgau nach dem Essen am 1. August 1537 mit Kreide auf den Tisch. Herr Philippus sah es und sagte: Für Erasmus und Karlstadt stimme es. Doch ihm habe Luther zu viel zugeschrieben. Und Luther habe auch Worte.
