zurück

Die nächsten 140 Jahre können kommen

Die Gemeinde Alt Töplitz saniert ihre Gesell-Orgel

Die Orgel ist bekanntlich das klingende Herz einer jeden Kirche. Sobald der erste Ton den Kirchenraum durchflutet, werden alle Kirchenbesucher zwangsläufig von einem wohligen Gefühl ergriffen, das sich im Körper ausbreitet und die Seele erfüllt. Das "Herz" der evangelischen Kirche Alt Töplitz in Brandenburg, die Orgel des Orgelbauers Carl Eduard Gesell, funktionierte seit mittlerweile mehr als 140 Jahren treu und zuverlässig. In diesem Jahr nun musste das Instrument, das die Stiftung Orgelklang als "Orgel des Monats Juli" würdigt, umfassend saniert werden. Angesichts des Umstands, dass sie bereits seit 1879 ihren Dienst in der Gemeinde vollbringt und somit deren ältestes Mitglied ist, verwunderte es nicht, dass Gesell-Orgel in die Hände eines Orgelbauers übergeben werden musste.

Carl Eduard Gesell (1845 - 1894) erlernte den Beruf des Orgelbauers von seinem Vater. Er erwies sich als so talentiert, dass ihm auf seiner Gesellenwanderung von der Herforder Orgelbauwerkstatt Bernhard Meyer bescheinigt wurde, dass er "sich als durchaus tüchtigen, in allen Bereichen geübter Orgelbauer bewiesen hat." Die Alt Töplitzer Orgel schuf Gesell nach einem Entwurf von Carl Friedrich Schinkel. "Schinkel war vom preußischen König Wilhelm I. damit beauftragt, mehrere Entwürfe für Orgeln in ganz Preußen zu fertigen, um ein einheitliches architektonisches Bild in den preußischen Kirchen zu schaffen", sagt Orgelbauer Matthias Schuke. Dass das Instrument in Alt Töplitz aus dieser Zeit stammt, ist offensichtlich, denn es präsentiert sich in den typischen Formen des 19. Jahrhunderts im klassizistischen Design mit zwei größeren Außentürmen und zwei kleineren Mittelfeldern. Hinter dem Prospekt verbirgt sich ein rein mechanisches Werk mit einem Manual und Pedal.

Zwar ist die Orgel in Sachen Größe und Umfang nicht mit den ebenfalls von Gesell gebauten Instrumenten für die St. Pauli-Kirche in Brandenburg oder der Orgel für die deutsche evangelische Kreuzkirche im ehemaligen Konstantinopel zu vergleichen, dennoch zeigen sich auch bei ihr die künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten ihres Erbauers. "Deshalb ist es nicht überraschend, dass die Orgel die Zeiten nahezu unverändert überstanden hat", meint Schuke. Sieht man von den Prospektpfeifen ab, die wie nahezu überall in Deutschland aufgrund des Ersten Weltkrieges eingeschmolzen und durch Zinkpfeifen ersetzt wurden, ist das Instrument weitgehend original erhalten.

In diesem Jahr erfolgt die notwendige Sanierung: Die Rekonstruktion der Prospektpfeifen folgt dabei dem Vorbild der einzig erhaltenen originalen von Gesell geschaffenen Exemplare in der Kreuzkirche in Istanbul. Im Weiteren ist eine Restaurierung des großen Blasebalgs vonnöten, da dieser sehr schwere Schäden durch Holzwurmbefall aufweist. Klaviatur und Trakturen waren teils erheblich ausgespielt, das Pfeifenwerk stark verschmutzt und beschädigt. Auch erhält das Instrument eine umfangreiche Nachintonation und eine Generalstimmung. Mehr als 20.000 Euro bringt die Gemeinde für das im Sanierungsprojekt auf, das die Stiftung Orgelklang mit 2.000 Euro fördert.

Dass die Gesell-Orgel ausgerechnet durch die Firma Schuke saniert wird, ist übrigens kein Zufall: Im Jahr 1894 wurde die Firma Gesell vom Großvater des jetzigen Inhabers Matthias Schuke erworben und unter dem Namen Alexander Schuke Potsdam-Orgelbau GmbH weitergeführt. Matthias Schuke selbst lebt seit 1996 in Alt Töplitz - die Wiederherstellung des Instruments ist für ihn somit Ehrensache. "Dann können die nächsten 140 Jahre kommen", sagt Schuke, der sich sicher ist, dass die Alt Töplitzer Orgel der Gemeinde weiterhin kirchenmusikalisch dienen und ihre Zuhörer erfreuen wird: "Die Voraussetzungen dafür sind jedenfalls gegeben".

Nachdem in den vergangen Jahren bereits das Kirchengebäude in Alt Töplitz hergerichtet wurde, ist die Einheit von Orgel und Kirche bald wieder perfekt. Die denkmalwerte Orgel als klingendes Herz der Kirche schlägt dann wieder wie am ersten Tag und erfüllt durch Begleitung in Gottesdiensten, Hochzeiten, Taufen und Konzerten oder aber beim Orgelunterricht für interessierte Kinder das Gotteshaus mit Leben und Freude.

Online Spenden
Spendenbutton
Online Antragsverfahren
Online Antragsverfahren

Förderanträge an die Stiftung für Bauvorhaben, die im Jahr 2017 verwirklicht werden sollen, können ab Januar 2016 gestellt werden.

Die Projekte
Orgelklang Marginalmotiv Projekte

Logo der EKD
Evangelische Kirche in Deutschland
Copyright ©2016 Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland Herrenhäuser Straße 12, 30419 Hannover, Tel: 0 511 - 27 96 333 | Fax: 05 11 - 27 96 334
Publikationsdatum dieser Seite: Montag, 8. August 2016 13:10