Hospizbewegung ermöglicht menschenwürdiges Sterben

Mitarbeitende geprägt von christlichem Menschenbild

21. November 2002

Rund 25000 ehrenamtliche Mitarbeitende engagieren sich in der Hospizbewegung. Tendenz steigend. Sie kommen aus unterschiedlichen Berufsgruppen und sind in über 1000 Hospizvereinen und –gruppen organisiert. Letztendlich stehen sie bei der Sterbebegleitung immer vor existentiellen Grundfragen und treffen auf religiöse Bedürfnisse.

„Sterben ist immer noch ein Tabuthema. Gerade wenn jüngere Menschen betroffen sind, wagt es kaum jemand auszusprechen, dass er stirbt“, berichtet Katarina Schubert, Vertreterin des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Arbeitskreis Hospiz. Sie bringt ihre eigene Erfahrung aus langjähriger Gemeindearbeit als Pfarrerin mit. Seelsorgerische Betreuung durch Menschen, die es gewohnt seien, mit extremen Situationen und existentiellen Fragen umzugehen, sei nicht nur für den Sterbenden, sondern auch für seine Familie wichtig und hilfreich. Menschen hätten schließlich das Recht darauf, im Sterben nicht allein gelassen zu sein.

„Fast alle Mitarbeiter erfahren, dass sich die Betreuung von Sterbenden den uralten religiösen Fragen stellen muss. Wer bin ich, wo sind die Wurzeln meines Seins, was erhoffe ich mir nach dem Ende meines Leben“, so Roswitha Kottnik, Referentin für Hospizarbeit des Diakonischen Werkes der EKD. Trotz anfänglicher Distanz zwischen der vor etwa 30 Jahren entstandenen Hospizbewegung zu Kirchen und Diakonie, hätten die meisten Initiativen ihre Wurzeln innerhalb konfessioneller Einrichtungen gehabt, erinnert die Referentin.

Die EKD bezieht in dem Kundgebungstext, der auf der Synode im November dieses Jahres verabschiedet wurde, ausdrücklich positiv Stellung zur Hospizbewegung: „Die Hospizbewegung sowie die Intensivierung der schmerzlindernden Medizin müssen nachdrücklich unterstützt und gefördert werden, denn sie leisten einen wesentlichen Beitrag zur Ermöglichung menschenwürdigen Seins", heißt es im Text. Die evangelische Kirche verstehe die Ängste vieler Menschen vor einem qualvollen, einsamen Sterben und vor einem wehrlosen Ausgeliefertsein an sinnlos gewordene Maßnahmen der Lebensverlängerung.

"Zum christlichen Menschenbild gehört auch der würdige Umgang mit den Toten", so Thies Gundlach, Leiter der Abteilung "Verkündigung, Kirchliche Dienste und Werke" im Kirchenamt. Sterben gehöre zur Realität in den über 17000 Kirchengemeinden. In den Gottesdiensten des kommenden Sonntags werde dieser Wirklichkeit besonders gedacht: "Der Ewigkeit- oder Totensonntag wird in vielen Gemeinden in Erinnerung an die Verstorbenen des letzten Jahres gefeiert und versucht im Blick auf Gottes Trost, den Menschen beim Abschiednehmen zu helfen."

80 Prozent der Hospize, informiert Katarina Schubert, seien in konfessioneller Trägerschaft. Neben Krankenschwestern und Sozialarbeitern seien Pfarrer die Koordinatoren in Hospizvereinen. Etwa ein Drittel der Hospize sei zur Zeit evangelisch und zwei Drittel katholisch. Damit seien die Kirchen auf einem urchristlichen Terrain aktiv, das seine Anfänge in den Ordens- und Pesthäusern des Mittelalters gehabt habe. Ambulante Hospizdienste stellten den größten Teil aller vorhandenen Hospizangebote. Ihr vorrangiges Ziel sei es, ein Sterben zu Hause zu ermöglichen.

Hannover, 21. November 2002
Pressestelle der EKD
Anita Hartmann

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