Predigt anlässlich der Übergabe der liturgischen Abendmahlgeräte an die Friedenskirche in Jauer durch die UEK
Ryszard Bogusz
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.
Das Wort Gottes lese ich aus dem II. Brief des Apostels Paulus an die Korinther. Kapitel V. die Verse 17 – 18.
Darum: “Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur: das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
Aber das alles von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt.
Brüder und Schwestern,
Der heutige Tag bringt viel Freude für die Friedenskirche in Jauer!
Feierlich kommen heute in dieses Gotteshaus die liturgischen Abendmahlgeräte zurück, die nach dem Krieg gerettet wurden und auf Umwegen nach Berlin kamen, wo sie bei der Union Evangelischer Kirchen aufbewahrt wurden.
Sie kehren wieder in ihre Kirche zurück, wo sie vor vielen Jahren eingeweiht wurden.
Und obwohl die Rückführung der Abendmahlgeräte mit einigen Schwierigkeiten verbunden war, so stehen sie doch heute vor uns, und sind wieder mit der Friedenskirche verbunden.
Das ist auch, ohne Zweifel, ein Zeichen der Zeit in der wir leben.
Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden, können wir heute nach Paulus sagen.
Und obwohl sich diese Worte auf unseren Glauben in Christus beziehen, so können wir doch, als seine Kinder, diese Worte jetzt und hier zitieren.
Wir sind heute, all denen sehr dankbar, die beigetragen haben, dass diese Schätze der europäischen Kultur nach Jauer zurückgekehrt sind.
Brüder und Schwestern,
heute wollen wir uns nicht an die schwierige und tragische Zeit, die Millionen von Menschen erlebt haben, erinnern.
Für viele von euch war es eine tragische Zeit. Heute, an dem Tag der Freude wollen wir nicht über Flucht, Vertreibung, Umsiedlung oder Deportationen sprechen.
Als gläubige Menschen wollen wir – indem wir die Vergangenheit nicht vergessen – an die Zukunft denken, und diese neu gestalten.
Die Wege, auf denen Gott sein Volk führt, sind unerforscht.
Einmal erleben wir Unterdrückung und schweres Leid, ein anderes Mal Freude und Lobpreisung.
Es sind schon dreiundsechzig Jahre seit Kriegsende vergangen.
Vieles, was mit dem kalten Krieg verbunden war, ist in Vergessenheit geraten, viele Wunden sind geheilt, viele Spannungen beendet. Vielleicht trifft man noch hier und da Herzen, die Bitterkeit erfüllt, doch auch dies wird sich mit der Zeit ändern.
Gott schenkte uns eine neue Zeit und hat uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt.
Die Versöhnung der Polen und der Deutschen nach dem II. Weltkrieg hatte bestimmt eine theologische Dimension, da doch die Versöhnung ein zentrales Thema der christlichen Verkündigung und der Existenz ist.
Zwar findet die Versöhnung auch in anderen Bereichen des Lebens statt – in solchen wie Recht, Moral oder Politik - doch für den Christen hat dieser Begriff eine theologische Bedeutung.
Unsere Generation erhielt eine Chance die gegenwärtigen und künftigen deutsch-polnischen Beziehungen friedlich zu gestalten.
Diese Chance sollten wir als eine Chance der Gnade Gottes betrachten.
Die einzig mögliche Antwort der Kirchen und Christen auf diese Gnade kann nur darum bestehen, an der Versöhnung zwischen unseren beiden Völkern zu arbeiten.
Wir, Deutsche und Polen, erhielten von Gott eine neue Chance. Wir dürfen sie nicht verschwenden!
In unseren Kirchen empfinden wir oft eine Art Stolz, dass die Kirchen den Versöhnungsprozess begonnen haben und dass wir oft mehr erreicht haben, als die Politiker.
Es freut uns, dass wir diesen Prozess nicht nur mitgestaltet haben, sondern dass wir ihn weiterhin fortsetzen können – im Geiste der Partnerschaft, der Ehrlichkeit und der Verantwortung.
Der feierliche Gottesdienst, den wir heute in dieser ehrwürdigen Kirche feiern, ist der beste Beweis dafür.
Die liturgischen Geräte, besonders die Abendmahlsgeräte sind besonders wichtig.
Wenn wir sie benutzen, dann bringen sie uns zum Bewusstsein, welch einen Schatz wir während der Heiligen Kommunion erhalten.
Der höchste Wert der Kommunion ist die reale Gegenwart Jesu Christi in ihr, durch die wir erlöst werden, durch die unsere Sünden vergeben werden, die unsere Seele stärkt – so wie das Brot unseren Leib ernährt und stärkt.
Durch das Heilige Mahl wird auch die Gemeinschaft der Gläubigen verstärkt – jener mystische Leib Christi – die Kirche.
Durch das Sakrament des Abendmahls entsteht zwischen den Gliedern dieser Kirche eine wahre Brüderschaft und enge Verbundenheit.
Man darf also das Abendmahl nicht gering schätzen, denn das führt zur Geringschätzung der engen Gemeinschaft mit Christus und infolgedessen zum geistigen Tod.
Die Rückführung der Abendmahlsgeräte in die Friedenskirche sollte uns diese Wahrheiten besonders heute vor Augen führen und wir sollten sie uns zu eigen machen und im Herzen behalten.
Es freut uns sehr, dass so viele Gäste aus Deutschland nach Jauer gekommen sind und dass sie alle unsere Freude teilen. Dafür danken wir Euch.
Viele von uns erinnern sich noch an die Zeiten, als sie ihre Häuser und Bauernhöfe unverzüglich verlassen mussten. Sie mussten von ihrer Heimat Abschied nehmen. Das war das tragische Resultat des II. Weltkrieges.
Jedoch darf man auch nicht vergessen, dass auch diejenigen, die nach ihnen als „Sieger“ in diese Gebiete kamen, ihre alte Heimat in Osten verloren haben. Für die waren diese Gebiete ein unbekanntes Land.
Noch heute betrübt uns das alles, was als Folge des schrecklichen Krieges geschehen ist.
Doch auch die Kriege, die heute geführt werden, machen uns Sorge. Sorge macht uns auch das Schicksal der Menschen im Nahen Osten sowie die tragische Situation von Millionen Menschen, die als Zivilbevölkerung am meisten leiden.
Die Abendmahlsgeräte, die in ihre alte Kirche zurückgekehrt sind sollen für uns alle eine Warnung sein vor neuen Vertreibungen, Deportationen, und Manipulationen mit Grenzen.
Heute freut uns dieser Tag und diese historische Handlung, hier in der Friedenskirche. Heute wollen wir alle Gott danken für alle Augenblicke in unserem Leben, in denen wir uns wie eine große christliche Familie fühlen.
Also auch für den heutigen Tag!
Auch der Apostel Paulus ermahnt uns - die große christliche Familie – indem er schreibt:
Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur.
Aber das alles von Gott der uns mit sich selber versöhnt hat
durch Christus und uns das Amt gegeben,
das die Versöhnung predigt.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus, unseren Herrn.
Amen.
Bischof Ryszard Bogusz, Breslau