Eröffnung des Themenjahres 2014: "Reformation und Politik"

Dialogpredigt Susanne Breit-Keßler und Margot Käßmann

31. Oktober 2013

Die Stellung zur staatlichen Gewalt

1 Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet. 2 Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt der Anordnung Gottes; die ihr aber widerstreben, ziehen sich selbst das Urteil zu. 3 Denn vor denen, die Gewalt haben, muss man sich nicht fürchten wegen guter, sondern wegen böser Werke. Willst du dich aber nicht fürchten vor der Obrigkeit, so tue Gutes; so wirst du Lob von ihr erhalten. 4 Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zugut. Tust du aber Böses, so fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht umsonst: Sie ist Gottes Dienerin und vollzieht das Strafgericht an dem, der Böses tut. 5 Darum ist es notwendig, sich unterzuordnen, nicht allein um der Strafe, sondern auch um des Gewissens willen. 6 Deshalb zahlt ihr ja auch Steuer; denn sie sind Gottes Diener, auf diesen Dienst beständig bedacht. 7 So gebt nun jedem, was ihr schuldig seid: Steuer, dem die Steuer gebührt; Zoll, dem der Zoll gebührt; Furcht, dem die Furcht gebührt; Ehre, dem die Ehre gebührt.

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder!

Ich bin eine aufrechte Demokratin und keineswegs politikverdrossen. Im Gegenteil: Zu jeder Wahl gehe ich, seit ich 18 bin. Ich informiere mich über Parteiprogamme, höre und sehe Interviews und Talk Shows. Ich lasse kein Volksbegehren aus und stimme tapfer überall mit. Aber dieses Bibelwort ist für mich schon etwas schwierig. Der gute Paulus, entschuldige, liebe Margot, überhebt sich ziemlich, wenn er alle Obrigkeit als von Gott gewollt betrachtet. Man muss sich nur umschauen in der Welt und in unserer eigenen deutschen Geschichte: Da sind und waren Menschen unterwegs, bei denen klar auf der Hand liegt, dass sie zwar sich selbst als göttlich verstanden haben und verstehen. Aber gerade dann treibt ein Mensch mit anderen Schindluder - wenn er überheblich und arrogant wird. Wenn er seine Macht direkt von oben ableitet.

Nach meinem Verständnis schadet es jedem Mann und jeder Frau, wenn sie sich selber auf ein Podest stellen oder von anderen so richtig aufs Schild gehoben werden. Da verliert man Bodenhaftung und verlernt ganz schnell die nötige Selbstkritik. Wozu sich überprüfen, warum sich hinterfragen lassen, wenn man doch grandios ist? Margot, ich finde, der Apostel tut mit seinen Sätzen niemandem einen Gefallen. Auch denen nicht, die wie er jede Obrigkeit als von Gott persönlich eingesetzt betrachten. Entweder sie machen alles begeistert und mit Hurragebrüll mit, was politisch angeordnet wird. Denk nur an den Naziterror, an die Reichspogromnacht, die sich in wenigen Tagen zum 75. Mal jährt. Unser Volk hat sich mehrheitlich an der Verfolgung und Ermordung von Juden beteiligt, weil es dem gottgleichen Führer und den braunen Horden so beliebte.

Die Deutschen, auch viele Christen, haben Roma und Sinti ins KZ verschleppen lassen, wo sie mit Homosexuellen, Kommunisten und Sozialisten gequält, gefoltert und umgebracht wurden. Jedermann sei untertan der Obrigkeit? Das war wohl so und wir heute können nur daraus lernen. In blindem Gehorsam mitzumachen ist das eine. Kein Interesse mehr an Politik haben, unkritisch und fast noch schlimmer - apathisch, gleichgültig werden - das andere. Aber genau das kann passieren, wenn man Obrigkeit unhinterfragt stehen lässt, ihr das göttliche Siegel verpasst und fortan selber gedankenlos und willfährig alles mitmacht beziehungsweise hinnimmt. Das kann es doch nicht wirklich sein, Margot, was der Apostel Paulus gemeint hat? Der hat doch am eigenen Leib verspürt, was Menschen mit einem machen, wenn sie absolute Herrscher sind...

Margot Käßmann: Laaangsam, würde ich gern sagen. Lass uns doch erst einmal schauen, in welcher Situation Paulus seinen Brief an die Römer geschrieben hat. Er war ein kluger Theologe, der versucht hat, den Weg der ersten Gemeinden zu begleiten, indem er ihre Lebenssituation einordnet. Der Theologe Ernst Käsemann hat die Vermutung, dass Paulus hier gegen eine Haltung mancher Christen antritt, nach dem Motto: weil wir ja zu Gottes himmlischer Zukunft gehören, kann uns die weltliche Ordnung, die Politik gleichgültig sein [1]. Statt dessen plädiert Paulus dafür die poltischen Bedingungen, unter denen wir leben, ernst zu nehmen.

Und das müssen wir ja sagen, mit dem Enthusiasmus hatte Paulus seine Probleme. Gerade Sklaven und Frauen fühlten sich von der neuen Lehre be-geistert, befreit, er aber fürchtet ganz offensichtlich Anarchie, die die christliche Gemeinde öffentlich in Verruf bringen könnte. In diesem Sinne ist doch auch sein Verbot zu sehen, Frauen in der Gemeinde öffentlich reden zu lassen. Er antwortet auf die Situation bezogen.

Auch hier hat Paulus keine grundsätzliche Abhandlung über das Verhältnis der Christen zur Macht und zu den Grenzen der Macht geschrieben. Er diskutiert ja gar nicht die Fragen von Machtmissbrauch und staatlich geduldetem oder gar gefördertem Unrecht [2]. Auch wenn er weiß, dass Jesus unter römischem Recht gekreuzigt wurde, sieht er dieses Reich unter der Herrschaft des Augustus doch als Rechtssystem, das ihn ja beispielsweise in Korinth durchaus schützt. Er als römischer Bürger sieht im Imperium rechtsstaatliche Züge und viele Menschen jener Zeit erlebten ja in der Tat eine lang ersehnte Friedenszeit. Das muss nicht dazu führen, dass wir Paulus in allem zustimmen, aber es kann verständlich machen, wie diese Verse entstanden sind. Staatliche Gewalt dient dem Leben in Frieden und Gemeinschaft, so sieht er es. Ein Gemeinwesen braucht Ordnung, um existieren zu können. Dazu gehört Unterordnung und ein Respekt für das vorhandene System selbst der Steuereinziehung.

Und dann war da in der Hauptstadt des römischen Reichs diese junge Gemeinde, die sich auf Jesus beruft und die Welt verabscheut. Nach dem Motto: Politik, Recht, Ordnung, das brauchen wir alles nicht mehr. Paulus hat wohl aus Furcht vor Anarchie durch allzu viel Enthusiasmus erklärt, dass die Gemeinde Gottes sich mitten in der Welt zu bewähren hat und sich der Welt nicht entziehen kann. Mitten in der vorläufigen, unerlösten Welt gilt es, Gott zu loben. Wir werden nicht alles sofort ändern und über den Haufen werfen können, sondern mitten in der Welt gilt es, verantwortlich im Glauben zu leben. Paulus lag daran, dass die Gemeinde nicht nur verborgen in Katakomben existieren kann, sondern mitten im Leben, offen erkennbar. Dazu war es notwendig, dass sie sich einordnet in die Welt. Und wenn sie den Glauben an Jesus Christus ausbreiten wollte, brauchte sie den Schutz des römischen Reiches.

Gut, das fordert dich sicher gleich wieder zum Einspruch, Susanne. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich hier noch mal Paulus verteidige. Aber es geht mir darum, zu verstehen, warum Paulus wohl so an die Gemeinde in Rom schreibt.

Susanne Breit-Keßler: Nein, kein Einspruch. Denn Du hast die Paulusworte so ausgelegt, dass ich ganz begeistert, nicht enthusiastisch! mit seinen und Deinen Überlegungen schon wieder mitten in der Gegenwart lande. Ja, es ist wirklich wichtig, sich als Christenmensch nicht der Welt zu entziehen - sich in frommen Nischen zu verkrümeln und geringschätzig auf das weltliche Geschehen zu schauen. Gott ist Mensch geworden, hat sich aus freien Stücken vom Jenseits ins Diesseits begeben, um uns nahe zu kommen. Unsere Aufgabe ist es, ihm nachzufolgen, ganz Mensch zu werden und auf unser Drumherum in Gesellschaft und Politik zu achten, damit es den Menschen gut geht, sie vom himmlischen Heil schon etwas auf Erden spüren. Wenn das kitschig klingen sollte: Ich meine damit, richtig anzupacken, handfest mitzumachen, sich mit Leib und Seele für andere zu engagieren.

Und - auch das entnehme ich Deiner Paulus-Auslegung - wir haben den Auftrag, die politische Kultur in unserem Land zu befördern. Dazu gehört, den Respekt vor denen zu bewahren, die öffentliche Ämter bekleiden. Ärgerlich, dass es an Stammtischen, auch in medialen Meinungsschmieden und Feuilletons zum guten Ton gehört, über Politiker zu lästern. "Der" Politiker rangiert in Umfragen gemeinsam mit Versicherungsvertretern und Werbefachleuten regelmäßig auf den untersten Plätzen der gesellschaftlichen Wertschätzung. Heute werden Menschen, die Verantwortung übernehmen, schnell abgekanzelt: Politiker sind das Opfer alberner ComediansSie machen einzelne Politiker als Mensch, als Person mies oder sichern sich Applaus mit der Bemerkung "die Politiker sind alle Verbrecher".

Das ist billig und gefährlich. Demokratie kann man auch durch dumme Witze beschädigen. Intelligente Kritik an der Politik, Satire, für die es wahrlich Stoff genug gibt, die braucht es unbedingt. Aber Larmoyanz in Verbindung mit eigener Untätigkeit ist keine christliche Tugend! Kultuspessimismus und pauschale Verunglimpfung demokratischer Institutionen erst recht nicht! Wer Veränderung will, muss selbst bereit sein, zur Veränderung beizutragen. Du hast auch etwas gesagt von der Achtung vor der Steuereinziehung. Es ist nicht in Ordnung, selber bei jeder Steuererklärung zu mogeln, die Putzfrau natürlich schwarz zu beschäftigen, dem Handwerker keine Rechnung zu stellen - und sich über die reichen Steuersünder zu empören. Man muss bei aller politischen Achtsamkeit schon selbstkritisch auf das eigene Verhalten schauen, sonst wird man schnell zum Heuchler.

Margot Käßmann: Ach ja, die Politik. Das soll nun Thema sein im kommenden Jahr der sogenannten Lutherdekade, das wir heute hier in Augsburg einläuten. Sicher, Luther ist die Symbolfigur, viele aber waren an der Reformation beteiligt. Trotzdem: sein Handeln war prägend, ohne ihn als zentrale Person, wäre vieles gescheitert. Ein Theologe hat Luther als "mittelalterliche Übergangsfigur bezeichnet". Das finde ich zu kurz gegriffen. Schon zu seiner Zeit und bis heute bleibt Luther doch prägend.

Gewiss, Jan Hus hatte in Böhmen 100 Jahre vor Luther sehr ähnliche Ideen. Allerdings fand er keine Unterstützung bei den Fürsten. Martin Luther war wirklich ein begnadeter politischer Taktierer. Das meine ich gar nicht negativ. Der Historiker Heinz Schilling hat in seiner letztes Jahr erschienen Lutherbiografie geschrieben, dass Luther nicht Bischöfe als leitend in der reformatorischen Kirche vorsah, sondern die Landesherren Schlüsselfunktion erhielten als "Einsicht in die Realitäten der Macht" .

Aber damit hat sich Luther nicht nur Freunde gemacht. Thomas Müntzer steht wohl symbolisch für die andere Auffassung. Die beiden Männer haben heftig gerungen miteinander. Wenn Luther Müntzer als Satan zu Allstedt" bezeichnet und der wiederum Luther als "Sanftleben zu Wittenberg" sind das noch die eher freundlichen Bezeichnungen. Sicher, Müntzer hat erwartet, dass die bisherige Welt alsbald zusammen-bricht. Aber im Bauernkrieg hat er sich klar an die Seite der geknechteten Bauern gestellt und die Obrigkeit deutlich kritisiert. Damals ein Recht auf Widerstand gegen die Fürsten und die Obrigkeit zu bejahen, das war auch für Müntzer ein langer Weg. Am Ende aber sagte er, die Fürsten müssten eben auch Diener sein, auf Herrschaft und Privilegien verzichten.

Martin Luther dagegen blieb bei seiner Überzeugung: Es muss unbedingt zwischen weltlichem und kirchlichem Regiment unterschieden werden. Das ist in vielem nachvollziehbar, hat aber die Kirche, die sich nach ihm benannt hat, manches Mal dazu verführt, unkritisch zu bleiben angesichts ungerechter Verhältnisse. Wenn Paulus schreibt: "Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt der Anordnung Gottes" - kann das auch auf Irrwege führen. Diese Balance zwischen notwendigem Respekt vor der Obrigkeit und notwendigem Ungehorsam, die bleibt eine Herausforderung auch heute, oder?

Susanne Breit-Keßler: Unbedingt! Mir ist zum Thema ´Widerstand heute´ noch ein Wort des Propheten Micha eingefallen: "Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott" (Micha 5,8). Ich finde, das ist eine gute Ergänzung zu Paulus, denn die Mahnung des Propheten ist höchst politisch. Micha war ja eigentlich Bauer und Viehzüchter. Er ist sozusagen als Staatsbürger wie wir gegen Betrug und Korruption zu Felde gezogen. Klar waren die Lebensverhältnisse in Judäa vor rund 2700 Jahren andere als unsere - aber der Prophet hat grundsätzliche Fragen benannt, die nichts an Aktualität eingebüßt haben: Die Frage nach der Kluft zwischen Arm und Reich. Die Frage nach Gerechtigkeit im Land, in der Welt. Die Frage nach Frieden zwischen den Völkern.

Soziale Probleme sind nur zu verstehen, das meint Micha, wenn man begreift: Dahinter stehen geistige und kulturelle Defizite. Positiv gesagt: Politisches Handeln, auch der Widerstand, braucht Gewissen. Das meint auch Paulus. Wir sollen uns mit hellwachem Geist und offenem Herzen für Menschen engagieren, die uns hierzulande und weltweit anvertraut sind. Wir dürfen uns nicht einfach faul zurücklehnen. Wenn ein Fünftel aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland unter 18 Jahren in Armut leben, dann ist das einfach ein Skandal, den wir immer wieder laut beim Namen nennen und gegen den wir etwas unternehmen müssen. Spenden, Essen in der Schule anbieten, Patenschaften sind das eine. Es braucht aber auch eine Familien- und Bildungspolitik, die arme Kinder nicht am Rande stehen, sondern sie im umfassenden Sinn des Wortes mitspielen lässt.

Noch ein Beispiel für nötigen Widerstand: Die Flüchtlingsdramen mit tausenden von Toten im Mittelmeer. Wir sollten verlangen, dass auch deutsche Schiffe zur Seenothilfe in den Süden geschickt werden - die Marine ist bestens geeignet für so einen humanitären Einsatz. Wir sollten darauf bestehen, dass Fischer und zivile Kapitäne, die Menschen aus den Fluten retten, für ihre Hilfe nicht bürokratische Probleme, sondern Orden kriegen. Wir sollten die Flüchtlinge nicht bequem auf andere Länder verweisen, sondern sie selber gerne in unserem Land aufnehmen - und zugleich vehement für bessere Lebensbedingungen in ihren Heimatländern einstehen. Gottes Dienerin zu sein, Gottes Wort zu halten, wie Paulus und Micha schreiben, das verlangt von uns in Wort und Tat das Recht auf Leben zu achten, es notfalls widerständig, energisch einzuklagen.

Margot Käßmann: So sehe ich das auch. Aber ich höre schon die Stimmen: Bleiben Sie doch als Kirchenmenschen bitte beim "Eigentlichen" - und damit ist dann gemeint, Seelsorge und Verkündigung, aber keine Einmischung in öffentliche oder gar politische Fragen. Da wird Religion zur Privatsache gemacht, die sich hinter Kirchenmauern oder auch die Mauern von Synagoge und Moschee zurückziehen soll.

Das Pauluswort: "es ist keine Obrigkeit außer von Gott" wurde von Christen ja oft auch als Mahnung empfunden, keinen Widerstand zu leisten. Du hast die Zeit des Nationalsozialismus schon erwähnt: Es waren wenige Einzelne, die Juden schützten, für Behinderte eintraten, Homosexuelle verteidigten. Da gibt es eine Schuldgeschichte, in die der Text geführt hat.

Aber es gab ja auch den Mut, aus Gewissensgründen über das Wortwörtliche von Paulus hinauszugehen und Obrigkeit daran zu messen, ob sie dem Wohl der Menschen und damit den Weisungen Gottes dient. Mit einer solchen Haltung sehe ich Luther vor dem Reichstag in Worms stehen. Ich denke aber auch an die Evangelische Kirche in der DDR. O ja, es war umstritten, ob die Kirchen ihre Türen öffnen sollten für die oppositionellen Stimmen, vor allem wenn es um Menschen ging, die selbst gar nicht der Kirche angehörten. Aber dann führte genau dieser Mut zur freien Rede auch gegenüber der Obrigkeit zum Machtverlust eben dieser Obrigkeit und zum Fall der Mauer.

Das macht doch etwas deutlich, was wir theologisch Hermeneutik nennen: Es geht um eine Gesamtsicht auf das biblische Zeugnis, bei der nicht Einzelsätze herausgerissen werden. Auch Obrigkeit muss sich daran messen lassen, dass die Friedenstiftenden selig gepriesen werden. Auch Obrigkeit muss die Gebote hören: es soll Recht geschaffen werden für die Armen, die Witwen und Waisen, die Fremdlinge. Wo das nicht geschieht, gilt das Wort aus der Apostelgeschichte: "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen". Auf das Gesamtzeugnis der Bibel hören, das ist mir wichtig gerade in einer Zeit des Fundamentalismus. Alle Reformatoren haben Bildung hoch geschätzt. Du darfst selbst denken, fragen, ja über die Bibel diskutieren! Genau darin liegt die Spitze gegen Fundamentalismus der in jeder Religion das Fragen und Hinterfragen ausschalten will. Genau das gibt uns die Freiheit, die Unterordnung unter die Obrigkeit, die Paulus hier fordert zu hinterfragen in unserer Zeit. Das ist politisch, ja. Aber christlicher Glaube und christliche Kirchen sind in die Welt gewiesen. Sie ist Gottes Welt und wir sind Haushalterinnen und Haushalter. Wenn wir Verantwortung übernehmen wollen, kann das auch mal unbequem werden. Und politisch.

Amen.



Fussnoten

  1. Vgl. Ernst Käsemann, An die Römer, Tübingen 1980 (4. Aufl), S. 338.
  2. Vgl. Walter Klaiber, Der Römerbrief, Neukirchen 2009, S. 223.