Bibelarbeit der Jugenddelegierten der EKD-Synode "Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft" (unredigierte Fassung)

7. Tagung der 11. Synode der EKD, Dresden, 9. bis 12. November 2014

10. November 2014

Begrüßung

Guten Morgen liebe Geschwister,
Wir wollen gemeinsam in diesen Tag des Schwerpunktthemas starten mit dem Blick auf das Wort Gottes.
Wir Jugenddeligierten freuen uns, Ihnen heute Morgen die Bibelarbeit halten zu dürfen. Und nach diesem beschwingten Einstieg lade ich sie ein mit uns einzusteigen.

Pfingsten

Tatsache ist: In Deutschland leben gegenwärtig rund 24,2 Millionen Katholiken und 23,4 Millionen evangelische Christen. Ihr Anteil an der Bevölkerung liegt bei rund 60 Prozent. Doch immer mehr Christen treten in Deutschland aus der Kirche aus. Wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vor zehn Tagen berichtet hat, zeichnet sich für dieses Jahr ein Rekord ab.
(Faz, 12.08.14._Austrittszahlen)

 (…) im Protestantismus (hat sich) eine Tendenz verstärkt, die das religiöse Denken schwächt, ohne der Vernunft und Modernisierung zu nutzen. Nämlich die Tendenz, die Theologie immerzu in Einklang bringen zu wollen mit dem, was in Gesellschaft, Recht und politischer Philosophie (...) an Wandel und Fortschritt vor sich geht.
(Welt, 30.06.13_Visionslosikgeit)
 
Am Abend des erstes Tages der Woche waren die Jünger versammelt und die Türen waren verschlossen, aus Angst
(Nach Joh. 20, 19)
 
Heute war bei uns am Kirchplatz Ernte-Dank-Markt. (...) da mein Sohn so begeistert von Kirchen ist und total auf Orgelmusik abfährt - ich weiß, eher untypisch für einen 4-jährigen - wollten wir um 17Uhr das Orgelkonzert besuchen. Sind dann 5 vor 17Uhr rein, da war quasi schon alles verammelt, der Mann am "Einlass" war suuuperunfreundlich: "Aha, mit Kind, schafft er das so lange? Störer sind hier nicht erwünscht!"
(Webforum “Mamiweb”_Schlechte Stimmung aus einer konkreten Gemeinde ) http://www.mamiweb.de/fragen/familienleben/allgemeines/4522441_enttaeuscht-von-der-kirche-wie-steht-ihr-zur-kirche.html)

Und nach acht Tagen waren die Jünger abermals drinnen versammelt und Thomas war bei ihnen. Da kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren.
(Nach Joh. 20,26)

Die evangelische Kirche in Deutschland steht vor großen Herausforderungen: Demographische Umbru¨che, finanzielle Einbußen, die Spa¨tfolgen zuru¨ckliegender Austrittswellen, hohe Arbeitslosigkeit, globalisierter Wettbewerb sind gesellschaftliche Entwicklungen, von denen die Kirche entscheidend betroffen ist. Sie no¨tigen zu einem Wandel der kirchlichen Strukturen, der sehr viel Kraft und Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt.  
(Aus dem Vorwort von „Kirche der Freiheit“_Wie das Kaninchen vor der Schlange)

Pfingstperiskope (Apg. 2, 1-13, NGÜ)
Schließlich kam das Pfingstfest. Auch an diesem Tag waren sie alle wieder am selben Ort versammelt. Plötzlich setzte vom Himmel her ein Rauschen ein wie von einem gewaltigen Sturm; das ganze Haus, in dem sie sich befanden, war von diesem Brausen erfüllt. Gleichzeitig sahen sie so etwas wie Flammenzungen, die sich verteilten und sich auf jeden Einzelnen von ihnen niederließen. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt, und sie begannen, in fremden Sprachen zu reden; jeder sprach so, wie der Geist es ihm eingab. ´Wegen des Pfingstfestes` hielten sich damals fromme Juden aus aller Welt in Jerusalem auf. Als nun jenes mächtige Brausen vom Himmel einsetzte, strömten sie in Scharen zusammen. Sie waren zutiefst verwirrt, denn jeder hörte die Apostel und die, die bei ihnen waren, in seiner eigenen Sprache reden. Fassungslos riefen sie: »Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wie kommt es dann, dass jeder von uns sie in seiner Muttersprache reden hört? Wir sind Parther, Meder und Elamiter; wir kommen aus Mesopotamien und aus Judäa, aus Kappadozien, aus Pontus und aus der Provinz Asien, aus Phrygien und Pamphylien, aus Ägypten und aus der Gegend von Zyrene in Libyen. Sogar aus Rom sind Besucher hier, sowohl solche, die von Geburt Juden sind, als auch Nichtjuden, die den jüdischen Glauben angenommen haben. Auch Kreter und Araber befinden sich unter uns. Und wir alle hören sie in unseren eigenen Sprachen von den großen Taten Gottes reden!« Alle waren außer sich vor Staunen. »Was hat das zu bedeuten?«, fragte einer den anderen, aber keiner hatte eine Erklärung dafür. Es gab allerdings auch einige, die sich darüber lustig machten. »Die haben zu viel süßen Wein getrunken!«, spotteten sie.

Bewegte Gemeinde
Wir denken ja häufig - mit Ostern geht es los mit der Kirche. Aber nach der Auferstehung, nach der Himmelfahrt, ist die Gemeinde Jesu verängstigt und zurückgezogen.

Sie wissen um ihren Herrn, aber bezeugen können sie ihn nicht.

Wenn sie sich treffen, machen sie die Türen zu. Sie fühlen sich sicher hinter diesen Türen, dort erregen sie keinen Anstoß, dahinter droht keine Gefahr von außen – Es ist sicher und auch etwas gemütlich; man kennt sich, man bleibt unter sich…
Das soll auch in unseren Gemeinden heute schon gesehen worden sein.

Wenn die Türen zu sind, dann kommen keine “Störer”, da muss man keine Austrittszahlen zur Kenntnis nehmen und  man kann eine Atempause im Reformtempo nehmen.

In Jerusalem kommt zu der Gemeinde hinter den Türen auf einmal ein Brausen vom Himmel und durch das ganze Haus bläst ein heiliger Wind - man möchte sagen ein “wind of change”, denn er bringt völlige Veränderung. Die Jünger werden Feuer und Flamme - die Angst ist wie weg geblasen... Dieser „frische Wind“ stößt die Türen, der Kirche auf. Und so kommt die Gemeinde Gottes in Bewegung.
Raus aus der Sicherheit. Jetzt ist sie nicht mehr für sich selbst da, sondern verkündet “die großen Taten Gottes”.

Da verlässt die Kirche ihre Heimeligkeit und ist plötzlich ganz bei ihrem eigentlichen - weil sie eben nicht bei sich selbst bleibt. Da fängt Kirche erst an. (Und das... soll auch in unseren Gemeinden heute, schon gesehen worden sein.) 

Begeisterte Gemeinde
Eine Kirche, die nicht bei sich selbst bleibt, sondern Kommunikation des Evangeliums in allen Sprachen lebt, befähigt durch den Heiligen Geist. Das ist das Ergebnis des Pfingstereignisses wie wir es in der Apostelgeschichte lesen. Gilt das auch noch für uns heute? Sind auch wir eine Kirche, die be-geistert ist und begeisterte Kommunikation des Evangeliums lebt? Oder müssen wir genau das vielleicht neu lernen?
In der Apostelgeschichte heißt es weiter: “Gleichzeitig sahen sie so etwas wie Flammenzungen”–was hat das zu bedeuten? Das griechische Wort “hae glossae” hat sowohl die Bedeutung “Zunge” als auch “Sprache”. Demnach könnte also die Flammenzungen als flammende Sprache aufgefasst werden. Die Jünger sprechen von den großen Taten Gottes und bei ihren Hörern und Hörerinnen springt ein Funke über. Gelingende Kommunikation ist von vielen Faktoren abhängig. Aber dass bei Kommunikation ein Funke der Be-Geisterung überspringt, dass die Menschen „außer sich geraten vor Staunen“ (Apg 2,12 NGÜ), wie es damals in Jerusalem passiert ist, dafür bedürfen wir des Wirken Gottes durch den Heiligen Geist und vorausgehend eine Offenheit sich von diesem Gottesgeist erfüllen zu lassen. Gott will unsere menschlichen Gefäße füllen. Er schenkt uns Menschen Begeisterung, legt Leidenschaften in uns hinein und wo Raum da ist, diese Begeisterung auszuleben, da ist auch Raum da, dass Begeisterung überspringt.

Die Jünger gingen raus und redeten in Sprachen deren sie nicht mächtig waren, sie hatten keine Kontrolle darüber, was mit dem Gesagten passiert, ob sie auf offene Ohren treffen würden, ob sie mit Widerstand rechnen müssen geschweige denn was sie überhaupt sagten, doch sie waren begeistert, vom Geist erfüllt und Gott wurde darin verherrlicht. Wo hält der Wunsch zur Kontrolle unsere Begeisterung in Schach? Ich wünsche uns, dass wir weiter lernen, nicht alles kontrollieren zu wollen, sondern im Vertrauen auf das Wirken des Heiligen Geistes Kontrolle in die Hand Gottes zu legen.
             
Ansprechende Gemeinde
Bewegte Gemeinde. Begeisterte Gemeinde. Was anderes ist Kirche als Kommunikation, die vom Heiligen Geist erfüllt ist? Und warum scheint sie uns heute so selten zu gelingen?

Die Apostel hatten Kommunikationsbarrieren zu überwinden, die sich heute beinahe erledigt haben. Raum und Zeit verlieren für gelungene  Kommunikation in der digitalen Gesellschaft an Bedeutung.  Die Apostel können mit ihren Predigten nur deshalb so viele Menschen erreichen, weil sich wegen des Pfingstfestes “fromme Juden aus aller Welt” in Jerusalem aufhalten – heute kann jeder von uns, zu jedem Zeitpunkt, mit Menschen in aller Welt kommunizieren. Und sogar ein einzelner, kann ein Millionenpublikum erreichen – dank dem Internet als globaler Kommunikationsinfrastruktur und den sogenannten sozialen Medien.      
                      
Auch die Schwierigkeit mit den unterschiedlichen Sprachen wird sich in mittelfristiger Zukunft erledigen – Google und andere forschen intensiv daran, Übersetzungen in Echtzeit möglich zu machen. Die Fähigkeit, riesige Datenmengen mittels kluger Algorithmen zu verarbeiten und gigantische Rechenkapazitäten machen es möglich.

Die Bedingungen für gelungene Kommunikation scheinen also eigentlich so gut wie nie. Und doch müssen wir feststellen, dass - zumindest hier in Deutschland - immer weniger unser Reden “von den großen Taten Gottes” hören. Der Professionalisierungsbedarf kirchlicher Kommunikation ist groß, und er ist vielfältig. Wir werden ihn heute und im Laufe der kommenden Tage notwendigerweise intensiv diskutieren. Das Pfingstereignis aber zeigt: Wenn wir Menschen mit dem Evangelium erreichen wollen, ist das nicht in erster Linie eine Frage der Technik; weder eine Frage der Übermittlungstechnologie, noch eine Frage des kommunikativen Handwerks, der Kommunikationsstrategie.  Kommunikation des Evangeliums ist zuallererst eine Frage des Geistes, eine Frage der Haltung, eine Frage der Ansprache.

Nehmen wir beispielsweise die Jugendlichen, mit denen ich vor zwei Wochen auf Jugendleiter-Schulung war: Die sprechen die gleiche Sprache wie wir auf der Synode. Und doch: Was meinen Sie, wieviel hätten die Jugendlichen aus unserem herrlichen Eröffnungsgottesdienst in der Kreuzkirche hier in Dresden mitgenommen? Und wie viel nehmen sie aus einem normalen Sonntagsgottesdienst mit? Wenn wir als Kirche darauf warten, dass diese Jugendlichen “sprachfähig” werden und den etablierten kirchlichen Code erlernen, damit sie endlich verstehen, was wir Ihnen von den Wohltaten Gottes erzählen wollen, dann können wir lange warten.  Alte Kommunikationshierarchien werden abgelöst. In unserer digitalen Wohlstandsgesellschaft kommen die Menschen nicht mehr von alleine.  Während die Kommunikationsmonopole des 20. Jahrhunderts den Kirchen zumindest ein GEWISSES Maß an Aufmerksamkeit sichergestellt haben, sind die neuen Filterinstanzen, von Menschen geschriebene Algorithmen, radikal personalisierend. Sie sortieren Kommunikation nach den messbaren Interessen der Empfänger und der vermeintlichen Lebensweltrelevanz der Sender (und natürlich nach den Interesse der Unternehmen, aber das steht auf einem anderen Blatt)

Der digitale Wandel hält uns so den Spiegel vor: Es reicht nicht, eine Sprache zu sprechen - wir müssen Menschen wirklich ANsprechen, wenn wir die gute Botschaft auch heute noch vermitteln wollen. Wir müssen Alev ansprechen, die seit 3 Jahren in Deutschland lebt und gerade in die erste Klasse gekommen ist, Frau Schmitt aus dem Kirchenvorstand, den World-of-Warcraft-Spieler Thorsten, Frau Meyer, die Schornsteinfegerin, Herrn Müller aus der IT-Branche und auch Thea von der Werbeagentur.

Wo gelingt uns die Übersetzung der Botschaft Jesu Christi in die Lebenswelt dieser Menschen? Und wo versuchen wir überhaupt, sie mit dieser Botschaft zu erreichen? Von Feuerzungen und Sturmbrausen lese ich in der Pfingstgeschichte. Bildgewaltig, unmittelbar nachvollziehbar, emotional – so spricht die Bibel hier zu mir.   Von meiner Kirche werde ICH so heute selten angesprochen.

Ich suche Menschen, die in Netzwerken nicht nur eine Präsenz  haben, sondern präsent sind, Christen, die nicht einfach nur im Netz vertreten sind, sondern im Netz mutig Positionen vertreten.

Was  ich finde ist eine Kirche, der es reicht Informationen ins Netz zu stellen.

Ich suche große Erzählungen, in einer Sprache, die mir nahe ist  – und finde Pressemitteilungen in Beamtendeutsch .

Ich suche Austausch – und finde die Phrase Orientierung.

Ich suche nach einer Kirche, die bereit ist, sich zu wandeln – und finde Menschen mit Angst vor  „Machtverlust“

Wenn wir wollen, dass uns die Kommunikation des Evangeliums in der Digitalen Gesellschaft gelingt, dann müssen wir raus - aus der bequemen Nische, aus den vertrauten Gebäuden, aus der Sicherheit der Strukturen, aus der kontrollierbaren Kommunikation - hinein in die Lebenswelten all dieser Menschen. Bewegt, begeistert, ansprechend. Nicht nur als Institution, sondern als Christenmenschen, die mutig und authentisch aus ihrem Leben und von ihrem Glauben sprechen – und danach handeln. Nicht um zu belehren, sondern um zuzuhören, nicht um zu predigen, sondern um sich zu unterhalten, in Dialog zu treten. In dem Vertrauen, dass der Heilige Geist das seine dazu tun wird.
Doch auch die ansprechendste Erzählung kann natürlich ungehört verhallen, wenn sie auf einer statischen Webseite vergraben ist oder über einen Facebook-Account ins Nichts geblasen wird, der keine Relevanz für mein Leben hat. Die Frage nach der Technik jedoch, beantwortet sich irgendwann von ganz allein. Denn wenn wir Christenmenschen aller Generation ernst nehmen und ermuntern, von ihrem Glauben und aus ihrem Glauben heraus zu kommunizieren, dann findet sich die gute Botschaft in all ihren Facetten irgendwann auch bei Youtube. Bei Whatsapp. Bei Viber. Bei Snapchat. Bei Instagram. Bei Tumblr. Bei ask.fm. Bei Pinterest und bei all den anderen Plattformen.

Lied (Schmückt das Fest mit Maien EG:135; 1,3,5)

Paulus
Die Auswahl an Plattformen im Internet ist groß. Welche sollte man nutzen oder sollte man sie überhaupt nutzen und wenn ja, wie sollte man sich als Kirche dort verhalten? Was Evangelische Kirche hier braucht, ist ein Vorbild im Umgang mit den neuen Medien. Und solch ein mögliches Vorbild lässt sich bereits in der heiligen Schrift finden.

Wir haben vorhin den Pfingsttext aus der Apostelgeschichte gehört. Pfingsten, wo die Gemeinde bewegt, begeistert und ansprechend wurde. Geht man vom Pfingstereignis in Apostelgeschichte 2 weiter so kommt man zu Paulus. Von keinem zweiten ist die Kommunikation so vielfältig festgehalten wie von diesem Apostel. Paulus verwendete für die Verkündigung des Evangeliums das zur damaligen Zeit modernste Medium: den Brief. Damit scheint er als Vorbild im Umgang mit neuen Medien prädestiniert.

Die damals existierenden Postsysteme waren nicht nur sehr jung, sondern auch militärischer- und behördlicher Nutzung vorbehalten. Wer privat einen Brief verschicken wollte, musste dies selbst organisieren. Neben Bekannten, welche gerade zufällig in die richtige Richtung reisten, waren Handelsleute beliebte Postboten. Auch Paulus war höchst wahrscheinlich auf diese Möglichkeiten angewiesen und bei der Auswahl seiner Wirkungsstätten davon abhängig, wie einfach der Briefversandt in die jeweilige Stadt war.

Abgelegene Orte waren somit schwerer und verzögert mit der Botschaft des Evangeliums zu erreichen.

Paulus kennt die Gemeinden an die er schreibt teilweise persönlich, er geht auch auf Fragen und Probleme ein, steht also mit ihnen in einem Austausch. Und doch liegt stets Abstand sowohl im geographischen, als auch im zeitlichen Sinne zwischen Schreiber_in und Empfänger_in.  

Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift;
(1. Kor. 15, 3+4)

Paulus verbreitet das Evangelium von Jesus Christus, und zwar von seinem Kreuzestod und seiner Auferweckung. Paulus fasst hier das Evangelium kurz und klar zusammen - aber welche Bedeutung hat es für uns? Was ist das Evangelium heute und was ist das Evangelium für uns persönlich? Wenn wir das Evangelium verbreiten und kommunizieren wollen, kommen wir aber nicht daran vorbei uns immer wieder mit dieser Frage auseinander zu setzen und darüber zu diskutieren.
Das Internet ist ein solcher Ort zum Diskutieren. Wir haben über Facebook und Twitter vorwiegend junge Menschen gefragt, was für sie das Evangelium ist. Daraus entstanden teilweise schon Dialoge. Hier sind einige der Antworten, die wir erhalten haben.

Antworten aus FB
„Evangelium ist für mich die gute Nachricht, dass Jesus für mich gestorben, auferstanden und Freund ist.“
„Darf ich da jetzt auch antwortet? Ich tue es einfach mal. Das Evangelium ist für mich ein sehr altes Buch, welches als theoretischer Hintergrund für den christlichen Glauben fungiert und von Menschen geschrieben wurde, die damit Interessen verfolgten, die heute (für mich) schwer nachvollziehbar sind.“
„Evangelium ist für mich: the bright side of life“
„Für mich ist Evangelium sehr einflussreiche, literarische Texte, die das Potential in sich tragen, bedeutende Wahrheiten und Erkenntnisse über den Menschen zu erlangen.“
„Evangelium ist für mich: salvation“
„Evangelium ist für mich Hoffnung und Leben“
„Oh, ich will auch was antworten: Das Evangelium ist ein altes Buch mit Geschichten aus dem der Pfarrer manchmal vorliest. Die Leute interpretieren diese Geschichten dann und manche streiten sich auch über die genaue Bedeutung.“
„Evangelium:
kognitiv: was umfasst das nochmal alles?
emotional: Quelle der Empörung/Verwirrung und Inspiration
narrativ: dadurch dass Menschen, die ich schätze und die für mich prägend sind, es für heilig halten, hat es Bedeutung und prägende Kraft“

   
Paulus nutzte den Brief, um das Evangelium zu kommunizieren,
die Reformatoren den Buchdruck,
und wir – die Glaubenden, die Kirche von heute –      nutzen  wir die digitalen Medien?

Wenn ich etwas über meinen Glauben wissen und anderen an meinem Glauben Anteil geben will, dann ist es für mich heute nicht mehr nur das Gespräch oder die Bücher, es sind im Alltag oft das Internet und soziale Medien, die mir sekundenschnell und kostenfrei Informationen über Glaubensfragen zur Verfügung stellen und mich mit meinen Freunden, Verwandten und mit Unbekannten auf dem ganzen Globus verbinden und den Austausch, auch über meinen Glauben und das Evangelium, erleichtern.
Und für viele Menschen, auch für mich, ist diese Möglichkeit, den Glauben auf diesem Weg miteinander zu teilen, Realität und auch ein Geschenk, eine Chance, die wir nicht leichtfertig außer Acht lassen sollten.

Bestes Beispiel: Diese Bibelarbeit. Zu siebt, ohne dass ich als neuer Jugenddelegierter jemanden kenne, entwerfen wir per Skype, PiratPad, Email, Powerpoint und Google Drive ein gemeinsames Konzept. Über Wochen sammeln wir Ideen, ringen um die richtigen Texte, feilen an Formulierungen, kritisieren einander. Wer verhindert oder verreist ist, kann sich später äußern, unsere Hierarchien sind flach.
Für die Frage, was das paulinische Evangelium denn nun eigentlich sei, nutzen wir Wibilex, das wissenschaftliche Bibelportal der deutschen Bibelgesellschaft, für Übersetzungsvergleiche das World Wide Web, für vertiefende Literatur in Fachbüchern recherchieren wir zuerst im Netz.

Ein anderes Erlebnis: Auf der Sommerfreizeit, die ich dieses Jahr geleitet habe, kam ich an einem Abend mit einer Teilnehmerin ins Gespräch, die mir erzählte, dass sie gern die Bibel lesen würde, aber nicht so genau weiß, wem sie alle ihre Fragen stellen kann, die ihr beim Lesen kommen.
Seit dieser Zeit schickt sie mir kurze Sprachnotizen per WhattsApp mit Fragen zu den gelesenen Bibeltexten und ich kann - je nach Zeit und Wissen - versuchen Antworten zu finden. Persönliche Kommunikation über das Evangelium, zeitversetzt zwischen Dortmund und Münster. '

Die Begeisterung bleibt, der persönliche Kontakt auch - und das Evangelium?
Dank digitaler Medien ist die gute Botschaft auch eine frische.
Selber inspiriert wurde ich im vergangenen Jahr, als ich auf den ökumenischen Kongress "Kirche²" stieß, der von katholischen und evangelischen Glaubenden nicht nur völlig ausgebucht war, sondern den Tausende online mit verfolgten. Einige Sequenzen schau ich mir bis heute an. Mich begeistert, dass Glaubende im Austausch stehen und miteinander ringen, sich ermutigen und herausfordern - und das erinnert mich ein wenig an Paulus, der mit seinen Gemeinden im Austausch steht, sie herausfordert und ermutigt.

Aber nicht nur Fragende, Zweiflerinnen und Skeptiker, Glaubende aller Religionen, Agnosiker und Atheistinnen finden in digitalen Medien die Möglichkeit sich zu äußern, zu diskutieren, zu fragen und dabei anonym zu bleiben, sondern auch jede und jeder, der Hilfe braucht. Anonym und unverbindlich, online und ohne Telefon, per Tastatur und Text bietet unsere Kirche Seelsorge an.
Und hier ist es vor allem die junge Generation, die angesprochen wird:
Allein im letzten Jahr hat die Zahl der Hilfesuchenden sich verdoppelt. Eines der wichtigsten Themen: Selbstmordgedanken. Verzweifelte Jugendliche und junge Erwachsene suchen nach Halt und Hoffnung, nach Trost und auch nach Kraft.
Wiederum kommt mir Paulus in den Sinn. An die Gemeinde in Rom schreibt er: Die gute Botschaft ist eine rettende Kraft. Gut, rettend, kräftigend haben wahrscheinlich viele dieses Angebot der EKD erlebt.

All das zeigt: Das Internet, es ist Teil der Kirche von morgen, und auch der Kirche von heute, einer Kirche, die beides kann: Das Persönliche und das Unverbindliche, von Angesicht zu Angesicht und rund um den Globus, vor Ort und im Chatroom
Die Botschaft: Christus, der rettet, kräftigt und gut tut.
Paulus - ein authentisches Vorbild. 
Wir selbst: inspiriert und bewegt durch den Geist, der heilig ist.
Das Potential: riesengroß.
Die Möglichkeiten: vielfältig und einfach zugleich.
Das alles: Unser und mein Wunsch für uns als Kirche!

Abschluss
Gott schreibt Geschichte mit seinen Menschen. Er schreibt Geschichte mit seiner Kirche und das schon seit vielen Jahrhunderten.
Welche Geschichte schreibt Gott mit seiner Kirche heute?
Welche Geschichte schreibt er in ihrer Gemeinde?

Ein paar Bilder davon, wie Kirche begonnen hat Kirche zu sein und wie die Gute Nachricht verbreitet wurde, haben wir herausgegriffen um zu sehen, wie Gottes Handschrift darin deutlich wird.
Wir erkennen darin einen Gott, der seine Menschen nicht im Stich lässt, sondern ihnen den Heiligen Geist schenkt.
Dadurch werden sie befähigt raus zu gehen, Begeisterung zu teilen und andere anzusprechen.
Anzusprechen mit seiner Botschaft durch unterschiedliche Medien.

Gebet
Vater im Himmel,

Danke, dass du uns Paulus als Vorbild geschenkt hast von dem wir lernen können.
danke, dass du uns nicht im Stich lässt sondern
Uns deinen heiligen Geist schenkst,
den Geist der Türen und Herzen öffnen kann.

Fülle Du uns mit deinem heiligen Geist,
dass wir befähigt werden mit Weisheit und Mut das Evangelium zu verkünden
mit den Mitteln die uns zur Verfügung stehen.

Gebrauche Du uns Herr Jesus,
als Zeugen für Deine frohe Botschaft.
 
 -Amen

Lied (Vertraut den neuen Wegen EG:395,1-3)