Predigt in der Reihe „Fastenpredigten 2004“ (Off. 14, 6), Oberpfarr- und Domkirche zu Berlin

Hermann Barth

14. März 2004

"Evangelium - for ever and ever"

0 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.
In der Fastenpredigtreihe dieses Jahres mit Texten aus der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Bibel, ist heute ein Vers aus dem 14. Kapitel an der Reihe:

Und ich sah einen andern Engel fliegen mitten durch den Himmel, der hatte ein ewiges Evangelium zu verkündigen denen, die auf Erden wohnen, allen Nationen und Stämmen und Sprachen und Völkern.

Herr, heilige uns in deiner Wahrheit. Dein Wort ist die Wahrheit. Amen.

Liebe Gemeinde!
Diese Fastenpredigt hat es mit dem Kostbarsten zu tun, das der Kirche anvertraut ist: mit dem Evangelium. Jede Kirche, ob evangelisch oder katholisch oder orthodox, jede Gemeinde, ob in Deutschland oder in Asien, ob in der Großstadt oder im ländlichen Raum, jeder Christenmensch, Mann und Frau, alt und jung, gelehrt oder von schlichtem Gemüt, ist dazu berufen, Botschafter der Guten Nachricht zu sein. In alle Ewigkeit, for ever and ever, wird sie laut; durch alle Zeiten hindurch, for ever and ever, bleibt sie dieselbe; die Menschen brauchen dieses heilende, aufrichtende, ermutigende Wort: Du bist geliebt, und wenn nicht von dir selbst und deinen Mitmenschen, so doch unaufhörlich und unbeirrbar von deinem Vater im Himmel. Du bist für wert geachtet, und wenn nicht von dir selbst und deinen Mitmenschen, so doch unaufhörlich und unbeirrbar von deinem Schöpfer und Heiland. Du bist in guten Händen, und wenn nicht bei dir und deinesgleichen, so doch unaufhörlich und unbeirrbar bei dem, der die ganze Welt in seinen Händen hält und aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Und wo immer ein Mensch von dieser Botschaft erreicht und erfüllt wird, da wird das Herz fest und kann bekennen: "Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn" (Römer 8,38f).

Im letzten Buch der Bibel, auch in dem für den heutigen Sonntag ausgewählten Vers, begegnet uns das Evangelium freilich in einem Zusammenhang, der ebenso befremdlich wie anziehend - und manchmal gerade anziehend, weil befremdlich - wirkt.

 I.

"Und ich sah" - so beginnt der Predigttext. Und was sieht der Verfasser des letzten Buches der Bibel nicht alles! Das ganze Buch ist letztlich die Niederschrift von Visionen: "Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus," - so schreibt der Verfasser im 1. Kapitel - "wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune, die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch" (1,9-11). So ziehen sich die Wendungen "Danach sah ich" oder "Und ich sah" durch das ganze Buch hindurch von seinem Anfang bis zu seinem Ende: "Danach sah ich, und siehe, eine Tür war aufgetan im Himmel" (4,1). "Und ich sah ... ein Buch ... versiegelt mit sieben Siegeln" (5,1). "Und ich sah einen Stern gefallen vom Himmel auf die Erde" (9,1). "Und ich sah ein Tier aus dem Meer steigen, das hatte zehn Hörner und sieben Häupter" (13,1). "Und ich sah, und siehe, das Lamm stand auf dem Berg Zion und mit ihm 144.000, die hatten seinen Namen und den Namen seines Vater geschrieben auf ihrer Stirn" (14,1). "Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde" (21,1).

Als ich mir diese Gesichte im letzten Buch der Bibel noch einmal gesammelt vor Augen führte - und was ich aufgezählt habe, war nur eine Auswahl -, da konnte ich mich der Frage nicht erwehren: Was soll ich mit dieser Bilderwelt anfangen? Sie kommt mir fast vor wie das Produkt eines etwas überspannten Geistes.

Aber welcher Maßstab ist es, der mich zu einer solchen Einschätzung bringt? Offenkundig bin ich - so wie die gesamte jüdisch-christliche Kultur - in der Wolle gefärbt von dem biblischen Satz: Der Glaube kommt aus dem Hören. Wer Gott begegnen will, soll sich mehr auf das Ohr als auf das Auge und die anderen menschlichen Sinne verlassen.

Die Bilderwelt im Stile des letzten Buchs der Bibel hat damit aber nicht ausgedient. Sie behauptet ihren Platz zumindest in der Welt unserer Träume. Auch wenn wir vielleicht nicht viel davon wissen wollen und uns diese Welt eher unheimlich ist - in der Seele jedes Menschen schlummern fantastische Bilder, wir wissen nur nicht recht, was wir mit ihnen anfangen sollen, und der einfachste Weg scheint es, sich nicht um sie zu kümmern. Aber sie bleiben doch da, und die Welt der Träume ist ein Ort, an dem wir ihnen begegnen. Andere Orte sind die Kunst und das Kino. Die Faszination, die gerade auch wieder in diesen Tagen und Wochen von Kunstausstellungen und Filmen ausgeht und die Menschen zuhauf in Museen und Kinos treibt, ist ein Zeugnis dafür, wie Bilder - und gerade die befremdlichen und rätselhaft wirkenden Bilder - anziehend wirken und viele Menschen ansprechen - "ansprechen" in dem doppelten Sinn: ihre Aufmerksamkeit erregen und ihnen etwas zu sagen haben.

Die zivilisierte Menschheit ist in der vergangenen Woche - ein weiteres Mal - mit der grausigen Fratze des Terrorismus konfrontiert worden. Die Bilder aus Madrid sind so schrecklich, daß die Medien sie uns in ihrer ganzen Brutalität gar nicht zumuten. Was sind das für Gehirne, die sich solche Untaten ausdenken? Der Terrorismus übersteigt zunehmend unsere Vorstellungs- und Verstehensmöglichkeiten. Sind das vielleicht Erfahrungen von der Art, wie sie Johannes, dem "Bruder und Mitgenossen an der Bedrängnis", zuteil wurden und ihn das grausige "Tier aus dem Meer" schauen ließen, ein Tier mit zehn Hörnern und sieben Häuptern "und auf seinen Hörnern zehn Kronen und auf seinen Häuptern lästerliche Namen"?

Die Bilderwelt des letzten Buches der Bibel ist uns vielleicht näher und vertrauter, als wir auf den ersten Blick glauben. Gewiß - nicht jeder ist in gleicher Weise begabt, sich in dieser Welt zu bewegen. Auch sind die Risiken nicht geringzuschätzen, sich in wilden Einbildungen der eigenen Phantasie zu verirren. Aber weil der Mensch nicht nur ein hörendes, sondern auch ein sehendes Wesen ist, darum ist es in jedem Fall der Mühe wert, für unsere Besorgnisse und unsere Sehnsüchte, für unsere Zukunftsängste und unsere Hoffnungen, für unseren Zweifel und unsere Gewißheit Bilder zu suchen und zu entdecken. Die christliche Verkündigung wird allerdings nicht darauf verzichten können, sie zu deuten. Insofern bleibt es beim Vorrang des Ohrs vor dem Auge. Der Glaube kommt eben doch aus dem Hören.

II.

Im Predigttext geht es aus der Fülle der Bilder, die uns im letzten Buch der Bibel begegnen, konkret um die Engel: "Und ich sah einen andern Engel fliegen mitten durch den Himmel". Das Wort vom "andern Engel" deutet es bereits an: Engel spielen in der Offenbarung des Johannes eine große Rolle, Engel des Himmels und Engel des Abgrunds, Engel zum Guten und zum Bösen. Nicht selten treten sie in Gruppen auf: die "vier Engel ... an den vier Ecken der Erde", die die vier Winde der Erde festhalten (7,1), oder die sieben Engel, die vor Gott stehen und denen sieben Posaunen gegeben werden (8,2), oder die sieben Engel, die die letzten sieben Plagen repräsentieren und die sieben Schalen des Zornes Gottes ausgießen (15,1-16,21).

Mit den Engeln verhält es sich nicht anders als mit der Bilderwelt im ganzen: In der christlichen Kirche hat es Zeiten gegeben, in denen das Interesse an Engeln und das Nachdenken über sie und das fantastische Ausmalen der Engelwelt Konjunktur hatten, und es hat Zeiten gegeben, in denen man die Rede von Engeln an den Rand drängte oder für ganz überflüssig hielt. Heute befinden wir uns, wenn ich mich nicht sehr täusche, in einer Phase des Übergangs. Wir kommen aus einer Epoche, jedenfalls im Protestantismus, in der in Theologie und Frömmigkeit Engel nur eine relativ geringe Rolle spielten. Theologische Engellehren, sogenannte Angelologien, gab es keine mehr. Aber die "Angelologie des Achselzuckens", wie Karl Barth es kritisch formuliert hat, ist definitiv vorbei. Nahezu jeder kennt heute Menschen, die Engelfiguren und Engelgeschichten sammeln. Engel sind ein beliebtes Thema für Andachten, gerade im Rundfunk. Die geistliche Literatur zum Thema "Engel" nimmt fortlaufend zu; jeder Besuch in einer Buchhandlung kann das leicht illustrieren; der Benediktiner Anselm Grün hat seinem Buch über "50 Engel für das Jahr" ein Buch über "50 Engel für die Seele" folgen lassen. Auch außerhalb der Kirchen interessiert man sich für Engel. Zum Beispiel in den Kunstmuseen. Übrigens auch in der Werbung. Etwa so: "Koffein - das ist der Engel in der Kaffeebohne".

Um so mehr gilt, was Martin Luther in seiner Predigt zum Michaelistag 1530 über die Beschäftigung mit den Engeln gesagt hat: "Es soll und muß bei den Christen der Verstand oder die Erkenntnis der lieben Engel bleiben und ist uns sehr nützlich und tröstlich, daß wir ihr Amt und Wesen, auch was von ihnen zu halten ist, wissen ... Wenn man es aber nicht weiß, so müssen närrische, ungeschickte Gedanken und Fabeln folgen." Manche neueren Entwicklungen zeigen auf das deutlichste, wie recht Luther mit seiner Prognose hat. Das Interesse an den Engeln steigert sich - wie schon in früheren Epochen - gern in närrische Gedanken und Spekulationen hinein.

Aber in Engeln begegnen wir Gott selbst. Sie sind nichts Eigenständiges neben ihm und getrennt von ihm. "Also beten wir" - wie Luther in seiner Michaelispredigt von 1530 sagt - "die Engel nicht an, vertrauen auch nicht in sie ... Wie wir nun Gott danken und loben, daß er uns die liebe Sonne, Mond, Wein und Korn geschaffen hat, so sollen wir ihm auch für die lieben Engel danken: Lieber Herr Gott, ich danke dir, daß du uns also mit deinen Engeln versorgt und geschützt hast".

Niemand hat Gott je gesehen, heißt es in der Bibel. Wir können von Gott darum immer nur in Gleichnissen und Bildern reden. Engel sind ein solches Gleichnis und Bild. Sie geben uns eine Vorstellung davon, wie Gott um uns ist und selbst das Ärgste noch zum Besten wendet. Noch einmal Luther aus seiner Michaelispredigt:
"Das heißt denn ein Teufel und das ist sein Amt, daß er das Beste zum Ärgsten macht - gleichwie die guten Engel das Ärgste zum Besten wenden, alles wohl auslegen, trösten, raten, helfen, schützen und lehren. Das sollen wir erkennen, lernen und Gott fleißig dafür danken. Und es wäre zumal fein, daß man zu morgens, wenn einer aufsteht, Gott unsern Herrn in Sonderheit darum bitte und sage: Lieber Gott, laß heut deinen heiligen Engel bei mir sein, mich regieren und führen, schützen und lehren."

Es sind im übrigen nicht zuletzt Luthers Morgen- und Abendsegen - zusammen mit vielen anderen Morgen- und Abendliedern des Gesangbuchs -, die dazu beitragen, daß der Verstand und die Erkenntnis der lieben Engel bei den Christen bleibt und ihnen nützlich und tröstlich ist.

In der biblischen Vorstellung von Engeln steht vom Alten Testament an ihre Botenrolle im Vordergrund. Engel überbringen eine Botschaft Gottes. Wer eine Botschaft Gottes empfängt, dem ist, als sei ihm ein Engel begegnet. Auch der Engel des heutigen Predigttextes hat eine Botenrolle.

III.

"Und ich sah einen andern Engel fliegen mitten durch den Himmel, der hatte ein ewiges Evangelium zu verkündigen denen, die auf Erden wohnen, allen Nationen und Stämmen und Sprachen und Völkern."

Die Botschaft, die der Engel zu überbringen und auszurufen hat, heißt "Evangelium", frohe Botschaft, gute Nachricht. Ich habe zu Anfang einiges dazu gesagt, was der Inhalt der biblischen Guten Nachricht ist und was sie - heilend, aufrichtend, ermutigend - in Menschen wirkt. Freilich, nicht alles was "Evangelium" heißt, ist auch wirklich Evangelium. Oder um diese kritische Diagnose in eine dringliche Mahnung zu verwandeln: Wo Evangelium draufsteht, soll auch Evangelium drin sein.

Wer in seiner Bibel die Fortsetzung des heutigen Predigttextes aufschlägt oder bereits aufgeschlagen hat, der stellt, vielleicht zu seiner großen Überraschung, fest, daß die kritische Diagnose und die dringliche Mahnung, die ich auszusprechen für nötig gehalten habe, schon beim letzten Buch der Bibel angebracht sind. Denn der Engel, von dem es gerade hieß, er habe ein ewiges Evangelium weiterzugeben, verkündet "mit großer Stimme: Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre; denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen! Und betet an den, der gemacht hat Himmel und Erde und Meer und die Wasserquellen!" Nichts gegen den Inhalt dieser Botschaft. Sie ist in der Bibel - bei den Propheten etwa oder in der Verkündigung Jesus selbst - gut bezeugt. Sie hat auch in der Verkündigung der christlichen Kirche ihren Platz. Aber Evangelium, heilende, aufrichtende, ermutigende Botschaft - das ist sie nicht. Schon sprachlich kann man das leicht erkennen: Die Imperative, also die Aufforderungen, stehen ganz im Vordergrund. Menschen werden darauf angesprochen, was sie zu tun haben, was sie schuldig sind und was sie zu lassen haben. Die Sprache des Evangeliums dagegen ist der Indikativ, also die Zusage dessen, was Gott schon längst für uns getan hat und was gilt unabhängig von dem, was wir leisten und verdienen.

Aber unser kritischer Blick darf nicht hängen bleiben bei Aussagen des letzten Buches der Bibel. Er muß sich mit gleicher Schärfe - ja, mit größerer Schärfe, denn es geht dabei nicht um Abgeschlossenes, sondern um Gegenwärtiges - auf die Verkündigung unserer Kirche richten. Wir hören - Gott sei Dank - auch in unserer Zeit die kräftige Stimme des Evangeliums. Aber - Gott sei's geklagt - wo Evangelium draufsteht, ist keineswegs immer Evangelium drin - ja, manchmal steht Evangelium nicht mal mehr drauf. Auch auf die Gefahr ungerechter Pauschalierung sage ich: Auf den Kanzeln, in den öffentlichen Verlautbarungen, beim Krankenbesuch, im alltäglichen persönlichen Gespräch ist die Stimme des Evangeliums manchmal nur sehr schwach und manchmal überhaupt nicht hörbar. Nichts gegen politische und ethische Urteile oder lebenskluge Ratschläge - um so mehr dann, wenn sie mit dem Wort Gottes und insbesondere mit dem Evangelium in einem erkennbaren Zusammenhang stehen. Aber, wie gesagt, das Kostbarste, das der Kirche anvertraut ist, ist das Evangelium. Politische und ethische Urteile oder lebenskluge Ratschläge können auch von anderen kommen. Das Evangelium, dieses Evangelium gibt es nur einmal. Es ist, wie man in einer treffenden Übertragung aus der Wirtschaftssprache neuerdings häufig sagt, unser "Markenkern". Manches, was wir in den christlichen Gemeinden bieten, gibt es auch bei anderen "Anbietern", das Evangelium nicht. Wir dürfen es den Menschen nicht vorenthalten. Wir dürfen diesen Schatz nicht vergraben oder verstecken oder vergessen. Er ist ein Schatz, der sich weder verbraucht noch verzehrt. Mit ihm ist es wie mit dem Mehl und dem Öl, von denen der Prophet Elia der Witwe verheißen hat: "Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln" (1. Könige 17,9-16). Darum können wir den Schatz des Evangeliums freigiebig austeilen, er wird dadurch nicht weniger werden.

Adressaten des Evangeliums sind - und da können wir der Vision des Johannes wieder ohne jede Einschränkung folgen - "alle Nationen und Stämme und Sprachen und Völker". Das gehörte von Anfang an zu den besonderen Merkmalen des Evangeliums: Dies ist keine Geheimbotschaft, sie soll laut und öffentlich ausgerufen werden. Dies ist auch keine Sonderbotschaft für die happy few, für die privilegierte und auserwählte Kleingruppe. Das Evangelium gilt vielmehr allen. Niemand ist ausgeschlossen. Alle Grenzen fallen: zwischen Juden und Griechen, zwischen Ariern und Nichtariern, zwischen Weißen und Schwarzen, zwischen Gebildeten und Menschen mit schlichtem Gemüt. Das kann auch gar nicht anders sein, weil es zum inhaltlichen Kern des Evangeliums gehört, daß niemand seiner Leistungen oder Eigenschaften wegen Gott näher steht oder vor Gott besser dasteht als andere.

Der Predigttext nennt das Evangelium, das der Engel zu verkündigen hat, ein "ewiges Evangelium". In der Ankündigung der diesjährigen Fastenpredigtreihe ist das in der Überschrift für die heutige Predigt glücklich wiedergegeben worden mit "Evangelium - for ever and ever". Durch die Zeiten hindurch ändert sich das Evangelium nicht. Gott zieht seine gute Nachricht nicht zurück - obgleich das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens böse bleibt von Jugend auf (1. Mose 8,21). Solange die Erde steht (1. Mose 8, 22), wird das Evangelium verkündigt werden. Ja, mehr als dies: Das Evangelium wird nicht nur auf der Erde laut. Das Evangelium erklingt als Lobpreis der Gnade Gottes auch im Himmel. Es ist wirklich Evangelium for ever and ever, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Wer davon einen musikalischen Eindruck gewinnen will, der höre sich - am besten gleich heute abend - Händels "Messias" an. Dann wird auch endgültig klar, daß dieses for ever and ever nicht zufällig in der Überschrift für die heutige Predigt steht. Es hat seinen festen Platz wie in der Bibel insgesamt so auch in ihrem letzten Buch. Zwei Verse, in denen das for ever and ever in der Offenbarung des Johannes vorkommt, hat Händel in seinem "Messias" aufgegriffen und in begeisternde Musik verwandelt: den einen im großen Halleluja, den anderen - im unmittelbaren Anschluß an die Sopranarie über eine der klassischen Römerbrieffassungen (8,31ff) des Evangeliums - im Schlußchor. Das "ewige Evangelium" führt für immer und ewig in den Lobpreis Gottes. Darum hat es seinen guten Sinn, wenn die Worte des Lobpreises, die Händel in seinem "Messias" vertont hat, am Ende dieser Predigt stehen:

"Das Königreich der Welt ist fortan das Königreich des Herrn und seines Christ, und er regiert auf immer und ewig", for ever and ever (11,15).

"Würdig ist das Lamm und hat versöhnet uns mit Gott durch sein Blut, zu nehmen Stärke und Reichtum und Weisheit und Macht und Ehre und Hoheit und Segen. [Und jedes Geschöpf, das im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und auf dem Meer und alles, was darin ist, singt sein Lob:] Alle Gewalt und Ehr und Macht und Lob und Preis gebühret ihm, der sitzet auf seinem Thron, und also dem Lamm, auf immer und ewig", for ever and ever (5,12f).

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Weiter, liebe Brüder und Schwestern: Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob - darauf seid bedacht!

Amen.

Lied nach der Predigt: EG 351, 6 + 11-13



erweiterte Suche

 

Das könnte Sie auch interessieren...


Gesucht: Landeskirchen?

EKD-Kirchenkarte

Zu den verschiedenen Kirchen in den Regionen finden Sie am schnellsten über unsere Kirchen-Karte.