Engelhardt: "Bibel ist nie zu Ende erzählte Story vom Erbarmen Gottes"

Ermutigung zum offensiven Umgang mit DDR-Vergangenheit

3. November 1996 (7. Tagung der 8. Synode der EKD)

Die Bedeutung des Erzählens biblischer Geschichten hob der EKD-Ratsvorsitzende Engelhardt in seinem Bericht besonders hervor. "Die Erzählungen der Bibel sind das Kostbarste, was den Christen anvertraut ist", betonte er. Der Landesbischof weiter: "Die Bibel ist das nie ausgelesene Buch, die nie zu Ende erzählte und immer wieder aufs neue Aufmerksamkeit heischende Story vom Erbarmen Gottes".

Zugleich beklagte Engelhardt, "daß wir in unserem Hören auf die Bibel und in dem Erzählen der biblischen Erbarmensgeschichten erschreckend anspruchslos geworden sind". So werde Kirche belanglos und das dürfe sie sich um des missionarischen Auftrags willen nicht leisten. Sagen ließen sich viele Menschen heute nichts, aber Erzählen lasse sie aufhorchen.

Die Texte der Bibel seien immer mehr Menschen immer weniger bekannt, stellte Engelhardt fest. "Eine Gesellschaft aber, die die Bibel nicht mehr kennt, schneidet sich von einer kräftigen Quelle der Inspiration ab". Die biblischen Erbarmensgeschichten machten demütig und selbstbewußt zugleich, weil sie den "Standort des Lebens" genau anzeigten. Der Ratsvorsitzende wörtlich: "In solcher Gewißheit wurde in der Kirche der DDR der Glaube gelebt".

Es sei der SED und der Stasi nicht gelungen, die evangelische Kirche in ihre Abhängigkeit zu bringen. Statt der vielen Christen, die sich "dem Anpassungsdruck der totalitären Herrschaft" widersetzt hätten - Engelhardt nannte stellvertretend den ehemaligen Magdeburger Bischof Werner Krusche - stünden heute die Verfehlungen Einzelner im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Der Ratsvorsitzende setzte sich für einen offensiven Umgang der Kirche mit ihrem "Erbe" aus der DDR-Zeit ein. Dazu ermutigten und befähigten die biblischen Geschichten.

Borkum, 3. November 1996
Pressestelle der EKD



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