Von der Ich-AG zur Wir-AG

Leitender Bischof der VELKD predigte im Wartburggottesdienst

29. Mai 2010

Logo der EKD Zur Besinnung auf das christliche Verständnis von Freiheit hat der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München), aufgerufen. In seiner Predigt im Wartburggottesdienst sagte er am 29. Mai in Eisenach, christliche Freiheit meine nicht einfach eine Loslösung von allen Bindungen, sondern einen Schritt in eine neue Verbindlichkeit. Dies sei etwas ganz anderes, als es moderne Freiheitsphantasien oft versprechen wollen.

„Wer unter Freiheit Bindungslosigkeit versteht, wird an sich selbst scheitern, wird von seiner ständigen Sorge um sich selbst zerfressen werden“, so Friedrich. Es sei auch unsinnig, etwa das Fernbleiben vom Gottesdienst mit christlicher, mit evangelischer Freiheit begründen zu wollen. Recht verstandene evangelische Freiheit könne nur in einer tiefen Bindung an Gott wurzeln. „Die Kirche ist der Ort, an dem wir erfahren, dass wir nicht allein sind mit unserem Glauben an Gott, der uns in die Freiheit führt.“ Die Kirche sei auch der Platz, an dem sich die Menschen gegenseitig im Glauben bestärkten. Christliche Freiheit höre an der Kirchentür nicht auf.

Ein Glaube, der nicht den Alltag gestalte und verändere, könne sich nicht auf die Bibel oder auf Martin Luther berufen. „Aus christlicher Freiheit heraus können wir uns von der Not der vom Oder-Hochwasser betroffenen polnischen Landarbeiter genauso bewegen lassen wie vom Schicksal der Unwetteropfer in Brandenburg. Weil wir uns mit ihnen verbunden fühlen, werden wir nicht mutlos wegsehen, sondern tun, was in unserer Macht steht“, so der Leitende Bischof wörtlich. Im Alltag komme es auf Freundschaft und Mitmenschlichkeit an, auf Fürsorge und Verantwortung, auf Glaube, Liebe und Hoffnung. Aus der Ich-AG werde die Wir-AG, aus Einsamkeit Nächstenliebe.

Hannover, 29. Mai 2010

Udo Hahn
Pressesprecher