Armut und soziale Ausgrenzung bekämpfen

Aktionstag der Evangelischen Kirche in Deutschland am 25. Juni in Berlin

18. Juni 2010

Logo der EKD Vom 19. bis 25. Juni geht es in Berlin an vielen Orten nur um ein Thema, um mehr soziale Gerechtigkeit. Eines der Ziele der Fokuswoche der Nationalen Armutskonferenz  im Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung ist, das öffentliche Bewusstsein für die Lage armer Menschen zu schärfen. Am Freitag, dem 25. Juni, veranstaltet die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) mit ihrem Sozialwissenschaftlichen Institut (SI) und mit Unterstützung von Diakonie, Caritas und der Evangelischen Akademie zu Berlin einen Aktionstag unter dem Motto „Einladen statt abhängen – kirchliches Netzwerk unterwegs gegen Armut und Ausgrenzung“. Experten aus der Praxis und Wissenschaftler geben Einblick in neuste Erfahrungen und Forschungsergebnisse. Sie diskutieren mit Vertretern von Kirchengemeinden, Caritas, Diakonie, sozialen Netzwerken und Politik. Achtzehn Standortprojekte aus ganz Deutschland stellen ihre Arbeit und Angebote vor, die sie für Bewohner in sozialen Brennpunkten und Quartieren entwickelt haben. Der Aktionstag findet in der Landesvertretung von Hessen statt (In den Ministergärten 5, 10117 Berlin).

„Wir brauchen dringend eine sachliche Diskussion über Ziele und Erfolge der Armutsbekämpfung in Deutschland. Es geht eben nicht nur um Hunger, es geht um gesellschaftliche Teilhabe“, betont der amtierende Vorsitzende des Rates der EKD, Präses Nikolaus Schneider. „Wir vernachlässigen Menschen in ihrer eigenen Entwicklung und wundern uns dann, dass sie immer weiter abrutschen und nicht mehr zu motivieren sind“, ergänzt Professor Gerhard Wegner, Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts. Wer den Absturz in die Armut befürchte, verliere durch die Angst schon ein Stück Gesundheit, Gelassenheit und Lebensglück.

Genau an diesem Punkt setzen zahlreiche Kirchengemeinden an. Sie bieten Freizeiten für Alleinerziehende, sie errichten – wie in Neuruppin in einer Plattenbausiedlung – Begegnungszentren für Kinder und Jugendliche und sie fördern Talente wie zum Beispiel die der „Power Girls“ in Berlin. „Ziel ist, die Widerstandsfähigkeit der Benachteiligten zu stärken und die Menschen fit zu machen für Schule, Arbeitsmarkt und den Umgang mit den ganz normalen Alltagsproblemen“, sagt Cornelia Coenen-Marx, Referentin für Sozial- und Gesellschaftspolitik im Kirchenamt der EKD.  Immer mehr Menschen, die mit sehr wenig Geld auskommen müssen, nutzen bereits die von Diakonie und Kirchengemeiden initiierten Tafeln, Sozialkaufhäuser und Tauschbörsen. Coenen-Marx beobachtet, dass darüber hinaus die Bereitschaft in Kirchengemeinden und Landeskirchen wächst, sich auch auf struktureller Ebene mit dem Armutsrisiko zu beschäftigen. So fördert zum Beispiel die Bremische Kirche ganz bewusst Stellen für Netzwerkarbeit zur Stärkung der Gemeinwesendiakonie. Und der Handlungsbedarf wächst. Das jüngst beschlossene Sparpaket der Bundesregierung wird noch mehr Menschen an den gesellschaftlichen Rand drängen. Bereits heute schon sind rund 11,5 Millionen Bundesbürgerinnen und Bundesbürger arm oder von Armut bedroht.

Hannover, 18.  Juni 2010

Pressestelle der EKD
Renate Giesler / Silke Römhild