Tacheles am 14. Januar: Krieg für gerechten Frieden?

TV-Diskussion aus Hannover mit EKD-Militärbischof Martin Dutzmann, Michael Wolffsohn, Peter Scholl-Latour und anderen

12. Januar 2010

Logo der EKD Nach der Kontroverse um die Neujahrspredigt der EKD-Ratsvorsitzenden Landesbischöfin Margot Käßmann geht es nun auch bei „Tacheles – Talk am roten Tisch“, der Diskussionsreihe der evangelischen Kirche, um den Militäreinsatz in Afghanistan.

Es diskutieren Militärbischof Martin Dutzmann, der Europaparlamentarier Elmar Brok (CDU), Peter Scholl-Latour, Michael Wolffsohn (Universität der Bundeswehr, München) und Nadia Nashir-Karim (Afghanischer Frauenverein) in der hannoverschen Marktkirche, am Donnerstag, 14. Januar, 19 Uhr. Es moderiert Fernsehpastor Jan Dieckmann.

Der Militäreinsatz in Afghanistan fordert immer mehr Opfer – gibt es noch Chancen auf einen Frieden am Hindukusch? Dürfen deutsche Soldaten im Kampf gegen den Terror töten? Ist der Kampf gegen die Taliban ein religiöser Konflikt?

Der evangelische Militärbischof Dr. Martin Dutzmann fordert von der Bundesregierung, den Rückzug einzuleiten, denn „letztlich können Frieden und Sicherheit nur zivil gewonnen werden“, betont er in einer Kolumne bei Tacheles online (www.tacheles.tv).

Prof. Dr. Michael Wolffsohn (Universität der Bundeswehr, München), dringt dagegen darauf, mit deutlich mehr Soldaten die Taliban zum Einlenken zu zwingen: „Nur wenn der militärische Einsatz der Bundeswehr aufgestockt wird, ist eine positive Wende in Sicht.“

Der Europaabgeordnete Elmar Brok (CDU), der Afghanistans Präsident Hamid Karzai und dessen Widersacher Abdullah Abdullah aus persönlichen Gesprächen kennt, rät dazu, sich „von den Wünschen zu verabschieden, dass man hier ein ganzes Land nach unseren Vorstellungen umbrechen kann“. Er fordert, die Taliban zurück in die Moscheen zu holen und regional an der Macht zu beteiligen.

Der Publizist und frühere Kriegsberichterstatter Prof. Dr. Peter Scholl-Latour meint, der Einsatz der Bundeswehr sei gescheitert: Die Lage der Frauen und Mädchen habe sich immer mehr verschlechtert, der Drogenanbau nehme zu.
Die Vorsitzende des Afghanischen Frauenvereins, Nadia Nashir-Karim, spricht sich für den zivilen Wiederaufbau und gegen eine weitere Truppenaufstockung aus. „Es war ein Fehler, dass sich die deutschen Soldaten am Krieg beteiligt haben“, sagt sie.

Am Stehtisch berichtet der muslimische Bundeswehrsoldat Rabih Boulous von seinem Afghanistan-Einsatz und wie er der Angst vor dem Islam begegnet. Der Reserveoffizier Uwe Lampe schildert, wie ernüchtert er aus Afghanistan zurückkehrte.

Die Diskussion findet am 14. Januar 2010, um 19 Uhr, öffentlich in der Marktkirche Hannover statt. Der Eintritt ist frei, Einlass ab 18 Uhr. Phoenix strahlt die Debatte voraussichtlich am 17. Januar um 17 Uhr und am 24. Januar um 22.30 Uhr aus.

Hannover, 12. Januar 2010

Pressestelle der EKD
Reinhard Mawick

Tacheles wird veranstaltet von der Evangelischen Radio- und Fernsehkirche im NDR und gemeinsam getragen von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und der Klosterkammer Hannover.