„Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“

Ökumenischer Gottesdienst anlässlich der Bundesversammlung am 30. Juni 2010

30. Juni 2010

Logo der EKD Zum Auftakt der 14. Bundesversammlung haben die evangelische und katholische Kirche gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst in der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale gefeiert.

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“. Diesen Satz aus dem zweiten Brief des Paulus an Timotheus stellte Prälat Dr. Bernhard Felmberg, der Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), ins Zentrum seiner Predigt im Rahmen anlässlich der Wahl des neuen Bundespräsidenten.

„Die Furcht lässt uns kaum Wege finden. Sie lässt nur kurze Schritte zu und bringt uns schnell aus dem Gleichgewicht“, betonte der Prälat vor den Wahlmännern und -frauen in der St. Hedwigs-Kathedrale. Gott habe den Menschen dagegen „drei gute Dinge“ gegeben: „Der Geist der Kraft lässt uns gemeinsam um einen guten Weg ringen“, sagte Felmberg. Der Geist der Kraft brauche viele Trägerinnen und Träger in Politik, Gesellschaft und Kirche. Der Geist der Liebe zeige sich in einer akzeptierenden, wertschätzenden und anerkennenden Haltung. „Wer diese nüchterne Liebe übt, betritt einen Raum, in dem Offenheit und Vertrauen miteinander in Frieden leben“, so Felmberg.

Besonnenheit sei eine Grundeinstellung, die das rechte Maß zu halten wisse. „Besonnen verhält sich, wer in schwierigen Situationen mit Umsicht handelt“, unterstrich der Bevollmächtigte. Mit Blick auf das Amt des künftigen Bundespräsidenten sagte er: „Unsere Gesellschaft braucht Ermutiger und Hoffnungsspender“. Die Menschen könnten darauf vertrauen: „Gott hat uns diesen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit gegeben. Er will erkennbar in unseren beruflichen und privaten Zusammenhängen wirken.“

Prälat Dr. Karl Jüsten, Leiter des Katholischen Büros in Berlin, rief anlässlich der bevorstehenden Wahl Politiker und Repräsentanten von Kirche und Gesellschaft zur Gewissenserforschung auf: „Ich finde, in diesen Tagen tut uns allen Gewissenerforschung gut! Insbesondere wir Katholiken spüren angesichts von dramatischem Fehlverhalten, dass nur Wahrhaftigkeit und Entschiedenheit zum Guten der richtige Weg sein kann.“

Jüsten betonte weiter, wer Vertrauen verloren habe, dürfe nicht bei der Klage um den Verlust der Glaubwürdigkeit stehenbleiben. Das gelte nicht nur für die Kirche, sondern auch für Politik und Wirtschaft: „Den Verlust des Vertrauens und der Glaubwürdigkeit zu beklagen, ist wohlfeil und führt nicht weiter. Vertrauen von anderen ist ein Geschenk. Glaubwürdigkeit ist eine Frage der eigenen Persönlichkeit, der Ehrlichkeit, der guten Absichten. Wir im politischen Betrieb und in der Wirtschaft, wir in den Institutionen des Staates und der Gesellschaft sollten uns deshalb keine Strategien ausdenken und uns nicht sorgen um unser Image. Wir sollten das Gute anstreben und es auch tun!“

Hannover, 30. Juni 2010

Pressestelle der EKD
Reinhard Mawick

Die Predigt von Prälat Dr. Bernhard Felmberg im Wortlaut