„Der Heilige Geist ist die Wahrheit, die freimacht“

Pfingstbotschaft des Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider:

10. Juni 2011

Logo der EKD „Pfingsten ist ein göttlicher Hinweis darauf, dass unsere Welt nicht unverbesserlich ist.“ (Eberhard Jüngel)
 
Nach Tod und Auferstehung begegnet Jesus seinen Jünger und verheißt ihnen den Geist Gottes, der sie fortan leiten soll: „Wenn (…) der Geist der Wahrheit kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten“ (Johannes 16,13). Pfingsten erinnert an eine Wirklichkeit, die viel stärker ist als die zeitlichen Mächte, auch stärker als alle menschlichen Sorgen und Befürchtungen. Es ist die Macht des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist ist eine Macht, die alles wandelt. Der Heilige Geist ist die Wahrheit, die freimacht.

Die ersten Christen machten die Erfahrung von Abschied und von Einsamkeit. Das führte zunächst zu Resignation, Ratlosigkeit und Müdigkeit. Doch die Wandlung, die mit dem Weggang Jesu von den Seinen geschehen ist, setzt sich in ihrem Leben fort. Aus der Trauer schafft Gott Freude! Das glauben und hoffen wir auch heute. Wir müssen uns vor der Zukunft nicht fürchten, denn auch uns ist die endgültige Offenbarung des Sieges verheißen, den Jesus durch Kreuz und Auferstehung schon errungen hat.

Der Geist Gottes hatte die ersten Jünger angespornt, von ihrem Glauben zu erzählen und andere Menschen für die frohe Botschaft Gottes zu begeistern. Pfingsten erinnert uns daran, dass wir unseren Mund auftun sollen und offen sagen können, an wen wir glauben und auf wen wir hoffen. Gott sendet seinen Heiligen Geist, damit wir nicht für uns selbst leben, sondern Zeugen Jesu Christi werden. Wir müssen uns nicht auf geistliche Höhenflüge begeben, sondern Gottes Heiliger Geist erdet uns. Er zeigt uns, wie sehr Gott diese Welt geliebt hat. Wo wir unsicher, ängstlich, haltlos werden, schafft Gottes Heiliger Geist Klarheit und öffnet uns die Augen für die Gerechtigkeit. Er weist auf den Weg der Versöhnung, den Jesus Christus eröffnet hat.

Pfingsten heute leben heißt, im Geiste Jesu in den entscheidenden Fragen unseres Lebens und unserer Gesellschaft Partei zu ergreifen, Stellung zu nehmen.

Pfingsten heute leben heißt für den Frieden und gegen Gewalt und Krieg auf allen Seiten einzutreten.

Pfingsten heute leben heißt, davon träumen, davon erzählen, dass Gott der Retter Welt ist und Menschen von der Liebe Gottes leben können.

Hannover, 10. Juni 2011

Pressestelle der EKD
Reinhard Mawick