Besondere Verantwortung für die Freiheit

Wolfgang Huber auf der Verleihung des Geisendörfer-Preises

05. September 2005

Dass die Medien eine besondere Verantwortung für die Freiheit der Menschen haben, betonte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, bei der Verleihung des Robert-Geisendörfer-Preises am Montag, 5. September, in Berlin. Ein Stück Kultur und damit ein Stück der Freiheit gehe überall dort verloren, wo Freiheit zu Gunsten einer politisch-exklusiven Meinung, eines verurteilenden Gedankens oder auch nur zugunsten wirtschaftlicher Interessen preisgegeben wird. An dem freiheitlichen Prozess, das Fremde zu achten und mit dem eigenen Freiheitsraum sorgsam umzugehen, komme den Medien eine besondere Schlüsselrolle zu, so der Ratsvorsitzende.

Der Robert-Geisendörfer-Preis wird von der EKD im Gedenken an den christlichen Publizisten Robert Geisendörfer (1910 - 1976) vergeben. Der Gründungsdirektor des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik, Medienpolitiker und Fernsehbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, hat Maßstäbe journalistischer Profession und Passion gesetzt und sich in vielfältiger Weise um den Rundfunk verdient gemacht. Ausgezeichnet werden alljährlich zwei Fernseh- und zwei Hörfunkproduktionen und seit 2004 ein Kinderprogramm. Zusätzlich kann die Jury einen Sonderpreis vergeben, den in diesem Jahr der Regisseur und Filmemacher Edgar Reitz für seine Trilogie „Heimat“ bekommt. Die Kirche zeichne mit dem Robert-Geisendörfer-Preis gerade die aus, „die besonders deutlich Vorgänge der Befreiung zum Thema ihrer Arbeit machen und deshalb die Lage derer thematisieren, die keine eigene Sprache finde, die keinen Zugang zu medialen Formen haben oder haben können“; so Wolfgang Huber.

Die Aufgabe der Kultur werde verraten, wenn sich Kulturschaffende der eigenen Freiheit berauben und auf den „Kunden der Kultur“ schielt, „etwa auf Zuhörer- und Zuschauerzahlen, etwa auf verborgene finanziellen Möglichkeiten oder auf den Beifall“, so der Ratsvorsitzende. Besonders deutlich werde dies, wo Abhängigkeiten dem Zuschauer nicht deutlich gemacht werden: „Wer sich selbst in die Abhängigkeit begibt, nur bestimmte farbige Bärchen seinen Gästen anzubieten, den Fernsehzuschauern zu sagen, welches Reisebüro die schönsten Reisen anbietet, welche Sportschuhe die bequemsten sind, beraubt sich selbst und den Zuschauer einem freiheitlichen Aspekt.“

Dagegen brauche es Medienschaffende, die Geschichten vom gelingenden Leben erzählen, in denen das Scheitern geschildert werde: „In wirklich guten Geschichten wird auch mit dem Scheitern umgegangen, werden die Wege gezeigt, wie auch im Scheitern Würde erlebt und erkannt werden kann. In guten Geschichten wird auf den Voyeurismus verzichtet, dem das Verstehen gleichgültig ist. Es wird stattdessen gezeigt, was hinter einer klaffenden psychischen und physischen Wunde verborgen ist.“ Die Gesellschaft brauche Redakteure, Reporter, Journalisten, Filmemacher, Kameraleute, Regisseure und Tontechniker, die den Mut haben, das, was der Gesellschaft unbekannt geworden ist, wieder zu öffnen. Dabei verwies der Ratsvorsitzende darauf, dass durch die Veränderungen in der Gesellschaft, für viele die eigene Tradition fremd, dafür aber das exotisch Ferne zur Heimat geworden sei: „Mit der Globalisierung der Gesellschaft und der noch schneller voranschreitenden Globalisierung der Medien ist die Grenze zwischen Fremde und Heimat undeutlich geworden. Kultur ist noch mehr gezwungen, beide Fremdheitserfahrungen zu erläutern und zu interpretieren: Die Befremdung von außen und die Fremdheit im Eigenen.“

Berlin, 05. September 2005

Pressestelle der EKD
Christof Vetter

Der Vortrag zur Robert-Geisendörfer-Preisverleihung im Wortlaut



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