„In Zeiten der Krise mehr Europa wagen“

EKD-Bevollmächtigter bei „Religious Leaders Meeting“ in Brüssel

19. Juli 2010

Logo der EKD Der Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Prälat Bernhard Felmberg, hat heute in Brüssel die Mitgliedstaaten der Europäischen Union angesichts der Euro-Krise zu mehr Geschlossenheit und mutigerem gemeinsamen Handeln aufgerufen. „Die Chance liegt darin, Europa wirklich als gemeinsames Haus zu begreifen“, betonte Felmberg auf dem Treffen religiöser Würdenträger aus Europa, dem alljährlich stattfindenden „Religious Leaders Meeting“.

An dem Treffen nahmen unter anderem Kommissionspräsident José Manuel Barroso, der Präsident des Europäischen Parlaments Jerzy Buzek, der Präsident des Europäischen Rates Herman van Rompuy, sowie ausgewählten EU-Kommissaren teil.

Felmberg mahnte, eine gemeinsame Währungspolitik sei ohne eine abgestimmte europäische Wirtschaftspolitik zum Scheitern verurteilt. Der Bevollmächtigte unterstrich außerdem die Notwendigkeit, gerade in Krisenzeiten das Bewusstsein für die Schicksalsgemeinschaft Europa zu schärfen und mehr Europa zu wagen.

Kommissionpräsident Barroso hatte die Treffen der Europäischen Religionsführer 2005 ins Leben gerufen. Das Leitmotiv des heutigen Treffens – „Die Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung: eine Priorität für die Politik Europas“ – nimmt das Thema des Europäischen Jahres 2010 auf, das auch die EKD und ihre Werke in Deutschland aktiv mitgestalten. Barroso unterstrich die Bedeutung und Erfahrung der Kirchen als Träger sozialer Dienste. Die EU brauche sie als Partner für ihre sozialen Ziele.

Der Präsident des Europäischen Rates, van Rompuy, betonte, der Dialog mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften sei nicht nur eine rechtliche Verpflichtung der EU, sondern den Verantwortlichen auch ein politisches Anliegen. Prälat Felmberg unterstrich, dass die soziale Marktwirtschaft, die die Grundlage der neuen EU-Strategie bis 2020 ist, den Aspekt der Solidarität stark mache. Der Bevollmächtigte begrüßte deshalb, dass die Vorschläge der Kirchen erfüllt wurden, ein quantifizierbares Ziel für die Armutsreduktion in die Strategie aufzunehmen. Nun gelte es aber, nicht nur Armut zu bekämpfen, sondern sozial Benachteiligten auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens Teilhabe zu ermöglichen.

Dabei zog der Prälat auch eine Parallele zum „Melanchthon-Jahr“, das die EKD 2010 im Rahmen der Luther-Dekade auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017 feiert: „Schon Melanchthon erkannte, dass ein umfassender Bildungsbegriff, der Verfügungs- und Orientierungswissen beachtet, der Schlüssel zur Bewältigung gesellschaftlicher Umbrüche und Krisenzeiten ist“, so Felmberg. Der Bevollmächtigte betonte: „Ein verbesserter Zugang zur Bildung und ein integratives Bildungsverständnis, das nicht nur wirtschaftlich verrechenbare Fähigkeiten fördert, sind wichtig, um Bildungsarmut zu verhindern und so eine Grundlage für Wachstum und einen breiten Wohlstand zu schaffen.“

Hannover / Brüssel, 19. Juli 2010

Pressestelle der EKD
Reinhard Mawick / Patrick Roger Schnabel