Ohne Kirchen wäre politische Kultur ärmer

Bundesfinanzminister Schäuble vor der Vollversammlung des LWB

20.Juli 2010

Logo der EKD Ohne den Beitrag einzelner Christen und Kirchen wäre die politische Kultur in Deutschland „um vieles ärmer“. Darauf hat Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble (Berlin) aufmerksam gemacht. In seiner Rede im Anschluss an den Eröffnungsgottesdienst der Elften Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Stuttgart sagte er, die Kirchen spielten eine große Rolle in der Sozialarbeit, im Gesundheitswesen und im Bildungsbereich. Zugleich beteiligten sie sich aktiv an praktisch allen wichtigen politischen Prozessen.

„Demokratien leben von der Partizipation der Bürger am politischen Prozess, und es freut mich sagen zu können, dass die Kirchen in diesem Sinn zum Leben in unserer Demokratie beitragen“, Schäuble wörtlich, der auch die Grüße der Bundesregierung und von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel überbrachte.

Zu den zentralen Elementen, die der Glaube einbringen könne, gehöre der Glaube an Gott. Er bedeute, dass es eine letzte Autorität gebe, der gegenüber die Menschen verantwortlich seien. Gleichzeitig sei es wichtig, dass im Christentum der Glaube an Gott niemals losgelöst sein könne von dem Respekt vor und der Liebe zu den Mitmenschen. Daraus resultiere die Unverletzbarkeit der Menschenwürde, wie sie im Grundgesetz verankert sei.

„Das bedeutet, dass es Dinge gibt, die wir niemals tun oder tolerieren dürfen, wie attraktiv auch immer der durch sie bewirkte politische Vorteil sein mag“, so der Minister. Beispielhaft nannte er das Verbot der Folter. „Ich habe nie verstehen können, wie es in den vergangenen Jahren zu einer ernsthaften Diskussion über dieses Prinzip kommen konnte.“ An diesem Grundsatz dürfe nicht gerüttelt werden, darüber könne es „keine Kompromisse“ geben. Der Glaube an Gott mahne die Menschen, Grenzen für ihr Handeln zu akzeptieren.

Ein Gebiet, auf dem diese Notwendigkeit heute besonders deutlich werde, sei das Gebiet der Wirtschaft, der Bereich des Marktes. „Wir müssen deshalb auf eine Reform dieser Systeme hinarbeiten, so dass demokratisch gewählte Regierungen die Möglichkeit haben, im Interesse der Menschen sicher zu stellen, dass der wirtschaftliche Bereich nicht vollkommen losgelöst ist von ethischen und politischen Rücksichtnahmen.“ So gebe es zur Arbeit von IWF, Weltbank, Europäischer Union und den Vereinten Nationen „keine Alternative“.

Im Blick auf das Motto der Vollversammlung – „Unser tägliches Brot gib uns heute“ – sagte Schäuble, wir dürften „niemals eine Welt akzeptieren, in der Hunger immer noch eine Realität für zu viele Menschen darstellt“. Hunger und Unterernährung stellten einen fundamentalen Angriff auf den Wert der menschlichen Person dar.

Hannover, 20. Juli 2010

Udo Hahn
Pressesprecher des DNK/LWB