Aufbruch in zuversichtlicher Hoffnung

LWB-Präsident Bischof Hanson: Weltbund will sich weiter für Versöhnung einsetzen

21. Juli 2010

Logo der EKD Der Kritik an der von BP verursachten Ölpest im Golf von Mexiko fehlt es nach den Worten des Präsidenten des Lutherischen Weltbundes (LWB), Bischof Mark S. Hanson (USA), an Glaubwürdigkeit und Aufrichtigkeit. Die Empörung und Wut über die Nachlässigkeit und den Leichtsinn, die zu der Katastrophe führten, seien zwar verständlich, doch müssten sich auch die Konsumenten von Erdölprodukten ihrer Verantwortung bewusst sein, sagte Hanson in seinem Bericht vor der Elften Vollversammlung des LWB in Stuttgart. Mitverantwortlich seien auch diejenigen, die in eine Wirtschaft investierten, die große und unumgängliche Anforderungen an die Energieversorgung stellten und als Bürgerinnen und Bürger Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung trügen. „Zur ehrlichen Bestandsaufnahme des Geschehenen und Unterlassenen gehört auch ein Eingeständnis unserer eigenen Schuld“, so Hanson.
 
Der Leitende Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika bekräftigte vor den mehr als 400 Delegierten den Auftrag des LWB, sich den Problemen der Welt zuzuwenden und somit zum sozialen Engagement des Weltbundes. Die konkrete soziale Verantwortung, zu der der LWB berufen sei, stelle sich je nach Weltregion unterschiedlich dar. In Indien beispielsweise unterstütze man die Dalits, die angesichts eines von Unterdrückung bestimmten Kastensystems um Befreiung ringen. Im Blick auf Menschen, die mit HIV und AIDS leben müssten, setze sich der LWB für die Achtung ihrer Menschenwürde und den Zugang zu bezahlbarer medizinischer Versorgung ein. An der Seite palästinensischer Christen gehe es darum, einen Beitrag zu leisten, dass diese Menschen ein lebendiges arabisches Christentum erhalten könnten.
 
Generell betonte Hanson, dass der Lutherische Weltbund „in unserer polarisierten Welt, in der der religiöse Extremismus, der der Spaltung das Wort redet, die Oberhand zu haben scheint, auch weiterhin für Versöhnung einsteht“. Im Blick auf das Verhältnis zu anderen Konfessionen unterstrich Hanson die ökumenische Ausrichtung des LWB. „Mögen uns die Jahre bis 2017, dem 500. Jubiläum der fortdauernden lutherischen Reformation, nicht nur dazu dienen, das starke theologische und konfessionelle Fundament zu bekräftigen, das uns als Lutheranern und Lutheranerinnen gemeinsam ist, sondern auch eine Erneuerung unserer Überzeugung bewirken, dass lutherisch zu sein bedeutet, sowohl evangelisch als auch ökumenisch zu sein.“
 
Mark S. Hanson war bei der letzten Vollversammlung 2003 in Winnipeg/Kanada ins Präsidentenamt gewählt worden. In seinem Bericht zog er ein positives Fazit seiner Amtszeit und der Arbeit des Weltbundes. So habe der LWB zum Beispiel Fortschritte im Blick auf seine Selbstverpflichtung erzielt, die Mitgliedskirchen zur Unterstützung der Frauenordination zu ermutigen. Allerdings bleibe bei dem Thema „noch viel zu tun“. Als Hauptherausforderung bezeichnete er den Einsatz für gerechte Lebensverhältnisse in aller Welt und ein Wirtschaften, das Nachhaltigkeit zum obersten Prinzip mache. Von der Vollversammlung, die bis zum 27. Juli tagt und unter dem Motto „Unser tägliches Brot gib uns heute“ steht, erwartet Hanson Impulse für die lutherische Weltgemeinschaft, „dass wir aufbrechen in zuversichtlicher Hoffnung“.

Hannover, 21. Juli 2010

Udo Hahn
Pressesprecher des DNK/LWB