Zeugnis und Dienst gemeinsam ausrichten

Grußwort des UEK-Vorsitzenden Landesbischof Fischer vor der Vollversammlung des LWB

23. Juli 2010

Logo der EKD „Die Verkündigung der Kirchen gewinnt in der Welt an Glaubwürdigkeit, wenn sie das Evangelium in Einmütigkeit bezeugen. Das Evangelium befreit und verbindet die Kirchen zum gemeinsamen Dienst.“ Mit diesem Zitat aus der „Leuenberger Konkordie“ aus dem Jahre 1973 leitete der Vorsitzende des Präsidiums der Union Evangelischer Kirchen (UEK), Landesbischof Dr. Ulrich Fischer (Karlsruhe), sein Grußwort vor der Elften Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) ein.

Er übermittelte auch die Grüße des Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf). Das Zitat aus der „Leuenberger Konkordie“ sei ein direkter Bezug zum Thema der Vollversammlung: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ „Dass wir in der Gemeinschaft der christlichen Kirchen glaubwürdig Gott um das tägliche Brot bitten und konkret etwas dafür tun, dass alle Menschen täglich empfangen können, was sie brauchen, ist Teil unseres Auftrages, das Evangelium in Einmütigkeit zu bezeugen“, sagte Fischer.

Die „Leuenberger Konkordie“ sei für die EKD mit ihren lutherischen, unierten und reformierten Gliedkirchen eine feste theologische Grundlage. „Wir erfahren, wie wir in Kan¬zel- und Abendmahlsgemeinschaft geistlich und theologisch zusammengewachsen sind.“ Die EKD verstehe sich als Kirche, in der die unterschiedlichen Perspektiven reformatorischer Theologie als ein Reichtum ihrer Einheit angesehen würden. Seit 2006 seien die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche in Deutschland (VELKD) und die UEK durch Verträge mit der EKD noch intensiver verbunden, „um so viel Gemeinsamkeit aller Gliedkirchen wie möglich zu erreichen, um die Einmütigkeit unseres Glaubenszeugnisses zu stärken, um profilierte evangelische Präsenz in Gesellschaft und Öffentlichkeit zu ermöglichen, und um die innerevangelische Ökumene zu vertiefen“.

„In unserer vertieften Zusammenarbeit entdecken wir derzeit vor allem, welche geistliche Kraft von den Vorbereitungen für das Reformationsjubiläum 2017 ausgeht“, erläuterte Landesbischof Fischer. In der Vorbereitung auf dieses große Ereignis würden „zentrale Dimensionen der Reformation“ beleuchtet: Bildung, Freiheit, Musik, Toleranz, Politik, Bild und Bibel sowie Eine Welt seien Stichworte der Themenjahre zur Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum 2017.

Dabei trete die ökumenische Dimension dieses Reformationsjubiläums immer stärker hervor. „Wir sind nur Teil eines Reformationsgedenkens, das uns mit Ihnen, den Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes, in besonderer Weise verbindet. Aber der ökumenische Horizont des Reformationsgedenkens ist viel weiter, denn die Reformation hat die kirchliche Landschaft in aller Welt tief greifend verändert. Das gilt in besonderer Weise auch für unsere römisch-katholischen Geschwister. Das Reformationsgedenken ist ein weltweites ökumenisches Ereignis, das große Potentiale für die Gemeinschaft der weltweiten Kirche Jesu Christi in sich trägt und das uns zu gemeinsamem Zeugnis anregt.“

Gerade im Blick auf das Gedenkjahr 2017 könne das Verständnis von Ökumene in „versöhnter Verschiedenheit“, das die Leuenberger Konkordie entwickelt habe, über sich hinausweisen. „Es kann über den Europäischen Raum hinaus einem Verständnis von Ökumene dienen, in dem die ,communio‘ von Kirchen theologische Differenzen nicht nur klagend hinnimmt, sondern diese auch als belebende Elemente gemeinsamer Suche nach der Wahrheit erkennt. Es gilt den Reichtum und die Schönheit der Kirche als Gottes Werk in ihrer Verschiedenheit zu entdecken.“

Hannover, 23. Juli 2010

Udo Hahn
Pressesprecher des DNK/LWB