Nächste LWB-Vollversammlung soll 2017 stattfinden

Designierter Generalsekretär Junge plädiert für Reformationsjubiläum in ökumenischer Offenheit

26. Juli 2010

Logo der EKD Der designierte Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), Pfr. Martin Junge, hat sich dafür ausgesprochen, die nächste Vollversammlung im Jahre 2017 abzuhalten und in die Feierlichkeiten anlässlich des 500. Jahrestages der Reformation einzubinden. In einer Grundsatzrede vor der Elften Vollversammlung des LWB, die am 27. Juli in Stuttgart endet, trat er dafür ein, das Reformationsjubiläum „in ökumenischer Offenheit“ zu begehen. Martin Junge, chilenischer Theologe und seit 2000 als Sekretär für Lateinamerika und die Karibik in den Diensten des Weltbundes, bekräftigte, dass lutherisch sein heiße, ökumenisch zu sein. Der LWB werde auch in Zukunft einen Beitrag zur ökumenischen Bewegung leisten, mit anderen christlichen Weltgemeinschaften und dem Ökumenischen Rat der Kirchen kooperieren. Dieser Beitrag geschehe aus dem Verständnis „versöhnter Verschiedenheit“ heraus. In den bestehenden Dialogen gehe es darum, weiter Vertrauen aufzubauen, um zu Fortschritten in den bilateralen Beziehungen zu kommen.

Die missionarische Aufgabe, die der LWB erfüllen wolle, müsse als eine ganzheitliche verstanden werden. Diakonie sei das „Herzstück“ der Arbeit des Weltbundes, der 145 Mitgliedskirchen mit 70,1 Millionen Gläubigen repräsentiert. Zu den diakonischen Aktivitäten gehöre aber auch der prophetische Auftrag, die Nöte der Welt anzuprangern.
 
Martin Junge beschrieb den Lutherischen Weltbund als „polyzentrisches Wesen“, das seiner Natur nach viele Zentren habe. Jede Mitgliedskirche habe etwas einzubringen. „Alle sind zugleich Gebende und Empfangende.“ In diesem Zusammenhang warb er für einen „kontextübergreifenden Dialog“ innerhalb des LWB, um zu „echter Nachbarschaft“ zu gelangen, damit nicht jede Mitgliedskirche in ihrem eigenen Kontext gefangen bleibe. In seiner Rede bekannte er sich auch zur Inklusivität als Gestaltungsprinzip der lutherischen Weltgemeinschaft, die die Beteiligung von Frauen und jungen Menschen nicht nur auf dem Papier fordere, sondern auch in der Praxis lebe.
 
Vielfalt innerhalb des Weltluthertums sei für ihn kein Problem, sagte Junge. Er sei für die Verschiedenheit dankbar. Sie entspreche dem biblischen Bild des Leibes und seiner Glieder. In einer Welt, die sich nach Brot, Gerechtigkeit und Frieden sehne, müsse man sich aber der gemeinsamen Basis vergewissern und das gemeinsame Zeugnis stärken. Unter Hinweis auf die Musiktheorie wies Junge darauf hin, dass Misstöne dazugehörten. In der Musik gebe es keine Harmonie ohne Dissonanzen. Dies gelte auch für den LWB. Dieser dürfe nicht auf sich selbst bezogen sein, sondern müsse sich nach außen wenden. Angesichts der Probleme der Welt wundere er sich, dass Milliardenbeiträge zur Rettung von Banken über Nacht bereit gestellt würden, zur Bekämpfung von HIV und AIDS aber nach wie vor Ressourcen fehlten, um sie entscheidend zu bekämpfen. Dass hier mit zweierlei Maß gemessen werde, könne er nicht akzeptieren.

Hannover, 26. Juli 2010

Udo Hahn
Pressesprecher des DNK/LWB