Tomas Gärtner erhielt John-Templeton-Preis

„Kirche braucht kritische Journalisten“

22. September 2005

Der freie Journalist Tomas Gärtner ist am Mittwochabend, den 21. September, in Dresden, mit dem John Templeton-Preis „European Religious Writer of the Year 2005“ ausgezeichnet worden. Der mit 5000 Schweizer Franken dotierte Preis wird im Auftrag der Templeton Foundation mit Sitz in den USA durch die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) vergeben. Für die in der KEK vertretene Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) würdigte der Pressesprecher der EKD, Hans-Christof Vetter den Preisträger. Kirche brauche den kritischen Blick von Journalisten, sagte Vetter.

Mit dem Templeton-Preis werde ein Journalist ausgezeichnet, der über das Leben vor Ort berichte. Denn dort finde Kirche statt: „wo die Kirchtürme zu sehen sind, wo Menschen miteinander Gottesdienste feiern, wo nach denen geschaut wird, die Hilfe brauchen.“ Der Preisträger spüre den Geschichten des Lebens nach: „Dr. Tomas Gärtner bekommt diesen Titel, weil er berichtet, dass zum Leben die Religion gehört – die Religion, wie sie gelebt wird - am Ort, in der Kirchengemeinde, in der Begegnung mit anderen“, erklärte der EKD-Sprecher. Kirche brauche Journalisten wie Gärtner. „Wir brauchen Sie, weil sie den Menschen sagen, was Kirche vor Ort macht. Wir brauchen Sie, weil Sie das Bild der Kirche prägen.“ Die Entscheidung der Jury bezeichnete Vetter als „Glücksfall, über den wir uns freuen können.“

Der 1962 in Riesa/Sachsen geborene Gärtner schreibt hauptsächlich für die Dresdner Neueste Nachrichten (DNN), die eine wöchentliche Sonderseite für kirchliche und religiöse Themen hat. Seine Beiträge für den Templeton-Preis umfassten drei Artikel, die in DNN erschienen waren. „Obwohl die von ihm eingereichten Artikel“, so die Jury, “sich auf lokale Themen bezogen, haben sie doch allgemeine Fragen der Stelle, die die Religion in einem höchst säkularisierten Teil Europas, Ostdeutschland, einnimmt, angesprochen. Sein Profil eines Jugenddiakons und Autors stellt die Fragen der jungen Leute auf der Suche nach dem Sinn und der Bedeutung in der modernen Gesellschaft heraus. Sein Artikel über die Antwort der Christenheit auf die Neo-Nazi-Bewegung untersucht die aktuelle und potentielle Wirksamkeit des ethischen Handeln der christlichen Gemeinschaft, um eines der dringlichen Probleme seiner Region anzusprechen. Und er ruft ein Verständnis für den Ort und die Geschichte in seiner Beschreibung des Trinitatis-Friedhofes in Dresden hervor, die die Leser auffordert, anhand einer bekannten Umgebung zu einer Betrachtung des Ortes und der Geschichte religiöser Institutionen im Leben Deutschlands zu kommen.“

„Tomas Gärtner“, fügte die Jury hinzu, „erzählt seine Geschichten objektiv und gestattet so den Lesern, ihre eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen statt ihnen Ansichten aufzudrängen.“ Ziel des John Templeton-Preises sei es, Journalisten oder Journalistinnen zu ehren, die in der nicht-religiösen Presse genau, unparteiisch und in einem ökumenischen Geist über religiöse Themen schreiben.

Tomas Gärtner studierte Germanistik und Literatur an der Universität Leipzig und hat einen Dr. phil. in deutscher Literatur. Seit 1993 arbeitet er als freier Journalist. Größtenteils schreibt er für die Tageszeitung „Dresdner Neueste Nachrichten“, aber auch für Wochenschriften der protestantischen und römisch-katholischen Kirchen in Sachsen, für christliche Zeitungen (zum Beispiel „Publik Forum“), für die Nachrichtenagentur „Evangelischer Pressedienst“ (epd) und für den Radiosender „Mitteldeutscher Rundfunk“ (MDR).

Hannover, 22. September 2005

Pressestelle der EKD
Silke Fauzi

Die Laudation von Christof Vetter im Wortlaut

Weitere Informationen zur Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) unter www.cec-kek.org



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