Mutterland der Reformation wichtig für Lutheraner weltweit

Deutsche Vertreterinnen und Vertreter ziehen positive Bilanz der LWB-Vollversammlung

27. Juli 2010

Logo der EKD Durch die Elfte Vollversammlung hat der Lutherische Weltbund (LWB) in Deutschland seinen Bekanntheitsgrad „deutlich“ gesteigert. Die dreizehn deutschen Mitgliedskirchen des LWB, die das Besuchsprogramm für die mehr als 360 Delegierten aus aller Welt organisierten, „haben gespürt, wie wichtig Deutschland als Mutterland der Reformation für die Lutheraner weltweit ist“, zog der Vorsitzende des Deutschen Nationalkomitees des LWB, Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München), als eine positive Bilanz des Treffens. Vom 20. bis 27. Juli tagte die Vollversammlung des Weltbundes in Stuttgart unter dem Thema „Unser tägliches Brot gib uns heute“. Friedrich wertete es als „großes Zeichen“, dass es gelungen zu sein scheine, trotz wahrnehmbarer Differenzen zusammen zu bleiben. „Das Verbindende ist stärker als das Trennende.“ So habe die Frauenordination, die mehr als drei Viertel der 145 Mitgliedskirchen praktizierten, den Zusammenhalt nicht gefährden können. „Ich hoffe, dass dies auch beim Thema Ehe, Familie, Sexualität so bleibt und wir trotz unterschiedlicher Auffassungen zur Homosexualität zusammen bleiben“, sagte Friedrich, der auch Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) ist.
 
„Besonders beeindruckt“ zeigte sich Friedrich von der Grundsatzrede des künftigen Generalsekretärs des Weltbundes, Pfr. Martin Junge, der zum 1. November 2010 die Nachfolge von Pfr. Dr. Ishmael Noko antreten wird. Junge, der alle vier LWB-Sprachen beherrsche – Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch –, könne so direkt mit allen Mitgliedskirchen kommunizieren. Hinzu kommt, dass er Deutschland kenne. „Dies hilft uns, mit ihm gemeinsam die künftige Zusammenarbeit zu gestalten.“
 
Sowohl der Vorsitzende des DNK/LWB als auch der Landesbischof der gastgebenden Kirche, Frank O. July, würdigten die Versöhnung mit den Mennoniten als „emotionalen Höhepunkt“ der Vollversammlung. In einem historischen Akt legten die Delegierten ein Schuldbekenntnis gegenüber den Anabaptisten (Wiedertäufer) ab. Darin heißt es, der LWB empfinde „tiefes Bedauern und Schmerz über die Verfolgung der Täufer durch lutherische Obrigkeiten und besonders darüber, dass lutherische Reformatoren diese Verfolgung theologisch unterstützt haben“. July, der zusammen mit fünf weiteren deutschen Vertreterinnen und Vertretern künftig dem 48-köpfigen Rat des LWB angehört, sagte, er habe die Gottesdienste im Rahmen der Vollversammlung als „besonders stimmig“ und als Sinnbild einer gewachsenen Gemeinschaft erlebt. Den Einsatz gegen Armut und Unterdrückung sehe er als Ausdruck gelebter Rechtfertigung. „Wer Barmherzigkeit und Gerechtigkeit erfahren hat, setzt sich umso entschiedener dafür ein, dass auch andere Menschen diese Erfahrungen machen können.“
 
Der LWB wird nach den Worten des Landesbischofs der Evangelischen Landeskirche in Württemberg in Deutschland „oft unterschätzt“. Die Vollversammlung habe gezeigt, wie stark er im weltweiten Maßstab wahrgenommen werde. Überdies habe sich vor dem Hintergrund der Beziehungen zu anderen Konfessionen gezeigt, wie wichtig Konfessionalität sei. Er wolle jedoch keiner Rekonfessionalisierung das Wort reden, aber eben auch nicht für ein „Abhobeln der Ecken und Kanten“ plädieren.

Prof. Dr. Bernd Oberdorfer (Augsburg) will sich im Rat des LWB dafür einsetzen, dass die theologische Arbeit ein „wichtiges Standbein“ bleibe. Sie trage zur Kommunikation lutherischer Identität nach innen und außen bei. „Große Aufmerksamkeit“ wolle er bestehenden ökumenischen Dialogen widmen. Das Gespräch mit der römisch-katholischen Kirche zu intensivieren hält Oberdorfer für „wichtig und chancenreich“. Die aus Deutschland kommende Initiative, nach der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ eine „Gemeinsame Erklärung zum Abendmahl“ in Angriff zu nehmen, sieht er als „verheißungsvoll“ an.
 
Superintendentin Martina Berlich (Eisenach) hat bereits 1984 an einer Vollversammlung des LWB teilgenommen, die damals in Budapest stattfand. „Seither hat sich viel verändert, aber viel ist auch vertraut geblieben.“ Ganz besonders freue sie sich auf die Zusammenarbeit mit dem künftigen Generalsekretär Martin Junge. „Ich bin dankbar, miterleben zu dürfen, wie sich der Lutherische Weltbund im Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 positioniert.“ Aufmerksam verfolgte die Superintendentin die inhaltliche Diskussion der Vollversammlung, insbesondere zum Thema Klimawandel. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) habe Klimawandel als Jahresthema 2011 gewählt. Da könne sie die Informationen und Erfahrungen aus der Vollversammlungsdebatte einbringen.
 
Die 24-jährige Theologiestudentin Anna-Maria Tetzlaff (Greifswald) wird künftig als Jugenddelegierte dem Rat angehören. Auch sie will sich verstärkt der Beschäftigung mit dem Klimawandel widmen. Der LWB könne hier durchaus Zeichen setzen, etwa im Blick auf eine klimaneutrale Veranstaltungsplanung. Zugleich sei es wichtig, das Thema Nachhaltigkeit auch theologisch zu durchdringen und sich so als christliche Organisation zu profilieren. „Ich bin im Rat, um die Stimme der Jugend zu verstärken und nicht, um eine Quote zu erfüllen“, zeigt sich Frau Tetzlaff selbstbewusst. Die Vollversammlung habe gezeigt, dass die Stimme junger Menschen gehört werde „und wir etwas bewegen können“.
 
Pröpstin Frauke Eiben (Ratzeburg) zeigte sich von der „Ernsthaftigkeit und Kreativität“ der Jugenddelegierten auf der Vollversammlung beeindruckt. Aber auch die spirituelle Seite des Treffens habe sie als wichtig erlebt. In den Gottesdiensten und Bibelarbeiten sei zu spüren gewesen, „dass wir eine Gemeinschaft sind“. Das „starke Zeugnis“ aus allen Regionen haben sie jeden Morgen „neu berührt“. Im Rat will sie den Themen politische Diakonie, Menschenrechte und Ökumene Aufmerksamkeit schenken.
 
Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer (Hannover) hat sich für die Arbeit im Rat vorgenommen, den Erneuerungsprozess des LWB zu begleiten. Ein wesentliches Ergebnis der Beratungen der Vollversammlung hierzu sei, dass künftig die Regionen gestärkt werden und mehr Verantwortung übernehmen sollen. Zugleich gehe es darum, an der gewachsenen Einheit im Weltbund festzuhalten, da die Gemeinschaft ein „hohes Gut“ sei.

Hannover, 27. Juli 2010

Udo Hahn
Pressesprecher des DNK/LWB