„Kirche bekennt Schuld – auch ihre eigene“

Wolfgang Huber erinnert an 60 Jahre Stuttgarter Schuldbekenntnis

17. Oktober 2005

Die Kirche erkenne Schuld und weise Menschen darauf hin, erklärt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, anlässlich des 60. Jahrestags der Stuttgarter Schulderklärung. Kirche „bekennt Schuld – auch ihre eigene“, so Wolfgang Huber in einem Beitrag für die Oktoberausgabe des Monatsmagazins „Chrismon“. Am 19. Oktober 1945 hatten die in Stuttgart versammelten Vertreter des Rates der EKD gegenüber Vertretern des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) beklagt: „Durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden.“ Dem Bekenntnis, „nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt zu haben“, folgte der Wunsch, den Neuanfang in ökumenischer Gemeinschaft mit den anderen Kirchen machen zu können.

Damals sei diese Schulderklärung, die von den Vertretern der weltweiten Ökumene positiv aufgenommen wurde, in der deutschen Öffentlichkeit zumeist im Sinne einer politischen Anerkennung der Kollektivschuld missverstanden worden. Man habe den Kirchenvertretern vorgeworfen, sie würden zu sehr die eigene und zu wenig die Schuld der anderen betonen. Erst nach und nach habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass mit diesem Schuldbekenntnis trotz aller Defizite ein Neubeginn ermöglicht worden sei.

Das Thema „Schuld“ sei immer noch aktuell, berichtet der Ratsvorsitzende. Unter den Briefen, die er als Ratsvorsitzender der EKD erhalte, würden sich viele mit diesem Thema beschäftigen. In einem Brief sei der Vorwurf zu lesen, dass „die Evangelische Kirche überall Schuld sammelt, um diese dann auf den Köpfen der Bundesbürger abzuladen.“ Dem widerspricht der Ratsvorsitzende in seinem Beitrag in Chrismon: Die Kirche bekenne Schuld und sie müsse dies sogar tun, wenn sie sieht, „dass die Gleichheit der Menschen vergessen, die Verletzung der Gerechtigkeit verschwiegen, die königliche Freiheit der Kinder Gottes verachtet wurde oder wird. Sie kann dies tun, weil sie weiß, dass auch sie selbst nicht fehlerlos und heilig ist, sondern von der Barmherzigkeit Gottes lebt.“

Deshalb gehöre zum Schuldbekenntnis eng der Dank, so Wolfgang Huber: „Das Schuldbekenntnis dessen, was wir und unsere Vorfahren getan haben, verbindet sich mit der Anerkennung Gottes als des Schöpfers der Welt, des Spenders der Ernte wie des Befreiers. Daraus schöpfen wir Hoffnung. Sie folgt dem Bekenntnis der Schuld genauso wie dem Danken. Deshalb heißt auch die Bitte im Schlusssatz der Stuttgarter Schulderklärung: ‚Veni, creator spiritus – Komm, Heiliger Geist!’“, schließt Wolfgang Huber.

Hannover, 17. Oktober 2005

Pressestelle der EKD
Christof Vetter

Hinweise:

Der Text des EKD-Ratsvorsitzenden im Magazin "Chrismon"

Die Stuttgarter Schulderklärung

Weiteres Aktuelles zum Thema



erweiterte Suche

 

Themenliste



Das könnte Sie auch interessieren...