Countdown für ersten Kirchen-Kultur-Kongress der EKD läuft

Kulturbeauftragte Petra Bahr präsentierte heute Programm in Berlin

06. September 2011

Logo der EKD Die Kulturbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Petra Bahr, hat heute in Berlin das Programm des ersten Kirchen-Kultur-Kongresses der EKD vor-gestellt. Der Kongress, zu dem über 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet werden, beginnt am Donnerstag der kommenden Woche, am 15. September 2011, mit der Uraufführung des Musiktheaterwerkes „PAULUS. Das ängstliche Harren der Kreatur“ von Thomas Jennefelt (Musik) und Christian Lehnert (Libretto).

Bei der Vorstellung sagte die Kulturbeauftragte, die Auseinandersetzung mit den Künsten und den Kulturfragen der Gegenwart habe nichts mit „Schöner Wohnen“ zu tun. Vielmehr werde dort, wo die Künste sich selbst ernst nehmen, die Frage nach der Existenz zum Thema der Kunst. Deshalb stehe es, so Bahr weiter, der evangelischen Kirche gut zu Gesicht, dass „die, die in ihr leben die Auseinandersetzung mit den Künsten suchen und selbst künstlerisch produktiv“ seien. Darauf konzentriere sich die Arbeit in den acht Themenfeldern des Kongresses, der am Sonntag, dem 18. September mit einem Gottesdienst zu Ende geht.

Die Uraufführung des Musiktheaterstücks „Paulus. Das ängstliche Harren der Kreatur“, Lesungen, Performances und Konzerte hingegen zeigten, so die Kulturbeauftragte, dass die Kirche selbst Auftraggeberin von Kunst sein müsse. Bahr: „Das ist auch riskant. Aber weil Kulturfragen Überlebensfragen sind, können Christinnen und Christen sich nicht in ihre Gemeindehäuser zurückziehen.“ Der Kongress wolle deshalb Mut zu mehr „kultureller Auf-merksamkeit“ machen. Deshalb werden auch „interkulturelle Fragen und Fragen nach dem kulturellen Gedächtnis“ die Kongressteilnehmerinnen und –teilnehmer beschäftigen. Die theologische Deutung der Gegenwartskultur, so Bahr weiter, komme dabei nicht verschämt durch die Hintertür, sondern werde offensiv in das Gespräch eingebracht, denn, so die Kulturbeauftragte abschließend: „Mit Theologie sieht man anders und anderes. Da ist sie den Künsten nicht unähnlich.“

Annette Kuß, die Regisseurin des Musiktheaterstückes „PAULUS“ sagte, dass sie am Stoff des Paulus besonders der Aspekt des „als ob“ interessiere. Zutiefst enttäuscht über die Unzulänglichkeiten dieser Welt entdeckte der Apostel Paulus die Möglichkeit, sich selbst in Gedanken und Vorstellungen eine Welt zu schaffen. Kuß: „Für mich passiert das im Bereich der Kunst, mich fasziniert, mit welchem Erfindergeist der Mensch immer wieder neue Formen und Sprachen entwirft. Paulus begreift diese Fähigkeit als Möglichkeit, sich mitten im Leben neu zu erfinden, seine Beziehungen und seinen Lebensstil neu zu begreifen.“  Er gehe über die Möglichkeiten der Kunst noch hinaus, indem er begreife, wie sehr die Menschen „durch die Gabe der Liebe Bodenhaftung zur Erde und zur Welt der Fantasie gewinnen.“

Beim Kirchen-Kultur-Kongress wirken vom 15. bis 18. September unter anderem der Präsident des Deutschen Bundestages, Norbert Lammert, der Künstler Mischa Kuball, die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch und das Vokalsolistenensemble „Gli Scarlattisti“ mit, sowie die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff und der deutsch-iranische Schriftsteller SAID, der Liedermacher Stephan Krawcyk, der „Ghetto-Swinger“ Coco Schumann, Tänzer der Compagnie „Sasha Waltz & Guests“, der Drehbuchautor Fred Breinersdorfer, der Architekt Meinhard von Gerkan, der Kunstgeschichtler Horst Bredekamp und der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD, Wolfgang Huber.

Der Kirchen-Kultur-Kongress steht unter der Schirmherrschaft der Präses der EKD-Synode, Katrin Göring-Eckardt, und des Kulturbeauftragten der Bundesregierung, Staatsminister Bernd Neumann. Kooperationspartner des Kongresses sind der Deutsche Kulturrat, der Bundesbeauftragte für Kultur und das Deutsche Theater, Berlin.
 
Hannover, 06. September 2011

Pressestelle der EKD
Reinhard Mawick