Elbinger Schreinmadonna im Lichthof des Berliner Gropiusbaus

Ungewöhnliches Exponat aus dem Eigentum der UEK ist in der Ausstellung „TÜR AN TÜR. POLEN-DEUTSCHLAND. 1000 Jahre Kunst und Geschichte“ vom 23. September 2011 bis 9. Januar 2012 zu sehen

21. September 2011

Logo der EKD Liebevoll hält die thronende Maria das Jesuskind auf ihrem Arm. Seit über 600 Jahren lächelt sie milde ihre Betrachter an. Ihr Geheimnis offenbart diese Madonna aber erst wenn ihr Mantel aufgeklappt wird: im Innern verbirgt sich ein kleiner, kostbarer Altar.

Angefertigt wurde die 1,32 Meter große hölzerne Marienfigur um das Jahr 1400. Sie war für die Kapelle der Ordensburg im ostpreußischen Elblag/Elbing bestimmt und diente den Rittern des Deutschen Ordens als transportabler Altar. Die Schreinmadonna zeigt die besondere Bedeutung der Marienverehrung für den Orden. Nur für ausgewählte Personen und zu besonderen Anlässen wurde sie geöffnet.

In den Mantelinnenseiten suchen 48 wichtige weltliche und geistliche Personen Schutz unter den segnenden Händen Marias. Zu erkennen sind unter ihnen der preußische Hochmeister Konrad von Jungingen und der Komptur zu Elbing, Konrad von Kyburg. Der mittlere Teil des Altars zeigt den sogenannten Gnadenstuhl: der sitzende Gottvater hält mit seinen Händen den Querbalken des Kreuzes Christi. Als „Mutter Gottes“ birgt diese Maria in ihrem Inneren das Heilsgeschehen, dem sich ihre Schutzbefohlenen anbetend zuwenden.

Zweimal wurde die Schreinmadonna gerettet: Nach der Zerstörung der Ordensburg 1453/1454 fand sie Obdach in der Elbinger Klosterkirche St. Marien. Um 1500 wurde dort um sie herum ein Hochaltar gestaltet. St. Marien wurde 1528 evangelische Pfarrkirche und im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Um die Madonna zu schützen, hatte man sie bereits 1944 in einen Salzschacht im Thüringer Harz ausgelagert. Dort fand sie nach dem Krieg ein Bauer. Ab 1948 stand sie in der katholischen Kirche zu Vacha (Thüringen). Offiziell galt sie als verschollen. Erst Anfang der 1990er Jahre erkannte und identifizierte sie ein früherer Elbinger. Als Rechtsnachfolgerin der Gemeinden der altpreußischen Union ist die UEK heute Eigentümerin der Schreinmadonna. Die Elbinger Schreinmadonna ist Teil der Dauerausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums Lüneburg. Vor ihrer Reise nach Berlin wurde sie restauriert und benötigt auch in Berlin eine aufwendige Klimatisierung.

Nur sechs der im Mittelalter beliebten preußischen Schreinmadonnen sind erhalten. Für drei Monate, vom 23. September 2011 bis zum 9. Januar 2012, steht die Elbinger Madonna in der Berliner Ausstellung und in ihrer Nachbarschaft auch eine weitere kleinere Schreinmadonna aus dem Diözesanmuseum Pelplin, unweit von Gdansk/Danzig.

Pressestelle der EKD und der UEK

Hannover, 21. September 2011
Reinhard Mawick