Ernährungssicherheit als globale Aufgabe

Experten referierten vor der EKD-Synode zum Schwerpunktthema Welternährung

11. November 2013

Hunderte Millionen Hungernde auf der einen Seite – Abwertung von Lebensmitteln zu billigen Verbrauchsmitteln auf der anderen Seite: „Ein Skandal, der uns aufrüttelt und auf der kirchlichen Tagesordnung bleiben muss“, so formulierte es Superintendentin Viola Kennert in ihrer Rede zum Schwerpunktthema der EKD-Synode „Es ist genug für alle da – Welternährung und nachhaltige Landwirtschaft“, das heute (11. November) im Mittelpunkt der Synodaltagung in Düsseldorf steht. Kennert ist Vorsitzende des Vorbereitungsausschusses zum Schwerpunktthema.

Das Kirchenparlament hat sich vorgenommen, mit einer „Kundgebung“ die Debatte zu diesem für die Menschheit existenziellen Thema in den Kirchen und ihren Gemeinden und in der gesamten Gesellschaft zu befördern. Zwei Experten aus der Wissenschaft führten den Synodalen die Tragweite der Problematik vor Augen.

Der Potsdamer Soziologe Alexander Müller aus dem Rat für Nachhaltige Entwicklung beschrieb die Ernährungssicherheit als globale Aufgabe. Zwar ging in den letzten Jahren die Zahl der Hungernden auf der Erde leicht auf 850 Millionen zurück, aber viel zu langsam. In Afrika sei der Trend sogar gegenläufig – binnen 20 Jahren stieg die Zahl von 178 Mio. auf 226 Mio. Menschen. Gerade dort werde die Bevölkerung in diesem Jahrhundert auch am meisten zunehmen.

Als zentrale Frage nannte Müller: „Wie können wir die Möglichkeiten der Kleinbauern stärken, damit sie die wachsende Weltbevölkerung ernähren können“? Gerade in Entwicklungsländern erreichten die Lebensmittel oft die Verbraucher nicht. Investitionen in Infrastruktur seien dringend nötig. Gerade in Weltregionen, in denen der Lebensmittelbedarf steigen wird, wachse auch die Gefahr von Dürren, Stürmen und Überschwemmungskatastrophen. Hauptziele aus Sicht Müllers sind die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion und die Eindämmung des Klimawandels.

Der Bonner Agrarökonom Joachim von Braun skizzierte noch detaillierter die Bedeutung einer nachhaltigen Landwirtschaft  für die Ernährungssicherheit. In Anspielung auf die Überschrift für das Schwerpunktthema „Es ist genug für alle da“, sagte von Braun: „Es ist nicht genug für alle da, wo es gebraucht wird.“ Die nachhaltige Landwirtschaft solle das Einkommen der Kleinbauern steigern, Armut vermindern, gute Ernährung ermöglichen und Hunger verhindern. 

Joachim von Braun gab der Synode auch einige Hinweise für die weitere Arbeit an der Kundgebung auf den Weg: Die Kirche solle sich zum Beispiel dafür einsetzen, dass der Zugang zu Dünger, Saatgut oder Mobiltelefonen verbessert wird. In der Wertschöpfung sollten auch Milch, Gemüse und Obst eine wichtige Rolle spielen. Als ein Hauptproblem nannte der Wissenschaftler zu viel und zu billigen Fleischkonsum. Hier solle die Synode einen Konsumwandel nicht nur fordern, sondern aktiv fördern.

Die Beratungen zum Schwerpunktthema hatten am Morgen mit einer gemeinsamen Bibelarbeit von Sonja Skupch, Generalsekretärin der Evangelischen Kirche am La Plata (Buenos Aires) und dem Berliner Bischof Markus Dröge begonnen. Nach den Referaten der beiden Wissenschaftler und der Einbringung durch Superintendentin Kennert berieten die Synodalen das Thema in zwölf thematischen Foren weiter. Heute Nachmittag erfolgt eine Plenaraussprache. Mit der Verabschiedung einer Kundgebung ist gegen Ende der Synodaltagung zu rechnen.

Düsseldorf, den 11. November 2013

Pressestelle der EKD
Reinhard Mawick