Für Sanftmut und Geduld im ökumenischen Dialog

Leitender Bischof der VELKD hält Predigt bei Ökumene-Jubiläum mit Alt-Katholiken

18. September 2010

Logo der EKD Logo der EKD Der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München), hat die vor 25 Jahren entstandene „Vereinbarung über eine gegenseitige Einladung zur Teilnahme an der Feier der Eucharistie“ zwischen dem Katholischen Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland (AKD), der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der VELKD gewürdigt. Im Festgottesdienst anlässlich dieses ökumenischen Jubiläums in der alt-katholischen Pfarrgemeinde St. Cyprian in Bonn sagte Friedrich, der den Vorsitzenden des Rates der EKD, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), vertrat, es sei eine Verständigung über die „Grundfesten unseres gemeinsamen Glaubens“ gelungen.

In seiner Predigt warb der Leitende Bischof der VELKD für mehr Sanftmut und Geduld im ökumenischen Dialog. Sanftmut werde als „weiche Fähigkeit“ von manchen vermutlich nicht ohne weiteres als nützlich im ökumenischen Dialog betrachtet. Seien hier doch vielmehr Präzision, Klarheit in Gedanken und Sprache, Wahrung der eigenen Identität bei aller Annäherung gefordert. „Entscheidend aber, und das erscheint mir wesentlich, ist aber doch immer der Geist, aus dem heraus ein ökumenischer Dialog geschieht. Denn schließlich ist das Gespräch, bei aller Freude am theologischen Scharfsinn kein Selbstzweck, sondern dient dem tieferen Ziel der Einheit. So betrachtet, ist die Sanftmut als ökumenische Tugend, wenn ich es einmal so pointiert sagen darf, eine große Hilfe“, so Friedrich. „Eben weil sie nicht bei der eigenen Kränkung stehen bleibt und davon absehen lässt, erlittenes Unrecht kleinlich zu vergelten, vielmehr danach trachtet, Schaden zu heilen und wieder gut zu machen. Dadurch bewirkt die Sanftmut, sich dem Anderen mit offenem Herzen immer wieder zuzuwenden.“

Auf dem Weg zur Einheit der Kirchen sei Geduld „ganz wesentlich“. Er wolle damit keineswegs einem passiven Herumsitzen und Zuwarten das Wort reden, sondern davon, wie ein Zustand, der noch nicht so sei, wie er eigentlich sein sollte, aktiv gestaltet werden könne. „Ich weiß sehr wohl, dass sich gelegentlich das Gefühl einschleicht, ganz gerne ,den Bettel hinwerfen‘ zu wollen, gerade, wenn der Weg mühsam wird, steinig, steil und ein Vorwärtskommen nur in kleinen Schritten möglich ist. Wir alle wissen, dass der ökumenische Dialog, der Weg zur Einheit der Kirchen, viel Arbeit macht und auch kräftezehrend ist. Geduld ist hier der lange Atem, eine Haltung, die immer wieder einmal mehr bereit ist zu sagen: ,Auf ein Neues.‘“ Diese Geduld habe auch im Gespräch zwischen AKD, EKD und VELKD bewirkt, „dass wir das Erreichte als Ermutigung und Ansporn für einen weiteren Weg sehen können“.

Hinweis: Dieser Pressemitteilung liegt das Abschlussdokument der bilateralen Gesprächskommission der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und dem Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland bei, das heute ab 11.30 Uhr im Rahmen eines Symposiums in der Pfarrgemeinde St. Cyprian vorgestellt wird. Es trägt den Titel „Überlegungen zur Realisierung weiterer Schritte auf dem Weg zur sichtbaren Kirchengemeinschaft von Alt-Katholischer Kirche in Deutschland und Vereinigter Evangelisch-Lutherischer Kirche Deutschlands“.

Hannover, 18. September 2010

Udo Hahn
Pressesprecher