„Seit Kassel ist viel passiert“

EKD-Reformprozess tritt in neue Phase ein

23. September 2010

Logo der EKD Vor genau einem Jahr, vom 24. - 26. September 2009, fand die „Zukunftswerkstatt Kassel“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) statt. Über 1000 Menschen aus verschiedenen kirchlichen Leitungsebenen trafen sich, feierten gemeinsam und tauschten sich engagiert und leidenschaftlich über die vielfältigen Aufbrüche in der Kirche aus. Die Angebote in Kassel reichten von der „Galerie guter Praxis“ über „Andachten anders“, den Start neuer Initiativen und den „Abend ausgezeichneter Idee“ bis hin zu einem geistlichen Stationenweg. Die Zukunftswerkstatt war Zwischenbilanz - drei Jahre nach der Veröffentlichung des Impulspapiers „Kirche der Freiheit. Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert“ - und zugleich Aufbruch in eine neue Phase.

Präses Katrin Göring-Eckardt, die von dem Rat der EKD zur Vorsitzende der neu besetzten Steuerungsgruppe des EKD-Reformprozesses berufen wurde, beschreibt diese neue Phase so: „Es braucht den Mut zum kirchlichen Aufbruch um des Evangeliums willen, um der Menschen willen - und um unserer Gesellschaft willen!“ Gerade angesichts der großen sozialen Veränderungen, die zu einer allgemeinen Reformmüdigkeit geführt haben, sei es ein wichtiges Zeichen, dass und wie die Kirche sich verändere. Göring-Eckardt: „Die evangelische Kirche - das ist meine feste persönliche Überzeugung - kann ein Vorbild dafür sein, wie Reformen gerade nicht zu einer neuen Belastung werden, sondern dem Menschen dienen und zur Besinnung auf das ,Eigentliche‘ führen.“

Eine besondere Bedeutung spielt nach Ansicht des Vorsitzenden des Rates der EKD und stellvertretenden Vorsitzenden der Steuerungsgruppe, Präses Nikolaus Schneider, deshalb die Verbindung des Prozesses „Kirche im Aufbruch“ mit dem Reformationsjubiläum 2017, auf das die evangelischen Kirchen mit speziellen Jahresthemen zugeht. „Der Reformprozess und die Reformationsdekade sind geistliche Zwillinge. Beides gilt: Wirkliche Veränderung erwächst aus dem Glutkern der Reformation. Und wirkliche geistliche Besinnung gelingt nicht ohne den Mut zur Veränderung. Wenn wir das große Erbe von 500 Jahren Reformation antreten wollen, dann nur, indem wir uns selbst auf den Weg machen: geistlich klar, leidenschaftlich engagiert, mit einem guten Schuss frommer Frechheit. Eben gut protestantisch.“

Diese Haltung spiegele sich auch in den vielen Aufbrüchen, die von  Kassel ausgegangen sind: Allein auf EKD-Ebene seien, so Oberkirchenrat Thies Gundlach, Leiter der Abteilung kirchliche Handlungsfelder im Kirchenamt der EKD, zu der auch das Reformbüro gehört, folgende zu nennen:

  • Die Steuerungsgruppe für den Reformprozess hat sich neu zusammengesetzt.
  • Drei Reformzentren für Predigtkultur (Wittenberg), Qualität von Gottesdiensten (Hildesheim) und Mission in der Region (Dortmund/Stuttgart/Greifswald) wurden errichtet und haben ihre Arbeit aufgenommen.
  • Der  Rat der EKD hat eine „Ständige Konferenz für Seelsorge“ eingerichtet, um Seelsorge als „Muttersprache der Kirche“ zu stärken.
  • Der Austausch mit Reformkräften aus der weltweiten Ökumene wurde intensiv vorangetrieben. Im Jahre 2012 wird in Florenz anlässlich der Vollversammlung der Gemeinschaft evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) ein Tag der Reform der Kirchen in Europa stattfinden.
  • An Pfingsten 2010 startete mit „geistreich.de“ eine neue Praxis-Plattform zum Austausch kirchlichen Erfahrungswissens mit bereits über 1.200 angemeldeten Nutzern.
    Das Thema „Kirche in der Fläche“ stellt einen neuen Schwerpunkt im Reformprozess dar und wurde auf einer ersten, stark besuchten Konsultation im Juni 2010 breit diskutiert.

Hannover, 24. September 2010

Pressestelle der EKD
Reinhard Mawick