Lebendige Kirche gestalten

Rat der EKD legt schriftlichen Bericht vor

06. November 2005

Über die Arbeit des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im vergangenen Jahr hat der Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, am Sonntag, den 6. November, in Berlin vor der 4. Tagung der 10. EKD-Synode berichtet. Im schriftlich vorgelegten Teil des Ratsberichtes beleuchtet er, wie lebendige Kirche in der Praxis kirchlichen und christlichen Lebens, in der geschichtlichen Verantwortung und in der politischen Situation gestaltet werden kann. Dabei erwähnt der Ratsvorsitzende unter anderem die Begegnungen mit der katholischen Kirche, die Bundestagswahl, die Debatte um Sterbehilfe und Fragen der multikulturellen Gesellschaft.

Der Tod und die Neuwahl des Papstes wie auch der Weltjugendtag haben enorme mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen, erklärt Huber. „Die auch an anderen Orten in der Gesellschaft beobachtbare Wiederkehr des Religiösen in die öffentliche Diskussion ist ein Gewinn für die Kirchen in unserem Land.“ Damit einher gehe eine Tendenz zur konfessionellen Profilierung. Die „Ökumene der Profile“ bedeute aus evangelischer Sicht einerseits, „die sich aus der Besinnung auf die protestantischen Wurzeln ergebenen Einsichten klar und gelassen zu verdeutlichen.“ Zugleich sollten sich evangelische Christen bewusst bleiben, dass die Bibel die gemeinsame Grundlage aller Christen und Grundlage des missionarischen Auftrages zur Verkündigung von Gottes Wort sei. Auf dieser Grundlage seien Wege zu immer größerer Einheit in der Vielfalt der Christen in aller Welt zu suchen. Bei der Trauerfeier für den Gründer der Gemeinschaft von Taizé, den Protestanten Roger Schutz, am 23. August habe sich die neue Atmosphäre in der ökumenischen Situation gezeigt, so der Ratsvorsitzende. „Die Repräsentanten protestantischer und orthodoxer Kirchen waren teilweise von der Teilnahme an der Mahlfeier ausdrücklich ausgeladen.“

Das Ergebnis der Bundestagswahl habe deutlich gemacht, dass „die Bürgerinnen und Bürger eine breite und stabile parlamentarische Mehrheit befürworten, die in der Lage ist, die Schritte einzuleiten, die für die Zukunftsfähigkeit der sozialen Sicherungssysteme in unserem Land und die Erhaltung politischer Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten nötig sind.“ Die Stimmen der Kirchen und gesellschaftlicher Gruppen seien in dem tief greifenden Reformprozess auch in Zukunft unverzichtbar, ebenso wie eine kritisch-konstruktive parlamentarische Opposition. Für die EKD stehen besonders der „gerecht ausgestaltete Umbau der sozialen Sicherungssysteme und die Fortgeltung des sozialen Ausgleichs in der Steuerpolitik im Mittelpunkt.“ Die evangelische Kirche werde ferner für den Schutz des Lebens an seinem Beginn wie seinem Ende und für eine zukunftsfähige Familien- und Generationenpolitik eintreten.

Zur aktuellen Debatte über Sterbebegleitung und die Verbindlichkeit, Reichweit und Wirksamkeit von Patientenverfügungen habe die Kammer der EKD für Öffentliche Verantwortung mit der auf Bitten des Rates erstellten Text „Sterben hat seine Zeit. Überlegungen zum Umgang mit Patientenverfügungen aus evangelischer Sicht“ einen wichtigen Beitrag geleistet. Der Text betone, dass die Selbstbestimmung des Patienten und die Fürsorge für ihn verbunden und aufeinander bezogen werden müssen. Die Kammer plädiere dafür, auch nonverbale Aussagen zu beachten. „Zur sachgemäßen Auslegung und Anwendung von Patientenverfügungen wird deshalb ein gemeinsames Gespräch von Ärzten, Angehörigen, Pflegepersonen, Seelsorgern und Betreuern empfohlen.“

Die „multikulturelle Gesellschaft“ gerate immer wieder in die Diskussion, so Huber. Ob die Integration von Menschen mit anderer religiöser und kultureller Herkunft in den letzten Jahrzehnten als hinreichend gelungen bezeichnet werden könne, stehe weiterhin zur Frage. Immer klarer trete die Erkenntnis hervor, dass die „Konfrontation mit der Wahrheitsfrage“ nicht aus dem Dialog ausgeklammert werden dürfe. „Gerade im Gespräch mit Menschen aus anderen Religionen und Kulturen muss das je eigene Profil deutlich herausgestellt werden.“


Berlin, 6. November 2005

Pressestelle der EKD
Silke Fauzi


Hinweise:

Der schriftliche Ratsbericht

Zum Thema „Ökumene der Profile“

Zum Thema „Sterben hat seine Zeit“



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