VELKD sieht Hoffnungszeichen gelingender Ökumene

Kirchenleitung zieht positive Bilanz ihrer Reise auf den Spuren Luthers nach Mailand und Rom

26. Januar 2011

Logo der EKD Das Kommuniqué im Wortlaut:

Die Kirchenleitung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) hat sich vom 20. bis 26. Januar in Mailand und Rom aufgehalten. Sie folgte damit den Spuren Luthers, der vor 500 Jahren von Wittenberg über Mailand nach Rom unterwegs war. Im Rahmen der Begegnungsreise führte die Kirchenleitung zusammen mit ihrem Catholica-Beauftragten, Landesbischof Prof. Dr. Friedrich Weber, zahlreiche Gespräche mit ökumenischen Partnern, u. a. mit dem Erzbischof der Erzdiözese Mailand, Dionigi Kardinal Tettamanzi, mit dem Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kurt Kardinal Koch, sowie im Rahmen einer Privataudienz mit Papst Benedikt XVI. Mit großer Dankbarkeit stellt sie fest, dass der mehr als dreißig Jahre währende Dialog mit der römisch-katholischen Kirche zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit, gegenseitigem Verstehen und wichtigen theologischen Ergebnissen geführt hat.

Als ein Symbol dieser bereits existierenden Einheit hat die VELKD gemeinsam mit dem Lutherischen Weltbund und der Lutherstadt Wittenberg in Wittenberg den Luthergarten* geschaffen. Kirchen aus aller Welt sind eingeladen, als ein Zeichen von Versöhnung und geistlicher Gemeinschaft in Wittenberg einen Baum zu pflanzen sowie ein Gegenstück in der jeweiligen Heimatkirche. Im Rahmen eines Ökumenischen Mittagsgebetes für den Frieden nahm die Kirchenleitung an der Pflanzung des Korrespondenzbaums der Erzdiözese Mailand – ein Granatapfelbaum – an der Basilika San Marco in Mailand teil. Eine weitere Pflanzung – ein Olivenbaum – wurde in Gegenwart der Kirchenleitung in Rom bei der Päpstlichen Basilika St. Paul vor den Mauern durch Kurt Kardinal Koch vorgenommen.

Die Kirchenleitung dankt Kardinal Koch dafür, dass er den Baum als Symbol für die Ökumene deutete: in Gottes Wort verwurzelt, aus dem Wasser der Taufe lebend, nach oben wachsend und auf Gott verweisend und in den Ästen und Zweigen ein Zeichen der Vielfalt erkennend – wissend, aus einem Stamm zu kommen. Sie unterstreicht die vom ihm gewählte Beschreibung einer Einheit in bereichernder Vielfalt und einer Vielfalt in bereichernder Einheit. Sie ist darüber hinaus dankbar für das Signal, zu einer weitergehenden Verständigung bei kontroversen Themen zu gelangen, etwa im Rahmen einer Gemeinsamen Erklärung zu Kirche, Abendmahl und Amt – in Anlehnung an die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre aus dem Jahre 1999.
Die Kirchenleitung hat darauf verwiesen, dass gerade beim Thema Abendmahl/Eucharistie sich Mitglieder in beiden Kirchen danach sehnen, dass die durch das ökumenische Gespräch erreichten Klärungen offiziell rezipiert werden. Zudem unterstützt sie die Bitte ihres Leitenden Bischofs, Landesbischof Dr. Johannes Friedrich, an Papst Benedikt XVI. und alle Bischöfe der römisch-katholischen Kirche, die kirchenrechtlichen Vorgaben weitherzig zu interpretieren und verlässliche Absprachen für den gemeinsamen Eucharistieempfang konfessionsverschiedener Ehen zu treffen. Dies könnte zeitnah geschehen.

In der Begegnung mit dem Papst hat sie die Einladung erneuert, das Reformationsjubiläum 2017 gemeinsam zu begehen und angeregt, dass die römisch-katholische Kirche eine kritisch-konstruktive Würdigung von Luthers reformatorischem Wirken aus ihrer Sicht vornimmt.

Die Kirchenleitung ist dankbar für die von Papst Benedikt XVI. in seiner Privataudienz formulierte Botschaft: „Der ökumenische Dialog kann heute von der Wirklichkeit und dem Leben aus dem Glauben in unseren Kirchen nicht mehr abgetrennt werden, ohne ihnen selbst Schaden zuzufügen. So richten wir unseren Blick gemeinsam auf das Jahr 2017, das uns an die Veröffentlichung der Thesen Martin Luthers zum Ablass vor fünfhundert Jahren erinnert. Zu diesem Anlass werden Lutheraner und Katholiken die Möglichkeit haben, weltweit ein gemeinsames ökumenisches Gedenken zu begehen, weltweit um die Grundfragen zu ringen … im gemeinsamen Bekenntnis zum dreifaltigen Gott, im gemeinsamen Gehorsam gegen unseren Herrn und sein Wort. Dabei müssen das gemeinsame Gebet und das innige Bitten an unseren Herrn Jesus Christus um Vergebung für das einander angetane Unrecht und für die Schuld an den Spaltungen einen wichtigen Platz einnehmen. Zu dieser Reinigung des Gewissens gehört auch der gegenseitige Austausch darüber, wie wir die 1500 Jahre bewerten, die der Reformation vorausgegangen und deshalb uns gemeinsam sind. Dazu wollen wir gemeinsam beharrlich um Gottes Hilfe und den Beistand des Heiligen Geistes bitten, um weitere Schritte auf die ersehnte Einheit hin zu gehen und nicht bloß im Erreichten zu verharren.“

Die Begegnungen der Kirchenleitung im Rahmen eines Interkulturellen Abends in der Chiesa Cristiana Protestante di Milano, mit der Präsidentin des Ökumenischen Kirchenrats von Mailand, der Ev.-Luth. Christuskirchengemeinde in Rom, mit der Leitung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien, mit der Gemeinschaft Sant’Egidio sowie ihre Teilnahme am Ökumenischen Vespergottesdienst mit Papst Benedikt XVI. zum Abschluss der Gebetswoche für die Einheit der Christen, haben ihr viele Hoffnungszeichen einer gelingenden Ökumene vor Augen geführt. Sie appelliert an alle Gesprächspartner, in ihrem Bemühen um Einheit nicht nachzulassen, sondern das Erreichte zu vertiefen und im Vertrauen auf die Kraft des Heiligen Geistes mutig den Weg der Ökumene fortzusetzen. Sie freut sich darauf, dass beim Besuch des Papstes in Deutschland im Herbst eine weitere Gelegenheit sein wird, miteinander das Gespräch fortzusetzen.

Hannover, 26. Januar 2011

Udo Hahn
Pressesprecher der VELKD