EKD-Auslandsbischof empfängt Christen aus Indonesien

„Indonesien braucht Koalition für Toleranz“

26. Oktober 2010

Logo der EKD Eine hochrangige Delegation der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Indonesien (PGI) hat der Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Martin Schindehütte, am Montag, 25. Oktober, im EKD-Kirchenamt in Hannover empfangen. An dem mehrstündigen Gespräch nahmen der Vorsitzende der PGI, Dr. Andreas Yewangoe, der Generalsekretär der PGI, Gomar Gultom, und der PGI-Schatzmeister, Kumala Setiabrata, teil. „Indonesien braucht eine Koalition für Toleranz, in der Christen, Muslime und Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften zum Wohl der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten“, erklärte Auslandsbischof Schindehütte nach dem Gespräch. Er ermutigte die indonesischen Kirchenvertreter, die Anliegen der christlichen Minderheit in dem südostasiatischen Inselstaat auch im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) zum Thema zu machen.

„Was die Glaubensgeschwister aus Indonesien berichten, erinnert in vielem an die Integrationsdebatten in Deutschland – nur noch viel dramatischer und unter umgekehrten Vorzeichen, weil die christliche Minderheit in dem Land einer muslimischen Mehrheit gegenübersteht“, so Schindehütte. Während das Recht auf Religionsfreiheit in der indonesischen Verfassung verankert ist, werde die Religionsausübung faktisch durch Vorurteile und Ablehnung der lokalen Bevölkerung erschwert. Eine Umfrage der Universität Jakarta habe ergeben, dass 80 Prozent der Muslime Vorbehalte gegen Christen hätten – ein Anstieg um 30 Prozent innerhalb der letzten zwei Jahre. Angesichts solcher Entwicklungen sei es umso wichtiger, dass die gemäßigten Religionsvertreter konstruktiv zusammenarbeiteten, so der EKD-Auslandsbischof. „Wir nehmen die Sorgen der christlichen Kirchen in Indonesien sehr ernst und unterstützen sie darin, auch international eine größere Aufmerksamkeit auf diese Entwicklungen zu richten.“ Die Vertreter der PGI hätten in dem Gespräch berichtet, dass in einzelnen Fällen christliche Gottesdienste durch ein starkes Polizeiaufgebot vor radikalen Demonstranten geschützt werden müssten. Angesichts gewalttätiger Übergriffe gegen Christen wünschten sie sich eine deutliche Stellungnahme des indonesischen Präsidenten, Susilo Bambang Yudhoyono. Schindehütte erklärte: „Wichtig wäre vor allem ein klares Bekenntnis der Staatsführung zur bisherigen Pancasila-Doktrin, die den anerkannten Religionsgemeinschaften ein gleichberechtigtes Miteinander ermöglicht.“

Martin Schindehütte sprach sich auch für einen verstärkten theologischen Austausch zwischen Deutschland und Indonesien aus. „Die theologischen Fakultäten in Indonesien brauchen nicht mehr in dem Maß Unterstützung aus dem Westen, wie es früher der Fall war. Vielmehr können sie heute aus ihrer Erfahrung einer multi-religiösen, multi-ethnischen Gesellschaft wichtige Anstöße für andere Regionen der Welt geben.“

Hannover, 26. Oktober 2010

Pressestelle der EKD
Silke Römhild