Nordkirche soll Bewährtes konstruktiv weiterführen

Grußwort des Leitenden Bischofs bei der verfassunggebenden Synode

30. Oktober 2010

Logo der EKD Als „für alle Beteiligten sehr bereichernd“ hat der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München), den Prozess gewürdigt, der zur Bildung der künftigen Nordkirche geführt hat. Bei der verfassunggebenden Synode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs, der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche und der Pommerschen Evangelischen Kirche sagte Friedrich am 30. Oktober in Travemünde, es sei immer wieder zu spüren gewesen, dass es um ein „ehrliches Ringen“ gegangen sei, wie aus unterschiedlichen Kirchen mit ihren Eigenheiten und Traditionen ein Neues werden könne. Zweierlei halte er für eine gute, gemeinsame Zukunft wesentlich: „entschlossen Neues zu wagen, wo es sinnvoll und geboten ist und bewährte Traditionen zu bewahren und konstruktiv weiterzuführen“.

Fraglos bleiben werde die reformatorische Einsicht in das Evangelium und das Zeugnis der Apostel als Grund und Grundlage des Glaubens. Denn letztlich gehe es uns als evangelische Christen stets um die Botschaft von der befreienden Gnade Gottes. „Diese Erkenntnis ist auch bei den großen Veränderungen der Bildung einer Kirche im Norden deswegen befreiend, weil sie den Blick immer wieder auf das Wesentliche richtet: So wichtig Strukturen und deren Anpassung an die tatsächlichen Gegebenheiten sind, sind sie doch nur ,irdische Gefäße‘ des göttlichen Schatzes.“ Der Leitende Bischof bekräftigte, dass für alle Ordnungs- und Strukturfragen entscheidend sei, „ob diese geeignet sind, Freiraum bereitzustellen und zu sichern für die Begegnung des Menschen mit Gott und dem Nächsten“. Das Wichtigste sei vielleicht dies, dass nicht diverse Sachzwänge, sondern allein das Evangelium kirchliches Handeln motivieren sollte.

Die Gemeinden, die in dieser Kirche zusammenleben wollen, seien von der lutherischen Reformation geprägt, wie dies im Verfassungsentwurf auch deutlich zum Ausdruck komme. Eine klare konfessionelle Bestimmung sei hilfreich in der Ökumene. Darüber hinaus sei die Kirche im Norden Deutschlands eine wichtige Brücke zu den lutherischen Kirchen Skandinaviens und des Baltikums. „All diese Gründe lassen es für mich – und ich rede hier nur als Gast und als Bischof einer lutherischen Kirche ganz aus dem Süden, für die diese Bezeichnung seit langem selbstverständlich ist – hilfreich erscheinen, die Bezeichnung ,lutherisch‘ im Namen zu führen. Das würde auch alle anderen Kirchen in der VELKD freuen, aber es ist natürlich Ihre Entscheidung.“

Er wünsche der Kirche im Norden „einen guten Weg in die Zukunft: dass diese Kirche Erfahrungen aus Ost und West fruchtbar aufeinander bezieht, dass sie auch in einer zunehmend säkularisierten Umwelt Räume eröffnet und verbindet, in denen das Zeugnis des Glaubens wirksam wird; dass sie eine Brücke ist in den Norden und den Osten; dass sie ihre Gaben, ihre Traditionen und ihre besonderen Sichtweisen einbringt in das Ganze unserer Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands; auch die wichtigen Traditionen aus der Union Evangelischer Kirchen; dass diese Kirche vor dem Hintergrund des lutherischen Erbes das Zeugnis von Barmen ernst nimmt als mutiges Zeugnis aus einer Situation, in der moderner Irrglaube und Ideologie die Wahrheit des Evangeliums zu verdunkeln drohten; dass die Kirche in ihrem Reden und Handeln das verwirklicht, was sie im Verfassungsentwurf schon festgeschrieben haben, dass sie Gottes bleibende Treue zu seinem Volk Israel bezeugt“.

Hannover, 30. Oktober 2010

Udo Hahn
Pressesprecher der VELKD